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Promotion oder Berufseinstieg?

Erst Berufserfahrung, dann Promotion?© toranico - iStockphoto.com

Ich habe 2009 meinen M.Sc.-Abschluss in Chemischer Biologie gemacht. Seitdem bin ich auf der Suche nach einer Promotionsstelle bzw. einer Berufseinstiegsstelle. Ich bin nebenbei auch in dem Kleinunternehmen meines Mannes und mit der Erziehung und Betreuung meines vierjährigen Sohnes beschäftigt. Leider habe ich bis jetzt bereits schon 30 Absagen erhalten. Mittlerweile sind seit dem Uni-Abschluss schon mehr als 2 Jahre vergangen. Ist mein M.Sc.-Abschluss überhaupt noch etwas wert? Wird die Erziehungszeit mit einberechnet? Wie sehen meine Chancen aus?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Ob es auch noch zwei Jahre nach Ihrem M.Sc. Abschluss in Chemischer Biologie sinnvoll ist, zu promovieren, kann leider nicht pauschal bejaht oder verneint werden. Grundsätzlich gibt es keinerlei Altersgrenzen für die Durchführung eines Promotionsverfahrens, d. h. Sie können eine Promotion auch noch mit 30 oder 40 Jahren durchführen.

Um an der Hochschule künftig tätig werden zu wollen, wäre eine Promotion in jedem Fall notwendig. Sie könnten mit einer Promotion z. B. an der Hochschule im Mittelbau als Mitarbeiterin oder als akademische Rätin tätig werden. Wenn Sie Professorin werden wollen, müssten Sie an der Universität neben der Promotion noch weitere wissenschaftliche Leistungen (z. B. die Habilitation) absolvieren. An Fachhochschulen müssten Sie neben der Promotion, die allerdings hier für die Einstellung nicht zwingend ist, noch berufliche Erfahrungen außerhalb des Hochschulbereichs mitbringen. Die Voraussetzungen für eine Promotion an einer Hochschule richten sich nach der jeweiligen Promotionsordnung. Informationen erhalten Sie hier meist über die Homepage der Universität oder eben unmittelbar über einen Vertreter des Fachs an der Hochschule.

Wie Sie ja wissen, müssten Sie sich, um zu promovieren, ein Promotionsthema suchen und eben einen entsprechenden Doktorvater bzw. eine entsprechende Doktormutter finden, der/die Sie bei Ihrer Promotion an der Hochschule betreut. Versuchen Sie, an einen Fachvertreter heranzutreten, der in der Chemischen Biologie tätig ist und von dem Sie glauben, dass dieser ein Interesse an Ihrem Thema hätte. Vielleicht könnten Sie auch die eine oder andere Veranstaltung dieses Hochschullehrers oder dieser Hochschullehrerin an der Hochschule besuchen. Ansonsten können wir Ihnen keinen weiteren Ratschlag dazu geben, wo und wie Sie am besten einen Doktorvater oder eine Doktormutter finden. Für eine gegebenenfalls von Ihnen angestrebte Anstellung in der Industrie kann eine Promotion durchaus karrierefördernd sein. Oftmals wird allerdings auch empfohlen, erst einmal in den Beruf einzusteigen und so entsprechende Berufserfahrung zu sammeln.

Aus meiner Sicht müssen Sie sich entscheiden, ob Sie eine Karriere in der Wissenschaft machen wollen. Hier sollten Sie dann eine Promotion beginnen, gegebenenfalls dann eine Post-Doc-Stelle annehmen, um so gegebenenfalls in Richtung Professorin gehen zu wollen. Häufig erfordert dieser Weg allerdings sehr viel Energie, da Sie häufig von Zeitverträgen leben müssen und eben auch Zusatzqualifikationen erwerben müssen. Hier kommt es natürlich auch auf das Fach und die Richtung der Zusatzqualifikation an.

Wenn Sie den Weg in die Wirtschaft gehen wollen, bedeutet dies vielfach, dass die wissenschaftliche Karriere dann erst einmal zur Seite gelegt wird und Sie sich auf die berufliche Karriere konzentrieren.

Als dritten Weg kann man sich natürlich eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst vorstellen, die möglicherweise eine vergleichsweise geringere Flexibilität als in den anderen Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft erfordert.

Des Weiteren können Sie auch versuchen, ein entsprechendes Stipendium zu erhalten, um Ihre Promotion durchzuführen. Viele Stipendien werden von der Hochschule selbst vergeben, ansonsten von Stiftungen und Wissenschaftsorganisationen. So gibt es einige Stiftungen, die Preise für Doktoranden vergeben, z. B. für eine herausragende Dissertation zu einem bestimmten Thema. Einige Informationen zur Frage der möglichen Förderprogramme und Stipendien finden Sie auch unter www.doktoranden.net, einem Netzwerk, das über Förderprogramme und Stipendien informiert.

Die Studienstiftung des Deutschen Volkes fördert Doktoranden in Bezug auf die Doktorarbeit in verschiedenen Bereichen.

Der Umfang und die Dauer von Stipendien sind sehr unterschiedlich. Diese richten sich dann nach der jeweiligen Satzung oder den Stiftungsrichtlinien der jeweiligen Organisationen.

Stipendien werden ansonsten auch von unabhängigen sozialen Einrichtungen sowie von Kirchen vergeben. Ebenso fungieren einzelne Bundesländer, Städte oder Kommunen immer häufiger als Stiftungsgeber. Hier müssten Sie einfach einmal im Internet recherchieren. Es gibt interessante Links z. B. des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, aber auch ELFI.

Ansonsten kann ich Ihnen auch noch das internationale Netzwerk für Promovierende und Promovierte e. V. Thesis nennen. Hier finden Sie auch weitere Informationen.

Die Betreuung und Erziehung Ihres Sohnes sowie die Unterstützung der Existenzgründung Ihres Mannes sind sicherlich Punkte, die Sie auch in Ihrem Lebenslauf bei einer Bewerbung entsprechend verwenden können, um somit die bei Ihnen nun entstandene zweijährige Lücke nach dem Studienabschluss zu begründen.

Weitere Informationen zu Ihren Chancen auf dem Arbeitsmarkt können wir Ihnen leider nicht geben. Hier müssten Sie sich bei einem entsprechenden Berufsberater informieren.

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