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Vorbereitung auf einen PhD

Von Christian Wilbers

Eine Promotion ist selten eine spontane Idee. Der Entschluss, die eigene Karriere der Forschung zu widmen, ist in den meisten Fällen über Jahre während des Bachelor- und Master-Studiums gereift. Wer diese Zeit effektiv nutzt und erste Weichen stellt, schafft gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung auf einen PhD-Platz an einer Graduiertenschule.

Vorbereitung auf einen PhD© contrastwerkstatt - Fotolia.comMit der Vorbereitung auf einen PhD kann bereits im Studium begonnen werden
Am Anfang einer jeden wissenschaftlichen Karriere steht die wichtige Frage: Ist ein PhD das Richtige für mich? Selbst im Rahmen einer strukturierten Promotion an einer Graduiertenschule verlangt eine Dissertation mehr als nur Disziplin und Durchhaltevermögen. Wer sein Leben, oder zumindest die nächsten drei bis vier Jahre der Forschung widmen will, muss mit ganzem Herzen dabei sein. Denn ohne eine ordentliche Portion Enthusiasmus wird die tägliche Arbeit im Labor oder Archiv schnell zur Tortur. Daher sollte sich jeder angehende Doktorand vor der Bewerbung die Bedeutung dieses Schrittes bewusst machen. Die Entscheidung lohnt sich, wenn man mit Leib und Seele forscht oder eine Karriere anstrebt, für die ein PhD unverzichtbar ist. Für andere ist die Dissertation aber eine Fehlentscheidung: Nicht umsonst brechen nach wie vor viele Doktoranden die Promotion zugunsten einer Karriere in der freien Wirtschaft ab.

Wann mit der Vorbereitung auf einen PhD beginnen?

Mit der Vorbereitung auf den PhD kann man gar nicht früh genug anfangen. Es lohnt sich, schon während des Studiums den Kontakt zu Professoren und Promovierenden zu suchen und sich über Promotionsmodelle im In- und Ausland zu informieren. Ambitionierte Studierende, die sich zum Beispiel als Hilfskräfte engagieren, hinterlassen einen guten Eindruck, sammeln wertvolle Forschungserfahrung und knüpfen erste Kontakte. Gerade das Netzwerken ist unglaublich wichtig, denn die Welt der Wissenschaft ist klein. Zerteilt in viele Unterdisziplinen und Fachgebiete gibt es oft nur eine Handvoll Forscher, die sich einem spezifischen Thema widmen. Und wer eine der Koryphäen der eigenen Wunschdisziplin bereits persönlich kennt, verschafft sich einen entscheidenden Vorteil im Rennen um die begehrten Promotionsplätze.

Hilfreich ist zudem, schon während des Studiums ein Fachgebiet zu finden und sich entsprechend darin einzuarbeiten. Belegen Sie so viele vertiefende Kurse wie möglich und machen Sie sich mit dem Forschungsstand vertraut: Wo liegen zurzeit die wissenschaftlichen Schwerpunkte, was sind die Fragen von morgen? Auch hier können Professoren und Promovierende helfen, das persönliche Spezialgebiet sinnvoll zu vertiefen. Im Idealfall bearbeiten Sie in der Masterarbeit bereits einen Teilbereich und belegen so Ihre Fähigkeit, auf exzellentem Niveau wissenschaftlich zu arbeiten. Am Ende sollte eine fachspezifisch relevante Fragestellung entstehen, die Ihre persönlichen Interessen wiederspiegelt. Mehr zum Schwerpunkt Themenfindung finden Sie hier.

Wie finde ich die richtige Graduiertenschule?

Wer sich in seinem Fachgebiet gut auskennt, hat den ersten Schritt zur Wahl des passenden Promotionsprogrammes bereits getan. Aus Vorgesprächen und Ihren eigenen Recherchen wissen Sie, an welchen Universitäten die Experten arbeiten und wo die Forschungsinfrastruktur am besten ist. Bringen Sie jetzt auch Ihre persönlichen Präferenzen ins Spiel: Wo wird genau das geboten, wonach Sie suchen? Welche Graduiertenschule hat die umfangreichsten Qualifizierungsprogramme? Wo ist die finanzielle Förderung am besten? Und wo sind die Forscher, mit denen Sie unbedingt zusammen arbeiten wollen? Ganz wichtig ist auch die Frage, wo es sich am besten leben lässt. Das persönliche Wohlempfinden ist ein bedeutender Faktor auf dem Weg zur erfolgreichen Promotion - ein Faktor, den Sie auf keinen Fall vernachlässigen sollten. Hier lohnen sich gegebenenfalls ein Besuch der Universität sowie Gespräche mit den Kollegen vor Ort. Denn nur mit der richtigen Balance aus Arbeit und Regeneration lässt sich eine Dissertation erfolgreich durchstehen. Manche Promovierende finden diese Balance in der Stadt, andere auf dem Land, manche an einer Massenuni, die Anonymität und Abwechslung bietet, andere an einer kleinen Privathochschule, die persönliche Nähe und Vertrautheit garantiert.

Voraussetzungen für die Zulassung: Bewerbungsfristen einhalten

Sind die passenden Promotionsprogramme gefunden, ist ein Blick auf Fristen und Modalitäten Pflicht. Eine Bewerbung sollte von langer Hand geplant sein, nicht zuletzt weil Bewerber aus dem Ausland belegen müssen, dass Sie die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen. Dazu gehört etwa ein anerkannter Studienabschluss mit Master oder Diplom. In Ausnahmefällen reicht auch ein Bachelor - das hängt von der jeweiligen Promotionsordnung ab. Ob Ihr Studienabschluss anerkannt wird, entscheidet die jeweilige Institution. Viele Graduiertenschulen haben zur Feststellung standardisierte Verfahren eingerichtet, die teilweise mit Kosten für die Bewerber verbunden sind. Informieren Sie sich also schon im Vorfeld, ob es bei der Anerkennung Ihres Abschlusses Probleme geben könnte.

Ebenso wichtig sind die nötigen Sprachkenntnisse. Da viele Promotionsprogramme in Englischer Sprache durchgeführt werden, verlangen die Graduiertenschulen einen entsprechenden Nachweis, zum Beispiel über den Test of English as a Foreign Language (TOEFL), die Graduate Record Examination (GRE) oder das International English Language Testing System (IELTS) (Lesen Sie auch: Sprach- und Einstufungstests). Denken Sie auch hier unbedingt an Anmeldefristen und Vorbereitungszeiten. Diese Tests lassen sich nicht von heute auf morgen erledigen. Und auch wenn die Ergebnisse in den seltensten Fällen über die Zulassung entscheiden, können schlechte Englischkenntnisse sehr wohl ein Ausschlusskriterium sein. Nutzen Sie also die Zeit für die Vorbereitung auf den PhD, sowohl fachlich als auch sprachlich.

academics :: November 2013