Arbeiten in der humanitären Hilfe
Humanitäre Hilfe: Jobs, die den Unterschied machen

Erste-Hilfe-Tasche als Symbolbild für humanitäre Hilfe

© milan degraeve / unsplash.com

Die humanitäre Hilfe unterstützt Menschen in Krisengebieten. Dafür sind besondere Qualifikationen gefragt. Den einen Weg in den Job gibt es aber nicht. Welche Jobs gibt es, was sind die Voraussetzungen?

Veröffentlicht: 23.02.2023

Von: Juliana Wekel

Humanitäre Hilfe bedeutet, Leben zu retten und das Leid von Menschen zu lindern, die aufgrund von Krisen, Naturkatastrophen oder Konflikten in eine Notsituation geraten sind. Dazu gehört zum Beispiel die Versorgung von Erdbebenopfern oder von Geflüchteten. 

Humanitäre Hilfe unterscheidet sich vom verwandten Gebiet der Internationalen Entwicklungshilfe: Letztere dient dazu, die Lebensumstände von Menschen in Entwicklungsländern langfristig zu verbessern. 

Die Vereinten Nationen haben im Jahr 1991 folgende Prinzipien als Grundlage der humanitären Hilfe festgelegt:

  • Menschlichkeit
  • Unparteilichkeit
  • Neutralität
  • Unabhängigkeit (seit 2003)

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass im Jahr 2023 rund 339 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Zwischen 20 und 30 Millionen Menschen sind jeweils in Afghanistan, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, dem Jemen, Pakistan und Myanmar betroffen. Ein weiteres Krisengebiet, in dem der Bedarf an humanitärer Hilfe groß ist, ist seit 2022 die Ukraine. 

Geleistet wird humanitäre Hilfe in der Regel von nicht-staatlichen, unabhängigen Hilfsorganisationen. Sie treten dann auf den Plan, wenn die Regierung eines Landes nicht allein im Stande ist, die betroffene Bevölkerung zu versorgen. Deutschland stellte für die Arbeit der Hilfsorganisationen nach Angaben des Auswärtigen Amtes im Jahr 2022 insgesamt 3,2 Milliarden Euro zur Verfügung. 

Traditionell reagiert die humanitäre Hilfe auf Krisensituationen, die bereits entstanden sind. Daneben gewinnt die sogenannte vorausschauende humanitäre Hilfe zunehmend an Bedeutung. Sie verfolgt einen präventiven Ansatz: Für potenzielle Krisengebiete werden konkrete Auslöser oder „Trigger“ definiert. Sobald ein bestimmter Status erreicht ist, werden vorab festgelegte Maßnahmen ergriffen und die entsprechenden finanziellen Mittel dafür freigegeben (sogenannte vorhersagebasierte Finanzierung). Ist zum Beispiel ein bestimmter Pegelstand überschritten, kann eine Region evakuiert werden, bevor die nahende katastrophale Überschwemmung Menschenleben kostet.  

Spätestens seit dem Humanitären Weltgipfel im Jahr 2016 steht die vorausschauende humanitäre Hilfe im Fokus der Entwicklung und der Finanzierung. Es gilt also auch, die Datenerhebung, Risikoanalysen und Frühwarnsysteme für Naturkatastrophen kontinuierlich auszuwerten, bedarfsorientiert anzupassen und stetig zu verbessern. 

Wer einen Beruf in der humanitären Hilfe ergreifen möchte, hat eine Vielzahl von möglichen Tätigkeitsfeldern zur Auswahl. So arbeiten zum Beispiel viele Wissenschaftler:innen an Universitäten und Forschungseinrichtungen am Monitoring und an Frühwarnsystemen für Naturkatastrophen

Die Hilfsorganisationen selbst benötigen Personal, das im Inland bleibt und dort Aufgaben wie Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit oder die Koordination der Hilfseinsätze übernimmt. Große Organisationen unterhalten zudem Niederlassungen in verschiedenen Ländern.

Außerdem gibt es Personal, das direkt in die Katastrophengebiete geht. Zu den Aufgaben dort gehört, die Grundversorgung zu sichern oder neu aufzubauen (Wasser, Nahrung, Sanitäranlagen, Hygieneartikel, Notunterkünfte, …) und Betroffene medizinisch und psychologisch zu betreuen.

