Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Was verdient ein Lehrer?

Von Julia Holzapfel

Von den Abc-Schützen in einer bayrischen Grundschule bis zu den Abiturienten an einem Bremer Gymnasium: Gehalt und Karrierechancen eines Lehrers werden davon bestimmt, wo und wen er unterrichtet. Die Unterschiede zwischen Schultyp und Bundesland fallen teilweise drastisch aus.

Was verdient ein Lehrer? © Lucas1989 - Photocase.de Das Lehrer-Gehalt variiert je nach Schultyp, Bundesland und Berufserfahrung
Ein krisensicherer Arbeitsplatz, gutes Gehalt, der Umgang mit Jugendlichen, Vereinbarkeit von Karriere und Familie: Es gibt viele Gründe, Lehrer zu werden - und viele Möglichkeiten, den Beruf auszuüben. Die Bandbreite reicht von Grund- und Hauptschule über Real- und Berufsschule bis Gymnasium und Sonderpädagogik.

Je nachdem, ob verbeamtet oder angestellt, in welchem Schultyp und welche Fächer ein Lehrer unterrichtet, erfolgt die Einteilung in eine Gehaltsgruppe. Für verbeamtete Lehrer sind die sogenannten "Besoldungsgruppen" A12 bis A16 relevant. Da die große Mehrheit der Lehrer in Deutschland Beamte sind, beziehen sich die meisten Verdienstangaben auf die Werte dieser "Besoldungsgruppen". Wer jedoch an einer Schule angestellt ist, kann sein Gehalt in den "Entgeltgruppen" des Tarifvertrags der Länder (mit Abweichungen in Berlin und Hessen) ablesen.

Jede dieser Gruppen ist in Erfahrungsstufen unterteilt, die meist von eins bis neun reichen: Je mehr Berufserfahrung eine Person vorweist, desto weiter oben wird sie eingestuft und desto höher fällt ihr Verdienst aus. Ein Beispiel: Ein verbeamteter Gymnasiallehrer in NRW klettert in den ersten 10 Berufsjahren im Drei-Jahres-Takt höher. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die Höherstufung alle vier Jahre.

Was verdient ein Grundschullehrer?

Obwohl Grundschullehrer den Boden dafür bereiten, was Kinder in ihrer schulischen Laufbahn erreichen können, gehören sie durch die Eingruppierung in A12 zu den Geringverdienern an Schulen. Besonders ungerecht: In vielen Ländern dauert das Studium für das Lehramt an Grundschulen genauso lang wie jenes für die Sekundarstufe II (Gesamtschulen und Gymnasien).

Die folgende Tabelle gibt den Verdienst von Grundschullehrern (Besoldungsgruppe A12) zum Zeitpunkt des Berufsstarts (niedrigste Erfahrungsstufe, E1 bis E5) sowie etwa 20 Jahre später (E8 oder E9) an.

Gehalt Grundschullehrer

A12

Grundschullehrer

Berufsstart

E1 - E5

Grundschullehrer

20 Berufsjahre

E8 / E9

Bruttogrundgehalt bei einer Vollzeitstelle, angegeben in Euro
Quelle: Besoldungs- und Entgelttabellen der Länder, Mai 2017, Tabelle: academics.de

* Da Berlin und Sachsen keine Verbeamtung durchführen, wurden hier die Angestelltengehälter übernommen.
Baden-Württemberg 3.465 4.184
Bayern 3.365 4.169
Berlin* 4.544 4.544
Brandenburg 3.322 3.997
Bremen 3.327 4.006
Hamburg 3.478 4.378
Hessen 3.123 4.188
Mecklenburg-Vorpommern

3.145

4.298
Niedersachsen 3.183 4.042
Nordrhein-Westfalen 3.459 4.156
Rheinland-Pfalz 3.117 3.950
Saarland 3.156 3.981
Sachsen* 3.442 4.613
Sachsen-Anhalt 3.204 4.379
Schleswig-Holstein 3.335 4.018
Thüringen 3.225 4.086

Was verdient ein Lehrer an Hauptschule, Realschule und Berufsschule?

