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Bewerbungsunterlagen nachreichen
Zeugnis nachreichen bei einer Bewerbung: Was es zu beachten gilt

Unterlagen nachreichen: Geschäftsfrau entnimmt Papiere aus einem Umschlag

Wie erfolgversprechend ist es, im laufenden Bewerbungsprozess Unterlagen nachzureichen? © fotostorm / iStock

Die Bewerbungsfrist für einen attraktiven Job läuft ab – und es fehlen noch Unterlagen. Können Zeugnisse oder andere Belege nachgereicht werden? Wie geht man am besten vor? academics klärt auf.

Aktualisiert: 20.06.2023

Von:
Maike Schade (mas)
Bewerbung

Artikelinhalt

Kann man bei einer Bewerbung Unterlagen nachreichen? Was ist, wenn ein wichtiges Zeugnis nicht mehr vorhanden ist? Kann ich mich vor Abschluss meines Studiums bewerben und das Zeugnis nachreichen? Beamtenlaufbahn: Zeugnisse müsse bei Amtsantritt vorliegen Aktuelles Arbeitszeugnis nachreichen Was ist bei Nachreichungen bei der Bewerbung an einer Hochschule zu beachten?

Kann man bei einer Bewerbung Unterlagen nachreichen?

Egal ob Student oder Professorin, Handwerker oder Ärztin: Grundsätzlich ist bei Bewerbungen elementar, dass alle in der Stellenausschreibung geforderten Unterlagen und für den Job relevanten Unterlagen komplett und fristgerecht eingereicht werden. Manchmal ist das aber nicht möglich – etwa weil das Abschlusszeugnis noch nicht vorliegt, man in ungekündigter Anstellung beschäftigt ist und kein Zwischenzeugnis hat oder weil Unterlagen aus anderen Gründen nicht (mehr) vorliegen und neu beschafft werden müssen. Was tun in einer solchen Situation? Ist eine Bewerbung trotzdem möglich?

Selbstverständlich, so eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Wenn wichtige Zeugnisse noch nicht oder nicht mehr vorhanden sind, sei es sinnvoll, den Grund dafür sachlich und ohne Schuldzuweisung oder Rechtfertigung mitzuteilen – im Anschreiben oder im Lebenslauf. Um die Chancen auf den Job nicht zu verwirken, sollten die fehlenden Unterlagen aber schnellstmöglich und unaufgefordert nachgereicht werden.

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Was ist, wenn ein wichtiges Zeugnis nicht mehr vorhanden ist?

Grundsätzlich müssten einer Bewerbung nicht zwingend alle bisher erhaltenen Zeugnisse beigelegt werden, so die Bundesagentur für Arbeit. „Fehlt ein älteres Zeugnis oder eines, das nicht unmittelbar für die angestrebte Tätigkeit relevant ist, ist das kein Beinbruch.“

In diesem Zusammenhang gut zu wissen: Offenbar räumen viele Arbeitgeber selbst relevanten Zeugnissen keinen allzu hohen Stellenwert ein. In ihrer empirischen Studie zur Aussagekraft von Arbeitszeugnissen (2015) kamen Prof. Dr. Klaus Watzka und Steffi Grau von der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena zu dem Schluss, dass

  • 41,4 Prozent der an der Erhebung teilnehmenden Unternehmen Arbeitszeugnisse bei der Personalauswahl nur „weniger intensiv“ und
  • 9,1 Prozent die Zeugnisse sogar „kaum/gar nicht“ nutzt.
  • Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Auswertenden lesen Zeugnisse demnach nicht einmal komplett durch.

Der Grund laut den Forschenden: Nur rund sieben Prozent der Zeugnisse werden individuell angefertigt; der Großteil besteht dementsprechend aus standardisierten Formulierungen (auch aus Angst vor Rechtsstreitigkeiten) und seien demnach wenig oder gar nicht aussagekräftig. Die Mehrzahl der Verantwortlichen sowohl für die Erstellung als auch für die Auswertung von Zeugnissen seien nicht für diese Aufgabe geschult worden.

