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Das richtige Dissertationsthema

Von Christian Wilbers

Mit dem Dissertationsthema steht oder fällt die Promotion. Gut gewählt überzeugt es Auswahlkomitees, gewinnt finanzielle Unterstützung und lenkt die eigene wissenschaftliche Karriere in die richtigen Bahnen. Wir geben wertvolle Tipps, um Sie bei der Ausarbeitung des passenden Dissertationsthemas zu unterstützen.

Das richtige Dissertationsthema© franny-anne - iStockphoto.comDas Dissertationsthema sollte wohl durchdacht gewählt werden
Das Erforschen und Schreiben der Dissertation ist eine prägende Zeit. Die Doktorarbeit verschafft jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit, selbstständig einen ersten Beitrag zum eigenen Fachgebiet zu leisten. Gleichzeitig ist die Dissertation oft ein Mammutprojekt, das vielen Promovierenden Respekt einflößt, wenn nicht sogar Angst einjagt. Daher ist es wichtig, schon bei der Erarbeitung des Dissertationsthemas methodisch vorzugehen und sich permanent folgende Fragen zu stellen: Kann ich mich mit meinem Dissertationsthema voll und ganz identifizieren? Ist es für die Forschung relevant? Gibt es schon andere Arbeiten zu dieser Fragestellung? Ist das Projekt überhaupt in drei oder vier Jahren umsetzbar? Und am allerwichtigsten: Hilft es mir dabei, meine Ziele zu erreichen?

Wo fange ich beim Dissertationsthema an?

Wenn Sie über eine Dissertation nachdenken, haben Sie vermutlich bereits den Bachelor in der Tasche und arbeiten am Master. Es gibt also ein Fachgebiet, das Sie besonders reizt - und damit ist der erste Schritt bereits getan. Folgen Sie unbedingt Ihren Interessen, belegen Sie vertiefende Seminare und lesen Sie die neueste Forschungsliteratur. Versuchen Sie eine Fragestellung zu finden, die Sie brennend interessiert und die Ihrer Meinung nach in der Forschung noch nicht ausreichend beantwortet ist. Entscheidend ist, schon jetzt klare Grenzen zu ziehen: Eine klar definierte Datenmenge, die neu entdeckte Sammlung von Briefen aus dem ersten Weltkrieg, eine biologische Gattung, die späte Phase im Werk Ihres Lieblingsautors. Je konkreter die Fragestellung, desto kleiner die Gefahr, dass am Ende ein Projekt entsteht, das sich in drei bis vier Jahren überhaupt nicht bearbeiten lässt.

Ist der Forschungsbereich abgegrenzt, geht es als nächstes um die Methodologie. Anders gesagt: Wie genau wollen Sie die Frage beantworten, für die Sie sich so brennend interessieren? Womöglich konkurrieren in Ihrer Disziplin gerade zwei Ansätze zur Datenanalyse oder Literaturkritik. Beschäftigen Sie sich mit diesen Ansätzen und entwickeln Sie eine gute Begründung für Ihre Entscheidung, die eine oder die andere zu nutzen. Dieser oft mühsame Prozess ist für viele Wissenschaftler ein notwendiges Übel und gleichzeitig ein unverzichtbarer Teil eines jeden Dissertationsprojekts. Eine gut durchdachte Methodologie ist wie ein Wegweiser, der Ihnen in vielen Phasen der Dissertation helfen wird, nicht in der Daten- und Faktenflut unterzugehen.

Stichwort Relevanz: Wen interessiert meine Doktorarbeit?

Es ist die Urangst aller Wissenschaftler: Drei Wochen vor der Veröffentlichung der eigenen Dissertation oder des eigenen Artikels in einem Fachjournal publiziert ein Konkurrent dieselben Ergebnisse. Doch diese Angst ist in den allermeisten Fällen unbegründet. So gut wie nie gelangen zwei Wissenschaftler zu denselben Ergebnissen. Viel öfter komplementieren sich Forschungsresultate und aus Konkurrenten werden Kollegen, die fortan zusammenarbeiten. Deutlich schlimmer ist es, wenn tatsächlich niemand im Fachgebiet forscht. Denn dann droht die Gefahr, dass die eigenen Resultate im wissenschaftlichen Nirvana verhallen, ohne von den Kollegen wahrgenommen zu werden. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, wirft einen Blick in Datenbanken wie ProQuest Dissertation&Theses, um herauszufinden, ob vielleicht doch schon jemand das eigene Dissertationsthema ausgeforscht hat.

So oder so ist es unglaublich wichtig, sich über die Entwicklung der Forschungslandschaft auf den neuesten Stand zu bringen. Lesen sie wissenschaftliche Zeitschriften und darin besonders Forschungsberichte, in englischsprachigen Zeitschriften auch "Review Articles" genannt. Dort finden Sie übersichtliche Zusammenfassungen jüngst veröffentlichter Bücher und häufig auch Anregungen für zukünftige Projekte. Sprechen Sie mit Professoren und Promovierenden über Ihr Thema. Jüngere Semester sind übrigens aufgrund ihrer eigenen Forschungen nicht selten besser über die neuesten wissenschaftlichen Trends informiert als alteingesessene Koryphäen. Von Ihren zukünftigen Kommilitonen erhalten Sie wertvolle Tipps darüber, in welche Richtung es sich zu forschen lohnt und von welchem Dissertationsthema Sie besser die Finger lassen. Gleichzeitig zählt natürlich weiterhin das Wort der Professoren: Schließlich gilt es, deren Interesse an einer Betreuung Ihrer Dissertation, für Empfehlungsschreiben oder für andere Formen späterer Zusammenarbeit zu wecken.

Meins oder keins

Zum Schluss nochmals der vielleicht wichtigste Tipp für eine erfolgreiche Promotion: Suchen Sie sich unbedingt ein Thema, das Sie begeistert. Denn in den nächsten Jahren wird es Ihr treuer Begleiter sein, in einsamen Stunden im Archiv oder Labor, am Schreibtisch, auf Konferenzen und im Seminarraum. Das Promotionsthema wird Sie vermutlich auch an den Wochenenden nicht loslassen. Gute Dissertationen sind über Jahre gereift und von Menschen geschrieben, die für ihr Dissertationsthema Feuer und Flamme sind. Wer bereits bei der Formulierung des Projekts spürt, dass sich ein innerer Widerstand regt, hat eine schwierige Zeit vor sich. Wer es dagegen schon bei der Ausarbeitung des Forschungsexposés kaum erwarten kann loszulegen, ist auf dem richtigen Weg.

academics :: November 2013