Ähnlich wie Grundschullehrer werden auch Lehrer in Hauptschulen, Realschulen und Berufsschulen in der Mehrheit der Bundesländer in die Gehaltsgruppe A12 eingestuft. Gerade Lehrer in Hauptschulen sehen sich häufig mit herausfordernden Unterrichtssituationen konfrontiert. Zusätzlich sind ihre Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt, weil es an Haupt-, Real- und Berufsschulen weniger Leitungs- und Koordinationsstellen gibt.

Verbände und Gewerkschaften setzen sich daher dafür ein, dass die Gehälter von Lehrern aller Schultypen in A13 zusammengefasst werden. In Schleswig-Holstein konnten sie bereits erste Erfolge verzeichnen: Bewirbt sich ein Realschullehrer in NRW, wird er in der Gehaltsgruppe A12 eingestuft, in Schleswig-Holstein indessen in A13. Ein Berufsanfänger mit Verbeamtung an einer Realschule in Kiel verdient damit monatlich 3.806 Euro, in Düsseldorf hingegen 3.459 Euro. Je nach Bundesland ist die Eingruppierung und damit auch der Verdienst bei Haupt-, Real- und Berufsschullehrern unterschiedlich.

Was verdient ein Gymnasiallehrer?

Eine der wenigen Gemeinsamkeiten bei den Gehaltsregelungen zwischen den Bundesländern ist die Eingruppierung von Gymnasiallehrern in A13. Damit sind Gymnasiallehrer die Bestverdiener unter den unterrichtenden Beamten. Zudem hat ihre Karriereleiter im Vergleich zu anderen Schulformen mehr Sprossen, da Gymnasien in der Regel mehr Personal zur Koordination und Organisation brauchen (siehe Abschnitt "Was verdiene ich nach einer Beförderung?"). Im Durchschnitt liegt das Einstiegsgehalt in der Besoldungsgruppe A13 bei 3.861 Euro, nach zwanzig Berufsjahren bei 4.658 Euro. Wie viel Gymnasiallehrer in einzelnen Bundesländern verdienen, zeigt die folgende Auflistung, unterteilt in den Verdienst zum Berufsstart sowie nach etwa 20 Berufsjahren:

Gehalt Gymnasiallehrer

A13

Gymnasiallehrer

Berufsstart

Gymnasiallehrer

20 Berufsjahre

Bruttogrundgehalt bei einer Vollzeitstelle, angegeben in Euro
Quelle: Besoldungs- und Entgelttabellen der Länder, Mai 2017, Tabelle: academics.de

* Da Berlin und Sachsen keine Verbeamtung durchführen, wurden hier die Angestelltengehälter übernommen.
Baden-Württemberg 4.064 4.661
Bayern 3.945 4.640
Berlin* 5.000 5.000
Brandenburg 3.716 4.445
Bremen 3.892 4.456
Hamburg 3.890 4.857
Hessen 3.648 4.661
Mecklenburg-Vorpommern

3.528

4.776
Niedersachsen 3.577 4.505
Nordrhein-Westfalen 4.038 4.623
Rheinland-Pfalz 3.497 4.402
Saarland 3.700 4.427
Sachsen* 3.982 5.178
Sachsen-Anhalt 3.768 4.867
Schleswig-Holstein 3.731 4.476
Thüringen 3.794 4.551

Wie hoch sind für Lehrer die Gehaltsunterschiede in den Bundesländern?

Weil die Bildungsministerien der Länder Stundenanzahl und Gehalt weitgehend beliebig ansetzen können, entstand ein regelrechter Wettbewerb um Lehrkräfte zwischen den Bundesländern. Das Rennen bei den Lehrergehältern führt Hamburg an. 2015 lag das Bruttogehalt von verbeamteten Lehrern dort 8,7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Dicht dahinter: Sachsen-Anhalt (+8,2 Prozent). Die Schlusslichter bildeten das Saarland und Rheinland-Pfalz, wo die Gehälter 3,8 beziehungsweise 4,0 Prozent unter dem Mittel lagen.

