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Was verdient ein Architekt?

von Julia Holzapfel

Architekten gestalten nicht nur einzelne Häuser, ihre Ideen können ganze Stadtteile prägen. Welches Gehalt sie für das Entwerfen, Planen und Konstruieren bekommen, hängt stark von Branche und Arbeitsort ab.

Was verdient ein Architekt? © suze - Photocase.de Für Architekten gibt es finanziell gute Entwicklungsaussichten
Niedrige Zinsen und steigender Wohnungsbedarf sorgen für gute Geschäfte in der Baubranche und damit für strahlende Berufsaussichten für Architekten. Von den etwa 130.000 Architekten in Deutschland im Jahr 2017 sind mehr als die Hälfte angestellt. Die zweitgrößte Gruppe bilden mit 43 Prozent die freischaffenden Architekten. Der kleine Rest entfällt auf Beamte, die zum Beispiel bei Bauämtern arbeiten.

Was verdient ein angestellter Architekt?

Laut Bundesarchitektenkammer (BAK) gibt es für angestellte Architekten zwar einen Tarifvertrag; dieser gilt jedoch nur für jenes Prozent der Ingenieur- und Architekturbüros, die dem Arbeitgeberverband angehören. Neben diesen weitestgehend unverbindlichen Tariflöhnen bietet die Gehaltsempfehlung des Arbeitgeberverbands Deutscher Architekten und Ingenieure eine gute Orientierung für die eigenen Gehaltsvorstellungen. Zudem veröffentlicht die BAK regelmäßig Umfragen zur tatsächlichen Einkommenssituation. Da Architekten ihr Gehalt frei verhandeln können, lohnt der Blick auf diese Erhebungen.

Was macht die Architektenkammer?

Architekten, Garten- und Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Innenarchitekten gehören in Deutschland zu den gesetzlich geschützten freien Berufen. Nur wer sich bei einer der 16 Länderkammern registriert, darf die Berufsbezeichnung offiziell führen. So sollen Ausbildungs- und Qualitätsstandards auf einem vergleichbar hohen Niveau bleiben. Die Bundesarchitektenkammer vertritt als berufsständische Organisation die Anliegen ihrer Mitglieder vor Politik und Öffentlichkeit, national und international.
Der aktuellsten Auswertung aus dem Jahr 2015 zufolge verdient ein in Vollzeit arbeitender angestellter Architekt über alle Tätigkeitsfelder und Karrierestufen hinweg 54.206 Euro im Jahr. Berufsanfänger können im Schnitt mit 41.488 Euro als Einstiegsgehalt rechnen. Wer Führungsaufgaben übernimmt, spürt das auch auf dem Gehaltszettel: Angeleitete Architekten verdienen durchschnittlich 44.373 Euro, und wer eine Leitungsposition innehat, liegt bei 58.152 Euro.

Was verdient ein freischaffender Architekt?

Freischaffende Architekten, die von Büros beauftragt werden, erhalten zu Beginn ihres Berufslebens ein Bruttohonorar von 55 bis 65 Euro pro Stunde. Der Arbeitslohn steigt im Lauf der Karriere auf 70 bis 90 Euro. Dabei gilt: Je mehr Angestellte und Freiberufler in einem Büro tätig sind, desto höher fällt meist das Honorar aus. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat eine offizielle Empfehlung für den Stundenlohn von Freiberuflern herausgegeben: 90 Euro pro Stunde für Büroinhaber, 70 Euro für Diplom-Ingenieure, Bau- und Vermessungstechniker. Von diesen Beträgen müssen allerdings noch Versicherung, Steuern und Abgaben beglichen werden.

Viele freiberufliche Architekten eröffnen eigene Büros. Anfangs blicken sie dabei finanziell herausfordernden Zeiten entgegen: 44 Prozent der Einpersonenbüros hatten am Ende des Jahres 2014 weniger als 30.000 Euro an Überschüssen zu verbuchen. Ähnlich wie beim Honorar steigen aber auch hier die Gewinne mit zunehmender Zahl der Mitarbeiter. 2014 erwirtschafteten Architekturbüros mit zehn oder mehr Mitarbeitern einen Überschuss von 261.139 Euro - pro Inhaber.

Was zahlen die unterschiedlichen Branchen?

