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Berufsbilder im Fokus: Forschungsreferent

Von Denise Haberger

Aufgaben eines Forschungsrefenten

Berufsbilder im Fokus: ForschungsmanagerNina McGuinness sieht in ihrer Arbeit als Forschungsreferent eine Brückenfunktion zwischen Wissenschaft und Verwaltung
Ob in Forschungseinrichtungen oder Unternehmen: Forschungsreferenten oder Forschungsmanager werden überall dort gebraucht, wo geforscht wird. Sie sorgen im Forschungsmanagement dafür, dass Wissenschaftler ihre Arbeit machen können, indem sie ein ideales Arbeitsklima und gute Rahmenbedingungen schaffen.

Nina McGuinness kam wie viele ihrer Kollegen eher zufällig zum Forschungsmanagement. Die 34-Jährige studierte Germanistik, Geschichte und European Studies in Dublin und Hannover. Als Sachbearbeiterin für EU-Projekte hatte sie an der Unimedizin Göttingen erstmals mit Forschungsmanagement zu tun und blieb dabei: erst an der Uni Hannover, dann an der Uni Hildesheim. Berufsbegleitend studiert sie den MBA-Studiengang "Hochschul- und Wissenschaftsmanagement" an der Hochschule Osnabrück.

Seit August ist Nina McGuinness Forschungsreferentin an der Klinik für Herz, Thorax- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover. Ihre Aufgabe: Forschung ermöglichen, indem sie Forscher bei administrativen Aspekten der Forschungsförderung berät und unterstützt. Wer etwa Fragen zu Fördermöglichkeiten hat oder Hilfe bei Anträgen braucht, kann sich an sie wenden. "Mein Job ist es, eine Brückenfunktion zwischen den Welten der Wissenschaftler und der Verwaltung darzustellen", so McGuinness.

Checkliste - Fakten zum Berufsbild Forschungsreferent

1. Definition:

Unter Forschungsmanagement versteht man die Organisation von Forschung. Gutes Forschungsmanagement schafft ideale Rahmenbedingungen und sorgt für ein positives Arbeitsklima. Forschungsmanagement ist ein Teil des Wissenschaftsmanagements, das sich mit der Einrichtung als Ganzes beschäftigt und auch Themen wie Strategie und Lehre mit einschließt.


2. Einstieg:

Die Chancen sind gut. Möglichkeiten gibt es an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aber auch in der Industrie. Steigende Forschungsausgaben von Unternehmen und ein zunehmender Professionalisierungsprozess an Hochschulen machen Positionen wie die des Forschungsmanagers dringend notwendig.


3. Aufgaben:

In Forschungseinrichtungen beraten Forschungsreferenten Wissenschaftler, etwa bei Fragen zu Anträgen und Budgetierung. In Unternehmen steht die Koordinierung verschiedener Forschungsprojekte im Vordergrund. Forschungsmanager sind dort zum Beispiel für die Wissenschaftler Ansprechpartner bei Problemen und prüfen, ob bestimmte Forschungsvorhaben fortgeführt werden oder nicht. Je nach Position kommen auch Führungsaufgaben hinzu.


4. Voraussetzungen:

An der Hochschule kann eine Promotion für den Dialog mit den Wissenschaftlern hilfreich sein, ist aber nicht ausschlaggebend. In Unternehmen ist fachliche Expertise von großer Bedeutung.


5. Soft Skills:

Wichtig ist der Wille, sich mit verschiedenen Disziplinen zu beschäftigen und sich immer wieder mit neu einzuarbeiten. Organisationsgeschick, Team- sowie Kommunikationsfähigkeit sind Voraussetzungen im Forschungsmanagement.


6. Gehalt:

Im öffentlichen Dienst verdienen Mitarbeiter im Forschungsmanagement je nach Entgeltgruppe im Jahr zwischen 40.000 Euro (TV-L 13, Stufe 1) und 68.000 Euro (TV-L 15, Stufe 5) brutto. Forschungsreferenten in der Industrie können zu Beginn mit einem Jahresbruttogehalt von etwas mehr als 62.000 Euro rechnen - nach oben hin offen.


