Finanzierung von Forschungsprojekten
Projektfinanzierung in der Wissenschaft: Förderquellen, Ablauf und Herausforderungen
Wissenschaftliche Forschung ist auf finanzielle Mittel angewiesen. Aber woher kommt das Geld, wie läuft die Finanzierung ab und welche Schwierigkeiten gibt es?
Aktualisiert: 06.07.2026
Was bedeutet Projektfinanzierung in der Wissenschaft?
Projektfinanzierung bezeichnet die zeitlich und thematisch begrenzte Finanzierung eines konkreten Forschungsvorhabens. Anders als die Grundfinanzierung einer Hochschule oder Forschungseinrichtung ist sie in der Regel an einen Antrag, definierte Ziele, einen Kostenplan, eine Laufzeit und Berichtspflichten gebunden. Finanziert werden können zum Beispiel Personalstellen, Geräte, Reisen, Verbrauchsmaterialien, Publikationskosten oder Mittel für wissenschaftliche Veranstaltungen.
Woher kommen die Gelder für Forschungsprojekte?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben die öffentlichen, privaten und kirchlichen Hochschulen im Jahr 2024 insgesamt 79,2 Milliarden Euro ausgegeben (rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr). Die größten Ausgabeposten sind neben dem Personal und der Patientenversorgung im medizinischen Bereich die wissenschaftliche Forschung – und diese wird hauptsächlich über von den Hochschulen eingeworbene Drittmittel finanziert.
Größte Drittmittelgeber waren 2024 der Bund, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die gewerbliche Wirtschaft. Insgesamt beliefen sich die Drittmittel auf rund 10,7 Milliarden Euro, genauso viel wie im Vorjahr. Rund 3,4 Milliarden Euro kamen dabei vom Bund, knapp 3,2 von der DFG und 1,7 Milliarden Euro aus der Wirtschaft.
Höhe der Drittmittel nach Drittmittelgeber (2024)
| Drittmittelgeber | Höhe der Drittmittel (in Euro) |
|---|---|
|
Bund |
3.361.115.000 |
|
DFG |
3.248.757.000 |
|
Gewerbliche Wirtschaft (u. dgl.) |
1.657.251.000 |
|
Europäische Union |
924.259.000 |
|
Stiftungen (u. dgl.) |
814.528.000 |
|
Hochschulförderungsgesellschaften |
253.036.000 |
|
Länder |
169.788.000 |
|
Sonstige öffentliche Drittmittel |
198.248.000 |
|
Int. Organisationen |
37.799.000 |
|
Gemeinden |
17.481.000 |
|
Bundesagentur für Arbeit |
1.602.000 |
Zu den Drittmitteln zählen auch Gelder, die aus Stiftungen kommen. Der Großteil der Stifter in Deutschland sind Privatpersonen, oft gründen aber auch Unternehmen Stiftungen und engagieren sich bundesweit in der Förderung von Forschung. Bedeutende Stiftungen in Deutschland, die in Wissenschaft und Forschung investieren, sind:
- VolkswagenStiftung: Wissenschaft & Technik; große wissenschaftsbezogene Förderinitiativen, oft themen- und strukturbildend
- Alexander von Humboldt-Stiftung: Wissenschaftskooperationen; internationale Forschungsaufenthalte und Vernetzung
- Fritz Thyssen Stiftung: drei zentrale Förderbereiche: Geschichte/Sprache/Kultur, Staat/Wirtschaft/Gesellschaft, Medizin & Naturwissenschaften
- Gerda Henkel Stiftung: historisch orientierte Geisteswissenschaften
- Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU): Umwelt, Nachhaltigkeit, ökologische Innovation unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft
Forschung: wichtig, aber teuer
Forschung ist aber gleichzeitig sehr teuer, besonders in medizinischen und naturwissenschaftlichen Fachbereichen, wo moderne Geräte für die Forschungsarbeit benötigt werden. Weil die Grundförderung, die Hochschulen von Bund bzw. Bundesländern regelmäßig erhalten, für die Deckung der Kosten nicht ausreicht, sind sie auf die Finanzierung über Drittmittel angewiesen.Forschung hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) belegt die Bundesrepublik nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2024 im europaweiten Vergleich mit 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Rang 5, hinter Schweden, Belgien, Österreich und Finnland – einen Rang schlechter als im Jahr 2023.
