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Möglichkeiten für ein Promotionsstipendium


Von Jana Ehrhardt-Joswig

Armut und Ausbeutung - das ist oft das Bild, was Doktoranden im Kopf haben und welches teilweise von den Medien kommuniziert wird, wenn es um die Promotion bei einem Doktorvater oder eine Doktormutter geht. Gleichwohl belegen einige Studien, dass sich die finanzielle Situation der Promovierenden nicht wesentlich von der anderer Hochschulabsolventen nach dem Berufseinstieg unterscheidet. Fördermöglichkeiten und Stipendien gibt es heutzutage mehr als je zuvor. Ein Promotionsstipendium erhalten allerdings nur die wenigsten Doktoranden.

Möglichkeiten für ein Promotionsstipendium© Karen Roach - Fotolia.comDas Promotionsstipendium ermöglicht Doktoranden finanzielle Entlastung und gilt gleichzeitig als Auszeichnung
2011 erlangten 26.981 Absolventen in Deutschland ihren Doktortitel, mehr als je zuvor. Der Durst nach wissenschaftlicher Erkenntnis reicht als Erklärung für den steigenden Promotionseifer kaum aus: Nicht einmal neun Prozent der Promovierten schlagen eine Laufbahn an der Universität ein. Gerade vor dem Hintergrund der Plagiatsaffäre um den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wurde heftige Kritik an der deutschen Doktorandenflut laut. Anders als in Amerika, wo es die Assistenzprofessur gibt, gibt es für die vielen Absolventen kaum universitäre Dauerstellen. Wie attraktiv ist überhaupt eine Hochschulkarriere?

Die Promotionslust sei Tradition in Deutschland, heißt es dazu aus dem Haus von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka - weil eine Promotion eben nicht nur für Tätigkeiten in der Wissenschaft qualifiziere, sondern auch in vielen Bereichen außerhalb des Wissenschaftssystems außerordentlich nachgefragt und anerkannt sei. In einigen Arbeitsmärkten, zum Beispiel in der Chemie, gilt die Promotion als Zugangsvoraussetzung. Auch in Museen oder Fachverlagen steigert der Namenszusatz die Job-Aussichten immens. Zudem lässt sich mit einem Titel deutlich mehr Geld verdienen: Während ein nicht promovierter Akademiker im Durchschnitt 2.250 Euro im Monat verdient, erzielt ein Doktor durchschnittlich 2.874 Euro.

Stipendiengeber

Die bekanntesten Stipendiengeber sind wohl die großen elf Begabtenförderwerke: Neben der Studienstiftung des deutschen Volkes fördern sechs parteinahe und drei religiös orientierte Stiftungen sowie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung und die Stiftung der deutschen Wirtschaft besonders begabte Doktoranden. Etwa 4.800 Doktoranden bekamen 2010/2011 Geld von einem sogenannten Begabtenförderungswerk. Der Deutsche Akademische Austauschdienst förderte rund 2.700 Promovierende.
Möglichkeiten für ein Promotionsstipendium © academics Grafik Promotionsstipendien nach Förderung

Die elf großen Begabtenförderungswerke für ein Promotionsstipendium

Möglichkeiten für ein Promotionsstipendium © academics Grafik Zahl der Promotionen nach Fachrichtung

Eintrittskarte für die Karriere

Die Ursachen seien in der sich ändernden Arbeitswelt zu suchen, heißt es in einer Studie des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IZQ). Um zukunftsweisende Technologien entwickeln zu können, seien hochqualifizierte Akademiker nun einmal unverzichtbar. Der Staat investiert zunehmend in sein Humankapital. Davon, dass die Doktoranden sich vor Staatsgeld kaum retten können, wie es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 27. September 2013 heißt, kann dennoch keine Rede sein. Von den 200.400 Promovierenden im Wintersemester 2010/11 hatten laut einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes gerade mal ein Viertel, nämlich 52.300, eine Promotionsstelle oder ein Stipendium. Davon wurde der größte Teil von ihnen, etwa 20.500, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt - das heißt, sie hatten eine Promotionsstelle in einem DFG-Graduiertenkolleg, einer Graduiertenschule oder in DFG-geförderten Projekten inne. 7.500 Promovierende erhielten Fördermittel von einem Wissenschaftsministerium eines Landes. Stipendien, die eine reine Konzentration auf die wissenschaftliche Arbeit ermöglichen, sind weit seltener.