In Hamburg verdient ein Grundschullehrer im ersten Berufsjahr 3.478 Euro brutto, in Rheinland-Pfalz sind es 3.116 Euro. Für einen aussagekräftigeren Vergleich muss man zusätzlich die Zahl der Pflichtstunden heranziehen: In Sachsen-Anhalt erteilt ein Grundschullehrer in Vollzeit 27 Unterrichtsstunden und verdient damit beim Einstieg 3.204 Euro. Im Saarland sind 28,5 Stunden vorgeschrieben, bei einem geringeren Verdienst von 3.156 Euro.

Welche Auswirkungen hat eine Verbeamtung auf das Gehalt von Lehrern?

Bis auf Berlin und Sachsen stellen sämtliche Bundesländer einen Großteil der Lehrer als Beamte ein. Verbeamtet wird, wer gesundheitliche und fachliche Voraussetzungen erfüllt und das Höchstalter, das je nach Bundesland bei 40 bis 50 Jahren liegt, noch nicht erreicht hat. Der Beamtenstatus ist erstrebenswert, denn neben geringeren Abgaben winken auch Unkündbarkeit sowie Zuschläge für eigene Kinder.

In der Regel ist das Bruttogehalt von Beamten ähnlich hoch wie das der angestellten Kollegen. Weil sie aber keine Renten-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung bezahlen, sind ihre Abzüge geringer. Wie das Unterrichtsportal lehrerfreund.de vorgerechnet hat, bleiben einer 35 Jahre alten, verbeamteten Gymnasiallehrerin in NRW, die keine Kinder hat, in Vollzeit arbeitet und seit acht Jahren im Dienst ist, von 4.030 Euro nach allen Abzügen 2.820 Euro. Ohne den Beamtenstatus hätte sie ein Nettogehalt von 2.430 Euro monatlich zur Verfügung.

Was verdienen Lehrer nach einer Beförderung?

Für diejenigen, die jungen Leuten gerne etwas beibringen, aber keine organisatorischen Aufgaben übernehmen wollen, endet die Erhöhung des Gehalts bei der letzten Erfahrungsstufe. Will ein Lehrer Karriere machen, ist dieser Schritt damit verbunden, dass die reine Unterrichtszeit sinkt. Durch eine Bewerbung in eine höhere Besoldungs- oder Entgeltgruppe erweitert sich auch der Zuständigkeitsbereich. Lehrer sollten sich daher genau überlegen, inwiefern der Wunsch nach mehr Geld auch mit dem Wunsch nach einer Tätigkeit einhergeht, die mehr Koordination und Organisation beinhaltet.

Will etwa ein Gymnasiallehrer in NRW die Karriereleiter hochklettern, so winken folgende Gehaltsaussichten und beispielhafte Aufgaben:

Amtsbezeichnung Beispiele für Aufgaben Besoldungsgruppe Bruttogrundgehalt (Erfahrungsstufe 1)
Studienrat Gymnasiallehrer A 13 4.038
Oberstudienrat Koordination von Schüleraustauschprogrammen A 14 4.288
Studiendirektor Fachleiter, der Referendare an Schulen ausbildet A 15 4.954
Oberstudiendirektor Rektor oder stellvertretender Rektor eines Gymnasiums A 16 5.459

Faktoren, die bei Bewerbungen generell relevant sind, zählen auch im Bildungssystem: Berufserfahrung, Motivation, Stärken und Kontakte. Angestellte Lehrer gehen bei Beförderungen meist leer aus, denn Funktions- und Leitungsstellen sind in der Regel Beamten vorbehalten - mit Ausnahme von Berlin und Sachsen, jenen Bundesländern, die Junglehrer nicht mehr verbeamten.

academics :: 01.06.2017

Jobs für Lehrer, Erzieher, Pädagogen, Sozialarbeiter