Mögliche Förderquellen
Gefördert wird in vielen Bereichen durch Bund, Länder und EU. Ob ein Projekt gefördert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Innovationsgrad und den Erfolgsaussichten. Die Bundesregierung fördert grundsätzlich „konkrete FuE-Vorhaben, die den Wissensstand in zentralen Anwendungsbereichen vorantreiben und so als Wachstumstreiber in vielen Branchen wirken“. Das können Forschungsprojekte von Hochschulen, Großforschungseinrichtungen, FuE-Institutionen sowie der gewerblichen Wirtschaft sein. Darüber hinaus gibt es spezielle Programme für die Forschungs- und Innovationsförderung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).
Wer ein Forschungsprojekt plant und staatlich fördern lassen möchte, sollte zunächst die verschiedenen Fördermöglichkeiten identifizieren und sich bei Bedarf beraten lassen. Die Förderberatung des Bundes „Forschung und Innovation“ ist hierfür eine gute Anlaufstelle. Einen Überblick darüber, welche Förderquelle für welche Vorhaben geeignet ist, zeigt die folgende Tabelle.
Welche Förderquelle passt zu welchem Vorhaben?
| Förderquelle | Geeignet für | Typische Vorhaben | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
|
DFG |
promovierte Wissenschaftler:innen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen |
Grundlagenforschung, Einzelförderung, Forschungsgruppen, Sonderforschungsbereiche |
stark wissenschaftsgeleitet, Peer Review, hohe Bedeutung der wissenschaftlichen Qualität |
|
BMBF/Bund |
Hochschulen, außeruniversitäre Forschung, Verbünde, Unternehmen |
anwendungsnahe Forschung, Verbundprojekte, strategische Zukunftsthemen |
häufig thematische Bekanntmachungen, oft mit Projektträgern |
|
EU |
internationale Konsortien, exzellente Einzelprojekte, Verbundforschung |
Horizon Europe, ERC, Marie Skłodowska-Curie |
hoher administrativer Aufwand, internationale Ausrichtung |
|
Stiftungen |
je nach Stiftung: Nachwuchs, Fachgebiete, gesellschaftliche Themen |
personenbezogene Förderung, Projektförderung, Fellowships |
oft thematische Profile, teilweise flexiblere Förderlogik |
|
Wirtschaft |
anwendungsnahe Forschung, Transfer, technische und medizinische Projekte |
Auftragsforschung, Kooperationen, Drittmittelprojekte |
Fragen zu Unabhängigkeit, Rechten an Ergebnissen und Interessenkonflikten wichtig |
Diese Tabelle wurde mit KI-Unterstützung erstellt.
©academicsDie Förderrichtlinien zu den einzelnen Förderprogrammen werden als Bekanntmachungen im Bundesanzeiger veröffentlicht. Darin sind Ziele, Zielgruppen, Schwerpunkte und Ablauf festgehalten. In dringenden Ausnahmefällen sind auch Förderungen für Projekte außerhalb der Bekanntmachungen möglich. Die wichtigsten Fördermittelgeber sind die Bundesministerien für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR), Wirtschaft und Energie (BMWE), Verteidigung (BMVg), Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) sowie Gesundheit (BMG).
Ablauf der Förderung bei Bund, DFG und Stiftungen
Der Ablauf eines Förderantrags beim BMBF gestaltet sich wie folgt:
- Identifizierung einer geeigneten Fördermöglichkeit
Nur im zweistufigen Verfahren:
- Projektskizze einreichen, diese enthält u. a.
- Bezug zum Förderprogramm
- Erläuterung der Idee und beteiligter Partner
- Darlegung des eigenen Knowhows
- Benennung bereits existierender Forschungsprojekte und -ergebnisse zum Thema
- Einschätzung von Projektlaufzeit, benötigter Ressourcen und Kosten
- Bewertung bzw. Empfehlung des Projekts durch das Ministerium/Projektträger
- Antragstellung
- Prüfung des Antrags
- Entscheidung
Antragstellung, Begutachtung, Entscheidung – so sieht der Förderungsprozess auch bei den diversen Stiftungen sowie bei der DFG aus. Bei der DFG gehen pro Jahr mehr als 13.000 Anträge auf Einzelförderung ein, also Anträge, die von promovierten Forscherinnen und Forschern zu thematisch und zeitlich begrenzten Projekten gestellt werden können. Etwa ein Drittel dieser Anträge wird bewilligt und gefördert. Im Bereich der Einzelförderung befanden sich 2025 rund 16.500 Projekte in der laufenden Förderung. Auf sie entfällt mehr als ein Drittel der DFG-Ausgaben. Insgesamt förderte die DFG 2025 mit rund 3,8 Milliarden Euro rund 30.800 Projekte.