7. Perspektiven:

Die Aufstiegsmöglichkeiten an Hochschulen sind begrenzt. Die höchsten zu erreichenden Positionen wie Kanzler und Vizepräsidenten/Prorektoren für Forschung sind aufgrund einer Anzahl von derzeit rund 430 Hochschulen überschaubar. In der Industrie gibt es diverse Positionen im Forschungsmanagement innerhalb eines Unternehmens. Rein theoretisch ist sogar eine Vorstandsposition möglich.

Eigene Erfahrungen mit Forschung ermöglicht Kommunikation auf Augenhöhe

Für Dr. Daniel Stietenroth (41) vom Netzwerk der Forschungs- und Technologiereferenten deutscher Hochschulen und selbst Leiter der Stabsstelle Forschung an der Hochschule Bochum muss gutes Forschungsmanagement vor allem für ein gutes Arbeitsklima an der Hochschule sorgen: "In Forschung und Innovation ist eine positive Stimmung sehr wichtig. Wissenschaftler müssen Spaß haben, neugierig sein und gute Partner haben", weiß Stietenroth und erklärt weiter: "Die Aufgabe eines Forschungsmanagers ist es, das miteinander Arbeiten zu fördern, alle Parteien dabei zu unterstützen, gemeinsame Ziele zu entwickeln und auf diese hinzuarbeiten."

Neben den Wissenschaftlern berät er auch die Hochschulleitung und hält sie über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden. Dafür können eigene Erfahrungen im Forschungsbetrieb von Vorteil sein. "Der Job hängt nicht vom Titel ab. Aber es ist definitiv leichter, wenn man schon einmal längere Zeit wissenschaftlich gearbeitet hat. Es ermöglicht einem, auf Augenhöhe zu sprechen und die Arbeitsweise der Wissenschaft zu verstehen". Notwendig sei jedoch auch der Zugang zu Verwaltungsthemen, so Stietenroth. Denn im Forschungsmanagement an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gehören administrative Fragen zum Tagesgeschäft.

Der Erfolg ist wichtig für das Forschungsmanagement in Unternehmen

Berufsbilder im Fokus: Forschungsmanager © Bayer HealthCare Helmut Haning
In Unternehmen ist die Vermittlung zwischen Verwaltung und Wissenschaftlern kein Thema für Forschungsmanager. Dr. Helmut Hanings Hauptaufgabe ist die Steuerung und Koordination. "Wir erzeugen Forschungsprojekte, unterstützen sie, wägen sie aber auch gegeneinander ab", sagt der Leiter der Medizinischen Chemie von Bayer HealthCare in Wuppertal. "Unsere Forschungsarbeit ist immer auf neue Wirkstoffe für ein konkretes Endprodukt ausgerichtet", so der 47-Jährige, "wir sind quasi zum Erfolg verdammt." Doch gerade dieser Druck zur Produktivität habe den Chemiker nach Promotion und einjähriger Postdoc-Phase gereizt, in die Industrie zu gehen. 1995 stieg Helmut Haning bei Bayer als Medizinischer Chemiker ein. Heute verantwortet er als Forschungsmanager von circa 200 Mitarbeitern alle Chemie-Projekte im Herz-Kreislauf-Bereich. "So kann ich die kardiologische Forschung und wichtige Entwicklungen mitsteuern", erklärt er seine Motivation.