Mit Stipendium 1.050 Euro im Monat

Einen Großteil des Geldes erhalten die Förderwerke vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Etwa 50 Millionen Euro stellt das (BMBF) dafür jährlich zur Verfügung. Für den einzelnen Doktoranden bedeutet das: 1.050 Euro im Monat, plus eine Forschungskostenpauschale in Höhe von 100 Euro im Monat und ein Familienzuschlag von 155 Euro monatlich, wenn ein Kind zur Familie gehört oder der Partner nicht mehr als 15.340 Euro netto im Jahr verdient. Die Regelförderungsdauer beträgt in der Regel zwei Jahre. Sie kann um ein Jahr verlängert werden, wenn der Stipendiat ein Kind hat und zu Hause betreut; wenn er aufgrund einer Behinderung oder Krankheit aussetzen muss; oder zweimal um sechs Monate, wenn die Arbeit an der Promotion dies erforderlich macht. Die Höchstförderungsdauer liegt bei vier Jahren.

Die Bewerbungskriterien für ein Promotionsstipendium hängen von den einzelnen Förderwerken ab. Gemäß BMBF-Richtlinie zur Förderung begabter Nachwuchswissenschaftler setzen alle Stiftungen überdurchschnittliche Studien- und Prüfungsleistungen voraus, außerdem soll das wissenschaftliche Vorhaben einen bedeutsamen Beitrag zur Forschung erwarten lassen. Daneben wird gesellschaftliches Engagement verlangt. Ein Parteibuch oder eine Kirchenmitgliedschaft sind nicht zwingend erforderlich, der Bewerber muss sich jedoch glaubhaft mit den Zielen des Förderwerkes identifizieren.

"Jemand, der sich noch nie politisch engagiert hat, kann sich eine Bewerbung bei einer parteinahen Stiftung sparen", rät eine Stipendiatin, die in Berlin an ihrer geschichtswissenschaftlichen Promotion arbeitet. Sie bekommt ein Stipendium von Villigst, dem Studienwerk der evangelischen Kirche. Dort hat sie sich beworben, weil sie in der Kirche ist und vor allem die Angebote abseits des Geldes sehr schätzt: So finden regelmäßige Promovierendentreffen und rege Konvente statt, bei denen man Erfahrungen austauschen kann. Ohne Stipendium, sagt die zweifache Mutter, würde sie die Promotion nicht bewältigen. "Auch mein Doktorvater hat mir davon abgeraten. Es ist unrealistisch, mit zwei kleinen Kindern und einem Partner, der selbst berufstätig ist, neben der wissenschaftlichen Arbeit noch eine Stelle ausfüllen zu wollen."

Gleichwohl bleibt dem Großteil der Doktoranden gar nichts anderes übrig. Neben den DFG-Projektstellen gibt es (in der Regel halbe) Doktorandenstellen an den Universitäten und Forschungsinstituten, die ausgeschrieben werden. Auch im Rahmen von EU-Forschungsprojekten werden Doktorandenstellen vergeben. Dann gibt es noch diejenigen, die neben einem anderen Job promovieren. Doch hier kann sich die Promotionszeit nicht selten auf fünf bis zehn Jahre verlängern.

Welches Stipendium fürs Ausland?

Die erste Anlaufstelle zur Finanzierung eines Forschungsaufenthaltes im Ausland ist der Deutsche Akademische Austauschdienst. Gefördert werden bis zu einjährige Forschungsvorhaben, die im Rahmen der Promotion erforderlich sind und die an einer Hochschule, einer außeruniversitären Forschungseinrichtung, einem industriellen Forschungslabor oder als Feldforschung erfolgen können. Die Höhe des Stipendiums richtet sich nach dem Zielland, außerdem gibt es eine monatliche Pauschale in Höhe von 102 Euro für Forschungs- und Kongresskosten sowie einen Zuschuss zu den Reisekosten.

Der DAAD übernimmt auch Studiengebühren sowie eine Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung fürs Ausland. Voraussetzungen sind überdurchschnittliche Studienleistungen und Prüfungsergebnisse sowie einschlägige Sprachkenntnisse. Achtung: Für manche Länder sind Bewerbungen nur zwei- bis viermal im Jahr zu bestimmten Terminen möglich. Eine Projektskizze muss mit eingereicht werden - das heißt, der Bewerber sollte ausreichend Zeit für die Vorbereitungszeit einplanen. Promotionsstipendiaten der Begabtenförderungswerke können sich beim DAAD nicht bewerben, da die Förderwerke Auslandsaufenthalte ebenfalls unterstützen. Man kann sich auch direkt im Forschungsland seiner Wahl um ein Stipendium bemühen. Wer zum Beispiel in die USA möchte, dem sei das Fulbright Program empfohlen.

academics :: November 2013