Zwar arbeiten 84 Prozent der Architekten in Deutschland an der Planung von Gebäuden, die Berufsgruppe umfasst aber auch Innenarchitekten (5 Prozent), Landschaftsarchitekten (8 Prozent) sowie Stadtplaner (7 Prozent). Manche vereinen mehrere Bereiche in ihrer Tätigkeit, etwa Stadtplaner und Architekt. Bei Stadtplanern schlägt die Gehaltskurve vergleichsweise stark nach oben aus.

Das verdienen Architekten der einzelnen Berufssparten

Bruttojahresgehalt

(bis zu 5 Jahre Erfahrung)

Bruttojahresgehalt

(über 20 Jahre Erfahrung)

Quelle: Gehaltsumfrage der BAK, 2015, Tabelle: academics.de
Ø Architekten aller Branchen 37.128 Euro 65.380 Euro
Innenarchitektur 35.761 Euro 61.232 Euro
Landschaftsarchitektur 35.153 Euro 57.874 Euro
Stadtplanung 42.798 Euro 67.056 Euro

Wie beeinflusst die Art des Arbeitgebers das Architektengehalt?

Wer auf der Suche nach einer neuen Stelle als Architekt ist, sollte im Hinblick auf die Gehaltsperspektive die Art des Arbeitgebers erwägen. Ein in der gewerblichen Wirtschaft angestellter Architekt verdient im Durchschnitt knapp 15.000 Euro mehr als in einem Architekturbüro. Dieser Unterschied fällt schon zu Beginn der Berufslaufbahn auf: Der durchschnittliche Nachwuchsarchitekt im Planungsbüro startet mit 35.919 Euro, in der freien Wirtschaft mit 45.556 Euro und als Angestellter im öffentlichen Dienst mit 42.690 Euro pro Jahr.

Wie wirkt sich der Arbeitsort auf das Einkommen von Architekten aus?

Ob in Flensburg oder in Friedrichshafen: Wo man sich als Architekt niederlässt, hat einen markanten Einfluss auf das Einkommen. Vor allem zwischen Ost und West herrscht ein deutliches Gefälle. Für Architekten, die in Leipzig arbeiten, fällt das Jahresgehalt im Schnitt um 18.000 Euro geringer aus als das der Fachkollegen in Wiesbaden. Denn in Hessen fallen die Architektengehälter mit 61.040 Euro pro Jahr am höchsten aus. Mit einigem Abstand dahinter liegen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind auf den hintersten Plätzen im Einkommens-Ranking zu finden.

Wie ändert sich der Verdienst mit zunehmender Berufserfahrung?

Zwar steigen Absolventen nicht mit überdurchschnittlich hohen Gehältern in den Beruf ein, doch die Branche lockt mit guten Entwicklungsaussichten: Wer 20 Jahre als Architekt gearbeitet hat, erhält durchschnittlich das 1,8-Fache des Einstiegsgehalts.
Gehalt von Architekten nach Berufsjahren © Gehaltsumfrage der BAK, 2015 Gehalt von Architekten nach Berufsjahren
Was verdient ein Architekt? - Gehaltsentwicklung weiblicher und männlicher Architekten © Gehaltsumfrage der BAK, 2015 Gehaltsentwicklung weiblicher und männlicher Architekten (Median)

Welcher Abschluss führt zu welchem Gehalt?

Frühere Diplomstudiengänge wie Hochbau und Architektur sind mittlerweile in das Bachelor- und Mastersystem überführt worden. Lediglich die Technischen Universitäten in Dresden und Kaiserslautern bieten noch ein Diplomstudium an. Als Bachelorabsolvent ist es zwar möglich, in Planungsbüros zu arbeiten. Da die Architektenkammer aber erst Studien ab vier Jahren Dauer als berufsqualifizierend anerkennt, bleiben die Aufstiegs- und Verdienstchancen begrenzt. Die Mehrzahl der Studierenden schließt daher ein Masterstudium an. Derzeit haben etwa 7 Prozent der Architekten in Deutschland ein solches abgeschlossen. Nur 2,6 Prozent arbeiten mit einem Bachelorzeugnis. Der Anteil an Absolventen mit Diplom liegt aktuell noch bei über 90 Prozent.

Beim Verdienst hinken die neuen Abschlüsse ein wenig hinterher: In der Phase des Berufseinstiegs verdient ein Diplom-Absolvent das 1,1-Fache seiner Bachelor- und Master-Kollegen. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, inwiefern der Bachelorabschluss in der Architekturbranche an Wert gewinnt und ob Masterabsolventen in puncto Gehalt zu den Diplom-Ingenieuren aufschließen können.

academics :: 08.06.2017