In 7 Schritten zur Projektfinanzierung
- Forschungsidee präzisieren: Forschungsfrage, Erkenntnisinteresse, Stand der Forschung und erwarteter Beitrag klären.
- Passende Förderlinie recherchieren: DFG-Programme, BMBF-Bekanntmachungen, EU-Ausschreibungen und Stiftungsprogramme prüfen.
- Förderfähigkeit prüfen: Wer darf beantragen? Welche Karrierestufe ist angesprochen? Sind Kooperationen erforderlich?
- Zeit- und Kostenplan erstellen: Personal, Geräte, Reisen, Verbrauchsmaterialien, Publikationen, Workshops und Overheads berücksichtigen.
- Antrag oder Projektskizze verfassen: Ziele, Methode, Arbeitsprogramm, Risiken, Verwertung und wissenschaftliche Relevanz überzeugend darstellen.
- Interne Abstimmung einplanen: Drittmittelstelle, Verwaltung, Institutsleitung, Kooperationspartner und ggf. Ethikkommission früh einbinden.
- Begutachtung, Rückfragen und Bewilligung abwarten: Nach Bewilligung folgen Mittelabruf, Berichtspflichten und Projektcontrolling.
Je sorgfältiger und detaillierter Sie Ihren Förderantrag erstellen, desto erfolgreicher ist er! Die DFG gibt Tipps.
➥ Lesetipp: Drittmittel einwerben – So stellen Sie einen erfolgreichen Förderantrag
Problemstellungen und Lösungsansätze bei der Forschungsfinanzierung
Ob Forschungsanträge finanziell gefördert werden, hängt maßgeblich von der Qualität des Forschungsvorhabens ab. Zugleich steht das wissenschaftliche Bewertungssystem in Europa seit Jahren in der Kritik. Die Europäische Kommission hat bereits 2021 in einem Scoping Report darauf hingewiesen, dass Fortschritte bei der Reform von Forschungsbewertung bislang langsam, uneinheitlich und fragmentiert verlaufen. Ziel der Reform ist es, Forschung, Forschende und Forschungseinrichtungen stärker anhand ihrer tatsächlichen wissenschaftlichen Leistungen und ihres Beitrags zur Qualität und Wirkung von Forschung zu bewerten – und weniger anhand vereinfachender quantitativer Indikatoren wie der Zahl von Publikationen, Zitationen oder dem Renommee des Publikationsorts.
Aus diesem Prozess ist inzwischen eine konkrete europäische Reformarchitektur entstanden: Das Agreement on Reforming Research Assessment (ARRA) wurde 2022 veröffentlicht und bildet die Grundlage für die Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA). Die Unterzeichner verpflichten sich auf gemeinsame Leitlinien für eine stärker qualitative, kontextbezogene und verantwortungsvolle Forschungsbewertung, bei der Peer Review eine zentrale Rolle spielt und quantitative Indikatoren nur verantwortungsvoll und unterstützend eingesetzt werden. Nach Angaben von CoARA haben sich inzwischen mehr als 800 Organisationen dieser Reformrichtung angeschlossen; Signataren und Mitglieder sollen innerhalb eines Jahres nach Unterzeichnung einen Aktionsplan für die Umsetzung vorlegen.
Die Reform befindet sich inzwischen also nicht mehr im Planungsstadium, sondern in der Umsetzungsphase. Das zeigt auch eine im Juni 2026 von der Europäischen Kommission veröffentlichte unabhängige Bestandsaufnahme. Ihr zufolge ist die Beteiligung breit, viele Einrichtungen haben bereits konkrete Änderungen an ihren Bewertungsverfahren eingeleitet; zugleich verläuft die Umsetzung je nach Land und Institution unterschiedlich schnell. Die Reform bleibt damit ein komplexer und langfristiger Prozess, der institutionelle Eigenständigkeit respektiert, aber europaweit auf gemeinsame Prinzipien für eine fairere und aussagekräftigere Bewertung von Forschung hinwirkt.
