Gleichstellung im Hochschulmanagement
Frauenanteil in Vizepräsidien und Prorektoraten an Hochschulen gestiegen
Seit 2023 ist der Frauenanteil an Vize-Leitungsposten deutscher Hochschulen laut CHE um fünf Prozentpunkte auf 44 Prozent gestiegen. Doch immer noch gilt: Je höher die wissenschaftliche Qualifikationsstufe, desto weniger Frauen finden sich dort.
Aktualisiert: 24.04.2026
Höhere Frauenquote auf der Vize- als auf der Leitungsebene
© academics Grafik
Die Geschlechteranteile bei den Vizeposten an staatlichen deutschen Hochschulen nähern sich weiter an. Im Januar 2026 lag der Frauenanteil in den Präsidien und Rektoraten bei 44 Prozent. Die meisten von ihnen verantworten Ressorts aus den Bereichen Diversität, wissenschaftlicher Nachwuchs oder Internationales. Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) in Berlin haben überdurchschnittlich viele Vizepräsidentinnen und Prorektorinnen. Dies zeigt eine Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.
44 Prozent der Vizeposten sind weiblich besetzt
Vizepräsident:innen und Prorektor:innen an deutschen Hochschulen sind wichtige Akteure in der Organisation und Leitung von Hochschulen. Ihre Ressorts sind je nach Hochschule unterschiedlich zugeschnitten und spiegeln Schwerpunkte und Profile der jeweiligen Hochschule wider. Für einen DatenCHECK des CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat Isabel Roessler nun die Geschlechterverteilung und Ressortzuschnitte von 194 staatlichen Hochschulen ausgewertet.
Im Januar 2026 waren an den 194 staatlichen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) 262 Vizepräsidentinnen, Pro- oder Konrektorinnen im Amt. Der Frauenanteil auf dieser Führungsebene an staatlichen deutschen Hochschulen liegt damit bei 44 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber der letzten CHE Auswertung im Jahr 2023.
Berlin mit überdurchschnittlich weiblichen Leitungsteams
Die Frauenquote liegt bei den Vizeleitungen somit deutlich höher als bei den Hochschulleitungen, wo der Anteil nur 35 Prozent entspricht. Der höchste Anteil weiblicher Vizestellen im Ländervergleich findet sich an HAW in Berlin mit 89 Prozent. An den Universitäten weisen Bremen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 67 Prozent die höchsten Anteile auf.
„Mit einem Frauenanteil von mittlerweile 44 Prozent auf der Vize-Ebene liegt der Wert deutlich über dem Frauenanteil von 30 Prozent an Professuren in Deutschland“, bilanziert Isabel Roessler. „Professorinnen übernehmen vergleichsweise häufig Leitungsverantwortung. Doch immer noch gilt: je höher die wissenschaftliche Qualifikationsstufe, desto weniger Frauen finden sich dort“, so die Autorin des DatenCHECKs.
Von Männern häufig geleitete Ressorts
Bei der Geschlechterverteilung der stellvertretenden Hochschulleitungen nach Ressort zeigt die Analyse des CHE klare Muster. Die höchsten Männerquoten finden sich bei beiden Hochschultypen in den Bereichen Digitalisierung, Weiterbildung und Forschung. Die höchsten Frauenquoten gibt es dagegen in den Bereichen Diversität, wissenschaftlicher Nachwuchs und Internationales.
Die CHE Auswertung zeigt auf Ebene der Ressorts zudem große Länderunterschiede bei den Bereichen Transfer und Digitalisierung. Transfer wird inzwischen an vielen Hochschulen in einem eigenen Ressort bearbeitet, allerdings gibt es auch hier immer wieder Verschiebungen, in dem nach einer Neubesetzung der Schwerpunkt wegfällt. Dabei ist die Verankerung des Themas in einem Ressort ein Indiz dafür, dass es für die Hochschule strategisch sehr bedeutsam ist. Häufige Ressortwechsel sind daher strategisch schwierig.
➥ Mehr zu Chancengleichheit und Frauen in der Wissenschaft finden Sie auf unserer Themenseite:
Chancengleichheit: Frauen in der Wissenschaft
(fk)
Der DatenCHECK
Der DatenCHECK präsentiert zum zweiten Mal nach 2023 eine Analyse der Ressortzuschnitte von Vizepräsidien und Prorektoraten. Betrachtet werden ausschließlich staatliche Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten in Deutschland. Insgesamt liegen die Ergebnisse von 194 Einrichtungen vor. Die Auswertung zeigt, wie viele Themen einzelne Leitungsmitglieder verantworten, welche Ressorts besonders häufig sind und welche Unterschiede sich nach Hochschultyp, Geschlecht und Bundesland ergeben. Im Regelfall verantworten die Vizepräsident*innen oder Prorektor*innen zwei Bereiche. Besonders häufig kommt dabei die Kombination Studium und Lehre oder Forschung und Transfer vor. Der Frauenanteil bei den Vizepräsidien bzw. Prorektoraten deutscher Universitäten und Fachhochschulen liegt im Januar 2026 bei 44 Prozent (Universitäten 48 %, HAW 39 %).
➥ Den vollständigen DatenCHECK von Isabel Roessler zu Ressortzuschnitten und Geschlechterverteilung an 194 staatlichen Hochschulen finden Sie hier.