Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Bewerben an einer Graduiertenschule: Das Forschungsexposé

Von Christian Wilbers

Es ist das zentrale Dokument einer jeden Bewerbung und der Beleg für Ihre wissenschaftliche Eignung: Das Exposé. Im Forschungsexposé stecken Sie auf zehn bis fünfzehn Seiten die Grenzen Ihres Dissertationsprojektes ab, legen einen Zeitplan fest und leisten wichtige Vorarbeit für eine erfolgreiche Promotion.

Bewerben an einer Graduiertenschule: Das Forschungsexposé© photoworldwide - iStockphoto.comDas Forschungsexposé für die Dissertation beschreibt das Rohkonzept der wissenschaftlichen Arbeit
Viele Studierende kennen es schon aus dem Master-Studium: Vor der Annahme eines Hausarbeitsthemas verlangen Professoren ein Exposé, in dem das Rohkonzept der wissenschaftlichen Arbeit vorgestellt werden soll. Welche Fragestellung wird untersucht, welcher theoretische Ansatz genutzt, welche Quellen ausgewertet? Nichts anderes ist im Prinzip ein Forschungsexposé für die Dissertation - nur, dass es eben nicht um eine Hausarbeit geht, für deren Bearbeitung ein paar Wochen reichen. Umso präziser sollten Sie bei der Ausarbeitung des Exposés vorgehen. Ihre Leser sind gestandene Wissenschaftler, die nicht nur den forschungsrelevanten Gehalt des Projekts, sondern auch dessen Machbarkeit bewerten. Gehen Sie also bei der Bearbeitung systematisch vor, um keinen wichtigen Bestandteil zu vergessen, und lassen Sie sich gegebenenfalls von anderen Promovierenden oder Ihnen zugeneigten Professoren helfen. Fragen Sie nach, ob Sie in Ihrem Fachbereich Einsicht in bisher eingereichte Forschungsexposés erhalten können und durchsuchen Sie das Internet nach fachspezifischen Vorlagen. Folgende Bestandteile dürfen allerdings in keinem Forschungsexposé fehlen:

Das Thema: Hier definieren Sie die leitende Fragestellung und Zielsetzung Ihres Dissertationsvorhabens. Egal, ob Sie sich mit dem politischen Widerstand in Francos Spanien oder der Synthese von Metalloxidmaterialien beschäftigen, die Eckpunkte für die Legitimation eines Themas sind fast immer dieselben. Neben einer thematischen Abgrenzung sind vor allem die Einordnung in die Forschungslandschaft sowie die Aktualität und Relevanz des Themas entscheidend. Beschreiben Sie also, wo Sie die bestehende Lücke in der Forschung sehen und warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die von Ihnen aufgeworfene Fragestellung umfassend zu untersuchen. Je nach Disziplin kann auch die Entwicklung von Hypothesen ein wichtiger Bestandteil des Exposés sein. Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Exposé an den Forschungsschwerpunkten der Graduiertenschule ausrichten. Nur wenn das Projekt zur Graduiertenschule passt, hat Ihre Bewerbung Aussicht auf Erfolg. Wichtig ist zudem, dass Sie von Anfang an wissenschaftliche Richtlinien befolgen, also regelmäßig Fußnoten setzen oder in Klammern auf Quellen verweisen.

So bewerten Sie Ihr Exposé

  • Wissenschaftlicher Gehalt des Projekts
  • Gute Quellenlage
  • Wissenschaftliche Relevanz
  • Kompatibilität mit den Schwerpunkten der Graduiertenschule
  • Machbarkeit
Die Methode: Viele Wissenschaftler verbindet eine Art Hassliebe mit dem theoretischen Teil ihrer Dissertation. Einerseits ist eine gut gewählte Methode die Grundlage für eine erfolgreiche Dissertation, andererseits ist sie lästige Ablenkung von der eigentlichen Forschungsarbeit. Fakt ist jedoch: Kein Wissenschaftler, egal welcher Disziplin, kommt ohne sie aus. Überlegen Sie sich daher gut, welche Methode oder Theorie Sie verwenden und wie Sie Ihre Hypothesen überprüfen wollen. Begründen Sie Ihre Vorgehensweise schlüssig. Zur Methodologie gehört übrigens auch die Definition und Operationalisierung relevanter Begriffe, also deren inhaltliche Abgrenzung im Bezug auf die geplante Verwendung in der Dissertation. Tipp: Während Sie in der Dissertation inhaltlich Neues leisten, trifft das in vielen Fällen auf die Theorie/Methode nicht zu. Es lohnt sich also zu schauen, wie andere Forscher in den letzten Jahren ähnliche Fragestellungen angegangen sind und es ist durchaus legitim, sich im Forschungsexposé auf die Vorgänger zu beziehen. Damit sparen Sie viel Zeit und beweisen Ihr Verständnis wissenschaftlicher Prozesse.

Gliederung und Zeitplan: Gliederungen und Zeitpläne sind immer hypothetisch. Niemand weiß, was die Laborergebnisse aussagen, welche Überraschung im Archiv auf Sie wartet oder wie ergiebig die Interviews sind, auf denen Ihre Dissertation basiert. Dennoch ist eine gut durchdachte Gliederung mit einem schlüssigen Zeitplan ungemein wichtig für die Bewertung Ihres Dissertationsprojekts. Viele deutsche Graduiertenschulen haben sich den Doktortitel nach drei Jahren zum Ziel gemacht. Sollte bei Ihrem Projekt schon im Exposé deutlich werden, dass ein solcher Zeitplan utopisch ist, wird man Ihre Bewerbung mit großer Wahrscheinlichkeit ablehnen. Entwickeln Sie also ein Konzept mit Arbeitsschritten zur Beantwortung Ihrer Fragestellung bzw. zur Überprüfung Ihrer Hypothesen. Auch hier ist es sinnvoll, eher konservativ vorzugehen und sich an dem zu orientieren, was andere Promovierende in der Vergangenheit geleistet haben.

Format: Wie jede wissenschaftliche Arbeit dieser Größenordnung sollte das Exposé mit einem Deckblatt beginnen. Dort stehen Informationen zu Ihrer Person (Name, Geburtsdatum, Email-Adresse, Anschrift, Telefonnummer) sowie ein vorläufiger Titel des Dissertationsprojekts. Im Inhaltsverzeichnis auf der nächsten Seite folgt eine Übersicht über Ober- und Unterpunkte des folgenden Exposés. Achten Sie darüber hinaus auf ein einheitliches, seriöses Layout (Schriftart, Zeilenabstand), Seitenzahlen und einen flüssigen Schreibstil. Überprüfen Sie zum Schluss nochmals die Orthographie, denn Rechtschreibfehler sind Gift für die Bewertung des Exposés.

Bibliographie: Jedes Forschungsexposé endet natürlich mit einer Bibliographie aller im Text zitierten Quellen. Es bietet sich an, diese Liste durch wichtige Texte aus dem Forschungsbereich zu ergänzen. Im Idealfall haben Sie diese Bücher und Aufsätze nicht nur schon identifiziert sondern auch bereits gelesen. Denn es kann durchaus sein, dass im Vorstellungsgespräch Fragen zum Stand der Forschung kommen.

academics :: November 2013

Jobs an Graduiertenschulen