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Praktika und Projektarbeit im Unternehmen: Karrierebausteine im Studium

von Verena Manhart

Praktische Erfahrungen während des Studiums sind nicht nur interessant, oft eröffnen sie einen direkten Weg in die berufliche Karriere. Dabei gibt es verschiedene Arten, während des Studiums in Unternehmen Praxisluft zu schnuppern - etwa die einer Projektarbeit oder über Praktika.

Praktika und Projektarbeit im Unternehmen: Karrierebausteine im Studium© peepo - iStockphoto.comÜber Praktika oder eine Projektarbeit können Studierende erste Kontakte in die Arbeitswelt knüpfen
Etwa ein Fünftel aller Hochschulabsolventen findet über Praxiserfahrungen während des Studiums den Weg in die erste Beschäftigung. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Hochschulabschlüsse im Umbruch" der HIS Hochschul-Informations-System GmbH von 2011. Überdurchschnittlich oft trifft dies demnach auf Absolventen der Fachrichtungen Ingenieur- und Naturwissenschaften zu, aber auch auf Studierende der Fächer Psychologie und Pädagogik. Der Grund liegt auf der Hand: Potenzielle Arbeitgeber lernen den Studierenden intensiv kennen. Läuft die Zusammenarbeit vielversprechend, folgt nicht selten ein Angebot zum Berufseinstieg.

Praxiserfahrung im Studium nutzen - zum Beispiel über eine Projektarbeit

Der erste Schritt ins Unternehmen erfolgt meist über ein Praktikum. Je nach Studiengang können Pflichtpraktika vorgeschrieben sein, die in den Stundenplan integriert sind. Ein besonders hoher Praxisanteil ist häufig bei den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaftlern zu finden. In einigen Fachbereichen ist auch ein Praktikum oder eine Projektarbeit in Verbindung mit der Abschlussarbeit Pflicht. Ist dies der Fall, bestehen oft Kontakte zu Unternehmen, die Studierende nutzen können. In der Regel sind sie aber frei in der Wahl der jeweiligen Firma. Ziel dieser frühen Zusammenarbeit von Hochschule und Unternehmen ist, dass Studierende ihr im Studium erworbenes Wissen in realen Problemsituationen anwenden. Je nach Hochschule heißen diese im Studium vorgesehenen Praxisphasen "Praktikum", "Projekt im Unternehmen", "Berufspraktisches Projekt", "Projektarbeit" oder "Praxisarbeit". Die Projektdurchführung und deren schriftliche Ausarbeitung stehen im Fokus. Arbeitsumfang und -dauer, Creditpoints sowie die Bedingungen für die Benotung können Studierende der Studienordnung ihres Fachbereichs entnehmen. Oft sind Praktika und Projektarbeiten zum Ende des Studiums eingeplant, wenn die Studierenden alle Prüfungsleistungen der ersten Semester erfolgreich bestanden haben.

Eigeninitiative zeigen

Besonders Studierende, bei denen die Studienordnung keine Pflichtpraktika oder Projektarbeiten vorsieht, sollten über freiwillige Praktika Erfahrungen sammeln. Wer plant, seine Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben, für den ist ein Praktikum vorab eine ideale Chance, um die Mitarbeiter, das Betriebsklima und die internen Abläufe kennenzulernen. Im Gegensatz zum Pflichtpraktikum müssen freiwillige Praktika in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden. Zudem ist bei ihnen eine angemessene Vergütung sowie anteiliger Urlaub verpflichtend. Arbeitsverträge sind nicht vorgeschrieben, es ist aber für beide Seiten von Vorteil, die Eckdaten des Praktikums schriftlich festzuhalten. Eine gute Übersicht der Rechte und Pflichten sowie Musterverträge bietet die Broschüre "Praktika - Nutzen für Praktikanten und Unternehmen" vom Bundesarbeits- und Bundesbildungsministerium. Sowohl Studierende als auch Unternehmen kritisieren die oftmals zu kurzen Praxisphasen im Bachelorstudium, so ein Ergebnis der Studie "Mit dem Bachelor in den Beruf" vom Stifterverband, dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln und der HIS Hochschul-Informations-System GmbH. Vor allem für Bachelorstudierende ist aufgrund des straffen Stundenplans freiwillige Praxiserfahrung oft mit einem Zeitverzug des Studiums verbunden. Hier besteht in vielen Studiengängen Verbesserungsbedarf.

Als Werkstudent das Unternehmen begleiten

Ein andere Möglichkeit, Teil des Berufsalltags eines interessanten Unternehmen zu sein, ist die Tätigkeit als Werkstudent. Werkstudenten arbeiten maximal 20 Stunden in der Woche, nur in der vorlesungsfreien Zeit darf diese Stundenzahl überschritten werden. Im Gegensatz zu anderen Studentenjobs weist diese Tätigkeit eine fachliche Nähe zum Studiengang auf. Anders als Praktikanten arbeiten Werkstudenten in Teilzeit, oft über einen längeren Zeitraum und werden in jedem Fall bezahlt. Der Stundenlohn liegt zwischen acht und 14 Euro. Durch den Studierendenstatus sind Werkstudenten nicht sozialversicherungspflichtig, müssen aber in der Regel in die Rentenversicherung einzahlen. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Praktika und Projektarbeiten ist, dass Werkstudenten nicht in einem speziellen Projekt mitarbeiten, sondern über einen längeren Zeitraum Einblicke in verschiedene Vorgänge im Unternehmen bekommen.

Vielfältige Praxiserfahrungen in verschiedenen Firmen bieten die Chance, rechtzeitig vor dem Studienabschluss festzustellen, wo die berufliche Reise hingehen soll. Oft ergibt sich durch die Mitarbeit im Unternehmen während des Studiums auch die Möglichkeit, die Abschlussarbeit dort zu schreiben - ein weiteres Sprungbrett für den Direkteinstieg ins Unternehmen.

academics :: November 2013