Neben festen Stellen gibt es bei einigen Hilfsorganisationen die Möglichkeit, sich für eine Pool-Stelle zu bewerben und je nach Bedarf zeitlich befristet (zwischen drei und zwölf Monaten) auf einen humanitären Einsatz zu gehen.

Wer sich im Studium bereits in diese Richtung spezialisieren möchte, kann das Fach Humanitäre Hilfe wählen. Unter diesem Namen bietet in Deutschland aktuell nur die Ruhr-Universität Bochum einen Masterstudiengang an (Stand: Februar 2023). Geeignet sind aber auch Masterstudiengänge wie (Internationale) Katastrophenhilfe oder Internationale Beziehungen. 

Ein solcher Abschluss ist keine Voraussetzung dafür, einen Job im Bereich der humanitären Hilfe oder Katastrophenhilfe zu finden. Die vielfältigen Einsatzgebiete führen dazu, dass auch Absolvent:innen anderer Studiengänge sehr gefragt sind, sowohl in den Organisationen selbst als auch in der Forschung. Zu diesen Studiengängen gehören zum Beispiel:

Schon gewusst?

Das Rote Kreuz ist vermutlich die erste Hilfsorganisation der Welt. Henry Dunant gründete sie im Jahr 1863.

Neben einem passenden Studium gibt es weitere Anforderungen für eine Tätigkeit bei einer Hilfsorganisation. Diese suchen Menschen, die sich dafür einsetzen, einen Unterschied zu machen in der Welt, die selbstlos und kurzfristig überall auf der Welt unter oft extremen Bedingungen arbeiten wollen und können.

Die meisten Stellen verlangen deswegen einschlägige Berufserfahrung, insbesondere für alle, die für einen humanitären Einsatz ins Ausland gehen möchten. Viele Hilfsorganisationen bieten Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit oder Praktika, um erste Einblicke und Erfahrungen zu sammeln.

Wer einen humanitären Einsatz auf sich nimmt, muss äußerst belastbar sein, sowohl körperlich als auch mental. Tagtäglich werden Helfende mit extremen Leid konfrontiert, in unsicheren oder sogar lebensgefährlichen Situationen, mit oft rudimentärer Infrastruktur. Hinzu kommt, dass viele Einsätze in Gebiete mit extremer Hitze oder Kälte führen. Entsprechende Auslandserfahrung ist deswegen wünschenswert. Für einige Organisationen ist Tropentauglichkeit eine Voraussetzung. 

Da die Arbeit per se international ist, sind exzellente Englischkenntnisse unerlässlich. Vorteilhaft sind weitere Kenntnisse von verbreiteten Sprachen, zum Beispiel Französisch, Spanisch oder Arabisch. 

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Es gibt eine Vielzahl von nationalen und internationalen Hilfsorganisationen, die Personal in der Verwaltung oder die humanitären Einsätze benötigen. Zu den größten Organisationen gehören zum Beispiel: 

  • Aktion Deutschland Hilft (ein Zusammenschluss deutscher Katastrophenhilfe, zum Beispiel AWO, Johanniter, Malteser oder CARE)
  • Ärzte ohne Grenzen
  • Organisationen der Vereinten Nationen wie das Kinderhilfswerk UNICEF (United Nations Children’s Fund) und die UNO Flüchtlingshilfe
  • Kirchliche Organisationen wie die Diakonie Katastrophenhilfe oder die Caritas International
  • Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung (zu der auch das Deutsche Rote Kreuz gehört)
  • Welthungerhilfe
  • ´Oxfam
  • Save the Children

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Neben dem Stichwort „Humanitäre Hilfe“ lohnt es sich auch, nach dem Stichwort „Katastrophenhilfe“ zu suchen. Wissenschaftler:innen können sich bei einschlägigen Forschungsprojekten bewerben, zum Beispiel zum Thema Frühwarnsysteme.

Die Vereinten Nationen bieten zudem jungen Absolvent:innen spezielle Young oder Junior Professional Officer Programme an, in denen sie an die Arbeit in internationalen Hilfsorganisationen herangeführt werden.

Was die Gehaltsaussichten angeht, lässt sich keine pauschale Antwort geben: Das Gehalt hängt maßgeblich von Erfahrung und der tatsächlichen Tätigkeit ab.

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