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Kumulative Promotion zum Dr. rer. medic.

Kumulative Promotion zum Dr. rer. medic.© klenger - iStockphoto.com

Verschafft ein Dr. rer. medic. mit "cum laude" einen Vorteil auf dem Stellenmarkt?


Ich habe ein Diplom in Psychologie (Note: sehr gut) und habe mit diesem als Berufseinsteigerin zwei Jahre ein Forschungsprojekt in der Palliativmedizin durchgeführt.

Der Herr Professor der Palliativmedizin hat nun angeregt, über das von mir betreute Projekt auf Basis der geplanten Veröffentlichung in einem internationalen Peer-Journal eine kumulative Dissertation zur Promotion zum Dr. rer. medic. zu verfassen.

Auf Basis der Empfehlungen zur Beurteilung von Dissertationsschriften der Promotionsordnung der zuständigen medizinischen Fakultät, vermute ich, dass diese Dissertation aufgrund von Charakteristiken des zugrunde liegenden Projekts allerdings vermutlich nur mit "cum laude" beurteilt werden wird.

Ich bin außerdem im Juli diesen Jahres in die USA ausgewandert und plane aufgrund der hiesigen Professur meines amerikanischen Ehemanns langfristig in den USA zu leben.

Ich selbst strebe in den USA keine Tätigkeit als "professor" an, sondern möchte mich als "Research Associate" im Bereich "Public Health" bewerben, wofür mein Diplom bereits eine ausreichende Voraussetzung ist. Das heißt, für die von mir angestrebte Tätigkeit in den USA benötige ich die mir angebotene Promotion nicht.

Ich weiß aber, dass (falls ich aus welchen Gründen auch immer nach Deutschland zurückkehren würde) ich in Deutschland als wissenschaftliche Mitarbeiterin dauerhaft nur mit Promotion arbeiten kann.

Aufgrund der aufgeführten Umstände frage ich mich nun, ob ich das Dissertationsangebot annehmen soll oder nicht. Ich habe gehört, dass der Dr. rer. medic. im Vergleich zum "Dr. phil." nicht besonders hoch angesehen ist ("Wer nichts wird, wird Dr. rer. medic."). Zudem frage ich mich, ob es sich überhaupt lohnt, für ein "cum laude" zu promovieren. Zudem hat mir eine frühere, inzwischen promovierte, Kollegin mitgeteilt, dass die Stellensuche für sie mit Promotion deutlich schwieriger gewesen sei als vorher, da viele Stellen zur Promotion ausgeschrieben sind.

Da ich die Dissertation in erster Linie für eine nicht-geplante, aber dennoch nicht ausschließbare Rückkehr nach Deutschland verfassen würde, frage ich mich daher, ob mir ein Dr. rer. medic. mit "cum laude" einen wirklichen Vorteil auf dem Stellenmarkt verschaffen würde.

Ich bin nun bereits Mitte dreißig (ich habe erst mit 25 angefangen zu studieren). Momentan bin ich bis einschließlich Juli nächsten Jahres noch für ein weiteres Kurzprojekt am palliativmedizinischen Lehrstuhl von den USA aus in Teilzeit beschäftigt. Da die Publikation für das erste Projekt bald eingereicht werden soll, bräuchte ich für die kumulative Dissertation nur noch eine Einleitung und eine Diskussion zu verfassen. Einerseits denke ich, dass dies neben der Teilzeitstelle bis Juli nächsten Jahres umsetzbar ist, aber andererseits dauert es ja meistens doch immer länger als gedacht.

Ich möchte Sie um Ihre Einschätzung bitten, ob der Aufwand sich für einen "Dr. rer. medic." mit "cum laude" überhaupt lohnt bzw. ob mir durch ihn Vorteile bei einer nicht-ausschließbaren Rückkehr nach Deutschland entstehen oder schlimmstenfalls eher Gegenteiliges der Fall ist (z.B. wegen der Note).

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Aus unserer Perspektive spricht absolut nichts dagegen, dass Sie - nach Ihren Angaben - mit einem relativ überschaubaren Aufwand eine kumulative Promotion zur "Dr. rer. medic." realisieren. Dass die Note möglicherweise nicht im absolut exzellenten Bereich liegen könnte, ist m. E. kein Hinderungsgrund, denn eine Note magna oder summa cum laude wird regelmäßig nur bei Berufungen auf eine Universitätsprofessur vorausgesetzt. Weiterhin können wir nicht erkennen, aus welcher Perspektive sich die erworbene Promotion faktisch als Karrierehindernis darstellen könnte. Hierbei sollten Sie bedenken, dass Doktorandinnenstellen erfahrungsgemäß nicht mit Personen jenseits einer Altersgrenze von 40 Jahren besetzt werden. Zusammengefasst spricht aus unserer Perspektive nichts gegen ein derart überschaubares Promotionsprojekt. Da eine Promotion im Kontext einer wissenschaftlichen Tätigkeit nach wie vor regelmäßig zwingend vorausgesetzt wird, sprächen eher viele Punkte für ein derartiges Promotionsvorhaben.