Dennoch ist es ratsam, bei fehlenden Nachweisen Alternativen anzubieten – etwa Arbeitsproben oder einen Probearbeitstag. Schließlich geht es dem potenziellen Arbeitgeber ja meist nicht um das Zeugnis an sich, sondern um die Sicherheit, dass der Bewerber oder die Bewerberin nachweislich über die nötige Eignung verfügt.

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Kann ich mich vor Abschluss meines Studiums bewerben und das Zeugnis nachreichen?

Der Hochschulabschluss ist eigentlich nur noch reine Formsache, doch die Bewerbungsfrist für den Traumjob läuft ab, bevor das entsprechende Zeugnis vorliegt? Auch das ist kein Problem. „Liegt das Abschlusszeugnis noch nicht vor, sollte das gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber offen und transparent kommuniziert werden, zum Beispiel durch einen kurzen Hinweis im Lebenslauf. Personaler wissen, dass Universitäten und Hochschulen oft mehrere Wochen oder sogar Monate für die Ausstellung der Zeugnisse benötigen und erwarten nicht, dass Absolventen in dieser Zeit ihre Bewerbungsaktivitäten auf Eis legen“, so die Bundesagentur für Arbeit. Eine Bestätigung der Hochschule über bislang erbrachte Leistungen und den voraussichtlichen Abschlusstermin kann eventuell Pluspunkte bringen.

Sollte der Abschluss wider Erwarten bis zum Beginn der Vertragslaufzeit nicht erreicht worden sein, sodass das Zeugnis nicht nachgereicht werden kann, bedeutet das nicht zwangsläufig die Beendigung des neuen Arbeitsverhältnisses. Vor allem dann nicht, wenn die Eignung trotz des fehlenden Zeugnisses gegeben ist.

Kündigung in und nach der Probezeit: Die Eignung zählt

Der Arbeitgeber kann allerdings zumindest in den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses ohne Weiteres kündigen, erst danach greift das Kündigungsschutzgesetz (§ 1 Abs. 1) – und zwar unabhängig von der vereinbarten Länge der Probezeit. Erst nach Ablauf des halben Jahres muss er für eine personenbedingte Kündigung die mangelnde Eignung des Arbeitnehmers darlegen und beweisen. Hat der Bewerber den Arbeitgeber über seine Eigenschaften arglistig getäuscht, ist zudem eine Anfechtung des Arbeitsverhältnisses möglich.

Beamtenlaufbahn: Zeugnisse müssen bei Amtsantritt vorliegen

Wer eine Beamtenlaufbahn anstrebt, muss die für die jeweilige Laufbahn geforderten schulischen Abschlusszeugnisse vorlegen: einen Hauptschulabschluss für den einfachen, einen Realschulabschluss für den mittleren, das (Fach-)Abitur für den gehobenen und einen Masterabschluss (oder Gleichwertiges) für den höheren Dienst. Wer den Nachweis zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht erbringen kann, muss das Zeugnis bis Amtsantritt nachreichen.

Auch bei einer Bewerbung als Angestellter im öffentlichen Dienst spielen Zeugnisse eine große Rolle. Die konkreten Bedingungen sind ebenso wie die speziellen Bewerbungs- und Auswahlverfahren in der Regel in der Stellenanzeige genau beschrieben.

Bewerbung aus einer ungekündigten Festanstellung: Kann ein aktuelles Arbeitszeugnis später eingereicht werden?

