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Als Lehrer berufsbegleitend promovieren?

Als Lehrer berufsbegleitend promovieren?© tinadefortunata - Fotolia.com

Ich schließe bald mein Referendariat (LA Gymnasium) ab und würde am liebsten danach eine Teilzeitstelle an einer Schule antreten und berufsbegleitend promovieren, in der Fachdidaktik Geschichte.

Die externe Betreuung wäre gleich durch mehrere in Frage kommende Professoren gewährleistet.

Leider ist das Nachwuchsförderungsprogramm des BMBF, das ich fest im Auge hatte, derzeit ausgesetzt, und es ist fraglich, ob weitere Dissertationen in der Zukunft gefördert werden.

Prinzipiell könnte ich berufsbegleitend promovieren, wenn ich die Dissertation durch eine 50%-Stelle in der Schule (A 13) finanzieren könnte. Jedoch könnte dies im Hinblick auf Familienpläne auch schnell knapp werden.

Mehr zum Thema "berufsbegleitend promovieren" Daher mein Anliegen: Zum einen bin ich auf der Suche nach finanziellen Fördermöglichkeiten, die sich mit einer Tätigkeit im Schuldienst kombinieren lassen. Eine Abordnung als Studienrat oder eine Tätigkeit als LfbA käme dabei zunächst (also im Berufseinstieg) sicherlich nicht in Betracht. Eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter scheint auch nicht möglich.

Der Aufbau von Promotionskollegs/Graduiertenschulen für an einer wissenschaftlichen Weiterqualifikation interessierte Lehrer/innen ist geplant (z.B. RUB Bochum), jedoch noch nicht vollzogen.

Zum anderen - dies ist sicherlich schwieriger zu beantworten - zweifle ich an der Sinnhaftigkeit meines Vorgehens. Ich möchte definitiv für einige weitere Jahre in den Schuldienst, mir mit einer fachdidaktischen Promotion jedoch auch weitergehende Tätigkeiten im Schuldienst (etwa: 1. oder 2. Phase der Lehrerausbildung) oder im Bildungsbereich insgesamt offen halten.

Für Tätigkeiten außerhalb der Schule kommen mir meine umfassenden beruflichen Erfahrungen in der Lehrerfortbildung für das Goethe-Institut und mehrere Stiftungen sicherlich zugute.

Für all die genannten Wege ist eine Promotion manchmal hilfreich, aber keinesfalls notwendig, soweit ich dies einschätzen kann.

Wie ist Ihre Einschätzung?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Falls Sie nach Beendigung Ihres Referendariates eine Karriere im Schuldienst avisieren, ist eine Promotion zweifelsohne nicht notwendig, aber durchaus hilfreich. Denn es zeigt sich immer wieder, dass auch Führungspositionen im öffentlichen Dienst gerne mit promovierten Kandidatinnen und Kandidaten besetzt werden.

Schließlich kann eine Promotion bei der Besetzung von Stellen nach dem verfassungsrechtlich geforderten sogenannten Prinzip der Bestenauslese durchaus hilfreich sein. Für eine Tätigkeit an der Universität ist sie nachgeradezu Zugangsvoraussetzung. Sie sollten allerdings berücksichtigen, dass eine Promotion - gerade eingedenk der von Ihnen beschriebenen biografischen Konstellation - durchaus mit Belastungen verbunden ist.

Dies gilt insbesondere, wenn Sie berufsbegleitende promovieren. Insoweit wird es darauf ankommen, dass Sie im Fall Ihrer Promotion ein begrenztes Thema bearbeiten und sich eine realistische Bearbeitungszeit vorgeben. Letztlich gestatten Sie uns den Hinweis, dass sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst Promotionsvorhaben jenseits eines Lebensalters von 40 als Hobby angesehen werden.
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