Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Arbeitslosigkeit durch Zwölf-Jahres-Regelung?

Arbeitslosigkeit durch Zwölf-Jahres-Regelung?© dancerP & AF Hair - Fotolia.com

Seit meinem Diplom 1986 arbeite ich - mit zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit (inklusive einiger Monate Hartz 4) - in befristeten Arbeitsverhältnissen. Meine momentane Stelle läuft Ende Juli aus. Eine zugesagte Stelle an einer anderen Universität konnte ich aufgrund des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und der darin festgelegten 12-Jahres-Regel letztendlich nicht antreten. Es besteht momentan aber noch Hoffnung auf eine Drittmittelstelle, die für die 12-Jahres-Regel teilweise nicht relevant ist.

Neulich war ich pflichtgemäss auf dem Arbeitsamt, da man sich 3 Monate vor potentieller Arbeitslosigkeit melden muss. Die Beraterin hat mir informell - nicht offiziell - bestätigt, dass ab einem Alter von 50 so gut wie keine Chancen mehr auf eine Vermittlung bestehen. Als Anmerkung - ich habe wissenschaflich soweit möglich versucht meinen Interessen und Neigungen zu folgen, d.h. als erfolgreicher Leistungssportler habe ich Wissenschaft (Diplom- und Doktorarbeit) und praktische Erfahrungen verknüpft.

Ich habe eigentlich alles "richtig" gemacht - habe mich nicht stellenmarktsmässig orientiert, sondern meinen wissenschaftlichen Interessen und Erfahrungen folgend, Theorie und Praxis verknüpft. Trotzdem stehe ich nun vor dem Aus.

Wie schätzen Sie meine Situation ein?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Auch ab Vollendung des 50. Lebensjahres ist der Abschluss eines unbefristeten Vertrages mit einer deutschen Universität weder rechtlich noch faktisch ausgeschlossen. Richtig ist allerdings auch, dass aufgrund politisch motivierter Rahmenbedingungen derartige Dauerstellen im sogenannten akademischen Mittelbau nach wie vor in zu geringer Anzahl vorhanden sind.

Insoweit kann leider nicht jedem wissenschaftlich Befähigten und Interessierten eine derartige Dauerstelle vermittelt werden. Gerade dies hat der Deutsche Hochschulverband zum Anlass genommen, sich im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren zur Verabschiedung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes vehement für eine Aufhebung der Zwölf-Jahres-Höchstbefristungsdauer für befristete Verträge mit wissenschaftlichen Mitarbeitern an deutschen Universitäten einzusetzen.

Gleichwohl wir unser Maximalziel im parlamentarischen Verfahren leider nicht durchsetzen konnten, konnte doch aufgrund unserer Initiative eine erhebliche Verbesserung der Situation in der Praxis der deutschen Universitäten durch die Einführung der sogenannten Drittmittelklausel in § 2 Abs. 2 Wissenschaftszeitvertragsgesetz erzielt werden. Demnach ist die befristete Beschäftigung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern trotz Erreichen der sogenannten Zwölf-Jahres-Höchstbefristungsdauer zulässig, wenn die Beschäftigung überwiegend aus Mitteln Dritter finanziert wird. Eine ausschließliche Drittmittelfinanzierung ist demzufolge nicht erforderlich.

Eine derartige Befristung kann auch rechtlich unproblematisch bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze erfolgen. Insoweit würden wir Ihnen dringlich anraten, sich zum gegenwärtigen - zweifelsohne sehr schwierigen - Zeitpunkt nicht entmutigen zu lassen, sondern die Möglichkeiten des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes hinsichtlich weiterer befristeter oder unbefristeter Stellen zu nutzen.
Ausgewählte Artikel