Wer sich aus einer ungekündigten Festanstellung auf einen neuen Job bewirbt, möchte häufig nicht, dass der aktuelle Arbeitgeber von den Veränderungswünschen erfährt. Gelingt der Jobwechsel nicht, kann sich das schließlich negativ auswirken, und sei es nur auf das Betriebsklima. Das können die meisten Unternehmen nachvollziehen und bestehen nicht auf ein Zwischenzeugnis, wenn die Sachlage in der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch offen kommuniziert wird. Wenn doch, ist es ohnehin ratsam zu überlegen, ob man die Stelle bei diesem Unternehmen wirklich antreten möchte.

Denn selbst wenn man wollte, kann man ein Zwischenzeugnis mitunter gar nicht vorlegen: Ein Arbeitgeber ist in der Regel nicht gesetzlich verpflichtet, auf Wunsch eines Beschäftigten ein solches auszustellen. Allerdings gewähren Tarifverträge den tarifgebundenen Arbeitnehmern zum Teil einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis: Paragraf 35 Absatz 2 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) besagt, dass Beschäftigte aus triftigen Gründen auch während des Arbeitsverhältnisses ein Zwischenzeugnis verlangen können. Triftige Gründe sind beispielsweise eine Versetzung oder die Zuweisung neuer Aufgabenfelder.

Wer sich aus ungekündigter Stellung bewirbt, kann in der Regel kein aktuelles Arbeitszeugnis vorlegen und muss meist auch keines nachreichen. Schließlich wird dieses erst zum Ende des Arbeitsverhältnisses ausgestellt. Also dann, wenn die Zusage für den neuen Job ohnehin bereits vorliegt. Es gibt aber auch hier eine Ausnahme: Das Zeugnis muss nachgereicht werden, wenn das im neuen Arbeitsvertrag so festgelegt ist.

Was ist bei Nachreichungen bei der Bewerbung an einer Hochschule zu beachten?

Da Hochschulbeschäftigte entweder Tarifangestellte im öffentlichen Dienst oder Beamt:innen sind, müssen die relevanten Unterlagen in der Regel vorliegen, damit ein Arbeitsvertrag abgeschlossen werden kann. Auch hier gilt aber: Sie können bis zum Abschluss des Auswahlverfahrens nachgereicht werden.

Bei einer Bewerbung um eine Professur, bei der sich das sehr kompetitive Berufungsverfahren über viele Monate erstreckt, ist es äußerst wichtig, Unterlagen nachzureichen – die Promotions- oder Habilitationsurkunde, aber auch Nachweise über wichtige Publikationen, Preise oder eine gelungene Drittmitteleinwerbung können die Chancen auf einen Ruf deutlich verbessern, erklärt Dr. Ulrike Preißler vom Deutschen Hochschulverband (DHV): „Viele Hochschulen wählen qualitativ, aber auch quantitativ aus: Wer hat besonders viele Drittmittel eingeworben, wer hat wie viele in einem Peer-Review-Verfahren positiv begutachtete Publikationen vorzuweisen? Wer hier entsprechende Unterlagen nachreicht, kann im Ranking durchaus einige Plätze nach oben rutschen.“

Preißlers Tipp: Die Nachweise nicht einfach einsenden, sondern vorher den persönlichen Kontakt zum:r Vorsitzenden der Berufungskommission suchen. „Egal ob telefonisch oder per Mail, wer die Nachreichung ankündigt, sich nach dem Stand des Auswahlverfahrens erkundigt und um Weiterleitung der Unterlagen an die Berufungskommission bittet, kann seinen Namen dadurch eventuell in den Fokus rücken.“

Die persönliche Nachfrage nach dem Fortschreiten des Verfahrens sei auch dann gut und erlaubt, wenn die Hochschule sich nach geraumer Zeit bis auf die Eingangsbestätigung nicht wieder gemeldet hat. „Das kommt leider nicht selten vor. Einige Hochschulen informieren online über den aktuellen Stand des Auswahlverfahrens. Es wäre wünschenswert, wenn dies alle Hochschulen so machen würden“, so die Expertin des DHV.