Gefragt sind Organisationstalente mit dem Blick fürs Ganze

Berufsbilder im Fokus: Forschungsmanager © Forschungszentrum Jülich Norbert Drewes
Potenziellen Forschungsmanagern empfiehlt er, sich erst einmal ein tiefgründiges fachliches Rüstzeug anzueignen. Denn in Forschungsabteilungen von Unternehmen seien vor allem Experten in ihrem Fachgebiet gefragt. Wer nach einer gewissen Zeit eine Führungsposition im Forschungsmanagement anstrebe, muss laut Haning vor allem Interesse an anderen Disziplinen sowie an strategischen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen haben, aber ebenso Fähigkeiten in der Personalführung mitbringen. Auch an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtung sei der Blick über den Tellerrand eine ausschlaggebende Voraussetzung, weiß Dr. Norbert Drewes, Leiter der Abteilung Unternehmensstrategie am Forschungszentrum Jülich. Organisationstalente, die offen sind, sich in neue Themen einzuarbeiten, gelten ebenfalls als aussichtsreiche Kandidaten. "Wichtig ist auch ein ausgeprägter Dienstleistungsgedanke", so Drewes. "Im Vordergrund steht die Wissenschaft als Produkt, Forschungsmanager sind Dienstleister dafür."

Am Forschungsstandort Deutschland sind die Einstiegschancen für angehende Forschungsreferenten oder -manager gut. "In den letzten Jahren hat an den Hochschulen ein Professionalisierungsprozess eingesetzt", weiß Daniel Stietenroth. "Die Hochschulen brauchen Mitarbeiter, die Wissenschaftler auf hohem Niveau beraten und unterstützen können." Auch in Unternehmen mit großen Forschungsabteilungen werden Experten im Forschungsmanagement gebraucht. Die jährlichen Forschungsausgaben legen nahe, dass sich daran auch erst einmal nichts ändern wird. Deutsche Unternehmen haben 2011 laut Stifterverband der Deutschen Wissenschaft rund 50,3 Milliarden Euro für interne Forschung und Entwicklung ausgegeben. Tendenz leicht steigend.

Ist ein Forschungsreferent das gleiche wie ein Research Manager?

Nein, auch wenn die Begriffe nah beieinander liegen, so unterscheiden sich doch die Positionen voneinander. Research Manager koordinieren Marktforschung. Sie planen die Durchführung, definieren Zielgruppen, erarbeiten Forschungsfragen, interpretieren Ergebnisse und ziehen daraus Schlussfolgerungen.

Hauptsächliche Arbeitgeber sind Unternehmen und Marktforschungsinstitute. Je nachdem, wo und auf welcher Hierarchiestufe Research Manager tätig sind, gehören auch Mitarbeiterführung, Projektsteuerung und Kundenbetreuung zum Aufgabengebiet.

Aufstiegschancen sind an Hochschulen begrenzt

Für Interessierte bieten beide Entwicklungen zahlreiche Möglichkeiten, fürs Erste im Forschungsmanagement Fuß zu fassen, doch die Aufstiegschancen zumindest an Hochschulen sind laut Stietenroth eher begrenzt: "Forschungsmanagement ist oft in der Verwaltung angesiedelt, deren Chef ist der Kanzler. Auf Seite der Wissenschaft ist der Vizepräsident oder Prorektor für Forschung der Vorgesetzte. Spätestens mit diesen Positionen ist dann auch Schluss, meist schon vorher."

Auch in Sachen Gehalt gibt es Unterschiede. Im öffentlichen Dienst steigen Forschungsmanager meist in der Entgeltgruppe TV-L 13 ein, was je nach Stufe einem Bruttojahresgehalt zwischen knapp 40.000 und circa 49.000 Euro entspricht. Spätestens bei TV-L 15 hört es auf. Im besten Fall (Stufe 5) bedeutet das ein Bruttojahresgehalt von etwa 68.000 Euro. Forschungsreferenten (ohne Personalverantwortung) in der Industrie können laut der Gehaltsdatenbank Personalmarkt mit einem Jahresbruttogehalt von etwas mehr als 62.000 Euro rechnen. Nach oben hin sind im Forschungsmanagement keine Grenzen gesetzt.

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academics :: September 2013

Jobs als Referent