Die Wirtschaft und ihr Einfluss auf die Forschung
Viel diskutiert ist auch die Förderung durch Unternehmen und welchen Einfluss sie auf die Forschung hat. Befürworter von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sehen die Möglichkeiten, die sich für die Forschung ergeben. Diese Drittmittel würden Forschung in vielen Fällen überhaupt erst möglich machen. Andere sind dagegen der Meinung, dass medizinische, naturwissenschaftliche und technische Fächer von der Industrie und ihren Stiftungen bevorzugt werden. Bereichen wie beispielsweise dem Umweltschutz oder sozialwissenschaftlichen Fächern fehlen hingegen finanzielle Mittel, da sie bei der Förderung durch die Wirtschaft eher vernachlässigt werden.
Dies führe nicht nur zu einseitiger Forschung. Unternehmen wird auch vorgeworfen, Einfluss auf die Forschungsergebnisse nehmen zu wollen, wodurch die Unabhängigkeit der Forschung gefährdet wäre. Unklar ist darüber hinaus auch, wem die Ergebnisse der Forschungsarbeit gehören.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Grundfinanzierung und Drittmitteln/Projektfinanzierug?
Die Grundfinanzierung dient dazu, den laufenden Betrieb einer Hochschule oder Forschungseinrichtung zu sichern. Sie finanziert also Strukturen, Personal, Lehre, Verwaltung und einen Teil der Forschung. Projektfinanzierung funktioniert anders: Sie ist in der Regel zeitlich befristet, zweckgebunden und an ein konkretes Forschungsvorhaben geknüpft. Wer solche Mittel erhält, muss meist vorab einen Antrag stellen und später nachweisen, wofür das Geld verwendet wurde.
Wer kann Projektfinanzierung in der Wissenschaft beantragen?
Das hängt vom Fördergeber ab. Bei der DFG sind häufig promovierte Wissenschaftler:innen antragsberechtigt, sofern sie an einer geeigneten Forschungseinrichtung tätig sind; für manche Programme (z. B. Emmy Noether) sind auch Promovierende kurz nach der Promotion antragsberechtigt. Bei Programmen des Bundes oder der EU treten dagegen oft Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder ganze Verbünde als Antragsteller auf. Stiftungen legen ihre eigenen Kriterien fest; manche fördern einzelne Forschende, andere Projekte, Einrichtungen oder internationale Aufenthalte.
Wie lange dauert es, bis ein Forschungsantrag bewilligt wird?
Für die meisten Forschungsanträge sollten mehrere Monate eingeplant werden. Zweistufige Verfahren dauern oft länger, weil zunächst eine Projektskizze bewertet und erst danach ein Vollantrag eingereicht wird. Auch Begutachtungen, Gremiensitzungen und interne Prüfungen beim Fördergeber brauchen Zeit. Wer auf eine bestimmte Projektlaufzeit, Vertragsverlängerung oder Personalgewinnung angewiesen ist, sollte deshalb mit großzügigem Vorlauf planen.
Welche Kosten sind bei Forschungsprojekten förderfähig?
Typisch sind Personalkosten, etwa für wissenschaftliche Mitarbeiter:innen, Doktorand:innen, studentische Hilfskräfte oder technisches Personal. Hinzu kommen je nach Vorhaben Sachmittel, Geräte, Software, Datenzugänge, Reisekosten, Konferenzen, Publikationen oder Workshops. Nicht jede Ausgabe ist automatisch förderfähig. Maßgeblich sind immer die Bedingungen des jeweiligen Programms und die Frage, ob die Kosten für die Durchführung des Projekts nachvollziehbar notwendig sind.
Was erhöht die Chancen auf eine Bewilligung?
Ein erfolgreicher Antrag überzeugt nicht allein durch ein wichtiges Thema. Er muss zeigen, dass das Projekt wissenschaftlich relevant, methodisch plausibel und in der beantragten Zeit realistisch umsetzbar ist. Gutachter:innen achten außerdem darauf, ob das Vorhaben zur Förderlinie passt, ob Vorarbeiten vorhanden sind und ob der Finanzplan zum Arbeitsprogramm passt. Häufig scheitern Anträge nicht an der Grundidee, sondern daran, dass Forschungsfrage, Methode, Zeitplan oder beantragte Mittel nicht präzise genug miteinander verbunden sind.