Aktuelle Veranstaltungen

  • Online Seminar
    Ausgebucht

    Alternative Career Paths in Academia and Beyond

    Datum October 20, 2026
    Zeit 4.30 p.m.
    Ort online
    Redner Dr. Michaela Hergersberg (Karrierecoach München)

    It doesn’t always have to be a professorship: After completing your doctorate, many career paths connected to academia are open to you. These include roles in research management, patents or alumni relations, technology transfer, communications, and consulting. In our free online seminar, you will gain an overview of the available options, the qualifications required, and how to plan your next career move.

    This online seminar will be held in English.

    Mehr erfahren Weniger anzeigen
  • academics Event

    Podiumsdiskussion & Austausch: Karrierewege in und aus der Wissenschaft (Berlin Science Week)

    Datum Fr, 6.11.2026
    Zeit 14-16 Uhr
    Ort Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin
    Redner Dr. Hanna Proner (DIE ZEIT)
    Redner Dr. Nicole Saverschek
    Redner Dr. Nina Fechler
    Redner Dagny Lüdemann
    Redner Dr. Nele Diekmann

    In diesem zweistündigen Bühnenslot geben vier Expertinnen und Rolemodels persönliche Einblicke in ihre beruflichen Wege und berichten von Chancen, Entscheidungen und Erfahrungen an unterschiedlichen Schnittstellen zur Wissenschaft. Ob der Weg tiefer in die Forschung führt, um einem Forschungsprojekt zum durchschlagenden Erfolg zu verhelfen oder in die Gründung eines Start-Ups oder vielleicht ins Wissenschaftsmanagement oder auch in die Wissenschaftskommunikation – diese Ideen, Motivationen und vielleicht auch ganz neue Perspektiven diskutieren wir auf der Bühne, aber danach auch mit allen Teilnehmer:innen an Thementischen im persönlichen Gespräch – mit viel Zeit zum Fragen stellen und Erfahrungen teilen.

    Die Veranstaltung richtet sich an junge Wissenschaftler:innen und alle, die sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Sie bietet Orientierung, Inspiration und ganz konkrete Einblicke in mögliche Karriereschritte in und aus der Wissenschaft.

    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung (3-Tages-Pass für die Berlin Science Week) ist erforderlich – Link hinter dem Button „Mehr erfahren“!

    Role Models und Speakerinnen:

    • Dr. Nicole Saverscheck, promovierte Biologin, Leitung des Begabtenförderungswerk der Stiftung der Deutschen Wirtschaft
    • Dr. Nina Fechler, promovierte Chemikerin, Global Director Strategic Marketing & Business Development bei Evonik
    • Dagny Lüdemann, Biologin, Chefreporterin im Ressort Wissen für DIE ZEIT
    • Dr. Nele Diekmann, promovierte Geisteswissenschaftlerin, selbständig

    Moderation: Dr. Hanna Proner, Geschäftsführerin von academics und Director Science / ZEIT Talent bei DIE ZEIT

    Termin: Freitag, 6. November 2026, 14 bis 16 Uhr
    Veranstaltungsort: Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin

    Mehr erfahren Weniger anzeigen
    Mehr Informationen
  • Online Seminar

    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen und weiblich gelesene Personen

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

    Wie gelingt der Weg zur HAW-Professur? Und welche Fragen stellen sich dabei ganz besonders für Frauen?

    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

    Infos und Tipps aus erster Hand kommen dabei von Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau), mit der wir über ihren persönlichen Weg zur Professur sprechen, und Marianne Löhndorf (TH Lübeck), die Einblicke in Berufungsverfahren und Karrierewege gibt.

    Besonders wichtig: Dieses Webinar lebt vom Austausch. In einem eigenen Networking-Block haben die Teilnehmerinnen Raum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmerinnenzahl ist deshalb auf 250 limitiert.

    Das Online-Seminar findet in Kooperation mit der Kampagne „Karriere mit Wirkung“ und dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science and Humanities“ der ZEIT statt.

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