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Dissertation veröffentlichen: Online oder nicht online, das ist hier die Frage

Von Maike Steuer

Mehrere Jahre intensiver Forschung und Recherche sind überstanden, hunderte Seiten getippt. Nach einer letzten Korrekturrunde durch den Doktorvater wartet die fertige Dissertation abrufbereit auf dem eigenen Computer. Fehlen nur noch der Ausdruck und die Abgabe des Werks. Doch "nur noch" erweist sich auf dem Weg zum Doktortitel als große Hürde - dank eines Absatzes in der Promotionsordnung zur "Veröffentlichungspflicht."

Dissertation publizieren: Online oder nicht online, das ist hier die Frage© creacart - iStockphoto.com

Jede Doktorarbeit muss veröffentlicht werden

Sie besagt, dass jeder Doktorand in Deutschland seine wissenschaftliche Arbeit in zitierfähiger Form publiziert haben muss, bevor er sich das "Dr." auf das heimische Klingelschild schreiben darf. Genau wie die mündliche Prüfung (Rigorosum) und die Verteidigung der Arbeit (Disputation) ist die Publikation integraler Bestandteil des Promotionsverfahrens an einer deutschen Hochschule. Was im ersten Moment nach einem schlichten Gang in den Copy Shop und einem dicken Stapel gebundenes Papier klingt, bedeutet in Wahrheit eine Menge weiterer Arbeit und mitunter enorme Kosten. Abhängig von Universität und Fakultät muss der Promovend zwischen 40 und 150 Exemplaren seiner Dissertation einreichen. Da sich die Wenigsten so kurz fassen wie ein deutscher Mathematiker, der seinen "Dr. rer. nat." 1998 für schlanke 32 Seiten bekam, reißen die Kosten für ein durchschnittlich 400 Seiten dickes Buch je nach Art der Veröffentlichung ein mehr oder minder großes Loch ins Portemonnaie.

E-Books als günstigste Variante

Die günstigste Variante ist dabei die Online-Publikation. Mit der Neufassung des "Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek" und der Aufnahme von "unkörperlichen Medienwerken" in den Sammelauftrag, zu denen Online-Dissertationen zählen, wurde der Weg 1998 für die Veröffentlichung im World Wide Web geebnet. Seitdem sind die Zahlen der veröffentlichten "E-Books - Netzpublikationen, die als Volltext online abrufbar sind" kontinuierlich auf über ein Drittel aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen gestiegen. Im April 2008 zählte die Deutsche Nationalbibliothek 64 384 Online-Dissertationen und Habilitationen zu ihrem Bestand.

Schnell verfügbar und weit verbreitet

Die Vorteile der Online-Publikation sind offensichtlich: Sie kosten weder viel Zeit noch Geld und werden mittlerweile von 90 der 104 promotionsberechtigten Hochschulen akzeptiert. Zudem erreichen die virtuell verfügbaren Bücher oftmals einen viel größeren Leserkreis, als die gebundene Ausgabe im Bücherregal. So verzeichnet allein die Datenbank des GRIN Verlags, der sich auf die Veröffentlichung akademischer Texte spezialisiert hat, monatlich über 1,2 Millionen Zugriffe. Dabei haben die Autoren nicht nur die Wahl, ob sie ihre wissenschaftliche Arbeit kostenlos oder für einen bestimmten Preis zur Verfügung stellen, sondern auch die Möglichkeit, ihr Werk bei Bedarf als "richtiges" Buch drucken zu lassen. Ausgestattet mit einem ISBN-Code können die Publikationen in realen wie virtuellen Buchhandlungen bestellt werden.

Alleine oder im Verlag?

Gegner der virtuellen Veröffentlichungsmethode und Doktoranden an den 14 verbliebenen offline Hochschulen müssen abwägen: Wollen sie den Druck Marke "Copy Shop" in Eigenregie stemmen oder sich durch den Dschungel von 2 150 000 Suchergebnisse kämpfen, den Google zu "Dissertation Verlag" ausspuckt? Während der Eigenverlag schnell und unkonventionell funktioniert, kann die Veröffentlichung durch einen Fachverlag mehrere Monate dauern. Besonders für Promovenden mit fester Deadline ein wichtiger Aspekt, der berücksichtigt werden muss. Marketingtechnisch wiederum hat der Verlag die Nase vorn, da er auf ein bestehendes Vertriebsnetzwerk zurückgreifen kann, während der Einzelkämpfer Klinken putzen geht. So groß die Unterschiede sind, eines haben beide Möglichkeiten gemeinsam: Sie sind mit Kosten verbunden, die sich jedoch nicht pauschalisieren lassen. Abhängig von Seitenanzahl, Auflage, Ausstattung des Buches mit farbigen Abbildungen oder ohne und Qualität der Publikation schwankt der Preis zwischen 100 und 1.500 Euro.

Geld sparen mit "Druckkostenstipendium"

Auch die Bedingungen der Verlage sind so unterschiedlich, wie die Promotionsbedingungen der einzelnen Fachbereiche der Hochschulen. Mal wird ein allgemeiner Druckkostenzuschuss vom Promovenden eingefordert, mal ist er verpflichtet eine Mindestanzahl an Exemplaren abzunehmen, nur kostenlos ist es selten. Orientierungshilfe vor Vertragsabschluss liefert neben der umfassenden Eigenrecherche beispielsweise der Mustervertrag auf www.dissonline.de». Auch ein Besuch in der Hochschulbibliothek ist ratsam, wo sich mitunter Schriftenreihen finden, in die das eigene Thema passen könnte. Ein Blick in die Stipendiendatenbank von e-fellows.net kann beim Geld sparen helfen. Dort aufgelistet sind über 60 Einträge zu "Druckkostenstipendien" oder auch "Sach- und Reisekostenzuschüssen".

Tipps zur Verlagsauswahl

Man sollte sich vorher vergewissern, dass der Verlag Aktivitäten unternimmt, die einer Dissertation zu Aufmerksamkeit und Rezensionen verhelfen. Am besten sucht man sich einen renommierten Verlag aus und informiert sich über dessen Arbeitsweise, bevor man dort die Dissertation veröffentlichen lässt. Es kann sein, dass man nach einigen Jahren noch einmal Exemplare benötigt, dann sollte das Unternehmen noch existieren. Werben Verlage mit einer kostenlosen Veröffentlichung, ist Vorsicht geboten. Oft verstecken sich Kosten im Kleingedruckten. Sehr bekannte Verlage hingegen fordern von den Autoren oft zu viel Geld für die Veröffentlichung. Andere bieten ihre Bücher im Handel zu teuer an. Eine sorgfältige vorherige Recherche ist also unvermeidlich. Dass ein wissenschaftliches Buch zum Geldsegen führt, ist leider selten. Der größte Nutzen, eine Dissertation zu veröffentlichen, besteht in der fachlichen Reputation.

Quelle: academics

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