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Gehalt an Universitätskliniken - Was verdienen Hochschulmediziner?

Von Julia Becker

Ärzte an Universitätskliniken haben ihren eigenen Tarifvertrag, der ihnen ein vergleichsweise gutes Gehalt beschert. Davon ausgenommen sind jedoch intensiv forschende Ärzte, die teils deutlich schlechter bezahlt werden.

Gehalt an Universitätskliniken - Was verdienen Hochschulmediziner?© Schlierner - Fotolia.comDas Gehalt von Hochschulmedizinern an Universitätskliniken variiert je nach Fachbereich und Forschungsvolumen
Ärzte an Universitätskliniken gehören zu den bestbezahlten Klinikärzten in Deutschland. Sie verdienen im Schnitt monatlich zwischen ein- und zweihundert Euro mehr als ihre Kollegen an kommunalen und privaten Krankenhäusern. Dafür müssen sie aber laut Tarifvertrag für Ärzte an Universitätskliniken (TV-Ärzte/TdL) auch zwei Stunden länger in der Woche arbeiten. Große Universitätskliniken, wie etwa die Charité in Berlin und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, haben eigene Haustarifverträge. "Das Gehaltsniveau unterscheidet sich jedoch nur marginal", sagt die Sprecherin des Marburger Bundes, Susanne Spohn. Auch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland existierten de facto nicht mehr.

Allgemein richtet sich das Einkommen eines Hochschulmediziners nach seiner Position, wobei zwischen Ärzten in Weiterbildung, Fachärzten, Oberärzten und Leitenden Oberärzten unterschieden wird. Darüber hinaus zählen die Berufsjahre des Arztes. Die Arbeit in Forschung und Lehre, die Hochschulmediziner zusätzlich zur Patientenversorgung leisten, sind in der Regel in den Tariflöhnen inbegriffen. So liegt das Brutto-Einstiegsgehalt eines Assistenzarztes im Juni 2014 an einem Universitätsklinikum bei 4.219,62 Euro im Monat, an einem kommunalen Krankenhaus nur bei 4.023,08 Euro. Fachärzte an Universitätskliniken erhalten in ihrem ersten Jahr 5.569,21 Euro, an kommunalen Krankenhäusern 5.309,81 Euro. Bei den Urlaubstagen unterscheiden sich die Krankenhäuser nicht: Sowohl an kommunalen als auch an universitären Kliniken stehen jedem Arzt 29 Urlaubstage im Jahr zu, ab dem siebten Jahr als Arzt sogar 30 Urlaubstage.

Gehalt an Universitätskliniken - Was verdienen Hochschulmediziner © academics-Grafik Gehaltsvergleich von Assistenzärzten
Der Fachbereich des Arztes spielt bei der Berechnung seines Tariflohns keine Rolle, hier gibt es keine Unterschiede. "Jedoch können sich dadurch welche ergeben, dass in bestimmten Disziplinen keine oder weit weniger Bereitschafts- oder Rufdienste anfallen", sagt Spohn. Diese werden laut Tarifvertrag gesondert vergütet. Darüber hinaus gibt es Zuschläge für Überstunden (15 Prozent), Nachtarbeit (20 Prozent), Samstagsarbeit (10 Prozent), Sonntagsarbeit (25 Prozent) und Feiertagsarbeit (35 Prozent). Diese Zuschläge werden jedoch nicht immer bezahlt: "Bei einer Umfrage des Marburger Bundes gab jeder fünfte Arzt an, dass seine Überstunden weder vergütet noch mit Freizeit ausgeglichen werden", kritisiert Spohn. Das hinge damit zusammen, dass es an vielen Kliniken keine modernen Zeiterfassungssysteme gebe.

Intensiv forschende Ärzte fallen aus dem Tarifvertrag raus

Dennoch hat es in den vergangenen Jahren einige positive Entwicklungen gegeben: Seit 2006 hat sich das Gehalt der Universitätsärzte nach Angaben des Marburger Bundes linear um rund 18 Prozent erhöht. Darüber hinaus habe es Verbesserungen bei Fragen des Bereitschaftsdienstes, der Rufbereitschaft, der Überstunden, Nachtarbeit und nicht zuletzt der Eingruppierung gegeben.

Gehalt an Universitätskliniken - Was verdienen Hochschulmediziner © academics-Grafik Gehaltsvergleich von Fachärtzen
Doch nicht alle Ärzte kommen in den Genuss dieser Vorteile. Von dem Tarifvertrag für Universitätsärzte sind Ärzte ausgenommen, die mehr Arbeitszeit in die Forschung investieren als in die Patientenversorgung. Sie werden nach dem klassischen Tarifvertrag der Länder (TvL) bezahlt. Das kann nach Angaben des Marburger Bundes stellenweise einen Lohnunterschied von bis zu 2.000 Euro monatlich bedeuten - zu Ungunsten der forschenden Ärzte. Diese deutlichen Gehaltsunterschiede schrecken Ärzte bisweilen ab, in die Forschung zu gehen - und das, obwohl qualifizierte Forscher händeringend gesucht werden. Daher gehen manche Kliniken mit eigenem Haustarifvertrag inzwischen andere Wege: "Bei uns wird der Arzt als Arzt bezahlt - in jedem Falle, egal, ob er klinisch tätig ist oder forscht", sagt der Dekan des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, Professor Uwe Koch-Gromus.

Eine solche Regelung gibt es im allgemeinen Tarifvertrag noch nicht: "Im Zuge der ersten Tarifauseinandersetzung mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und dem Marburger Bund hat sich die TdL bis zuletzt geweigert, den Geltungsbereich generell auch auf nicht klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte auszudehnen", sagt Susanne Spohn. Aber immerhin: Forschende Ärzte, die sich weniger als ein Jahr der intensiven Forschung widmen, fallen weiterhin unter den TV-Ärzte.

Doch in der Forschung aktiv zu werden hat auch Vorteile: Wissenschaftlich tätige Ärzte können auf Drittmittel zurückgreifen und sich damit bestenfalls einen gut ausgestatteten Arbeitsplatz mit eigenem Personal schaffen. An manchen Universitätskliniken gilt auch hier das Leistungsprinzip: Wer viel leistet, bekommt auch viel Geld. In Hamburg wurde vor ein paar Jahren beispielsweise das System der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) eingeführt. Von den für den Bereich Forschung vorgesehenen ca. 40 Millionen Euro Haushaltsmitteln des UKE, werden nach eigenen Angaben 17 Millionen Euro nach dem Kriterium erbrachter Forschungsleistung verteilt.

Gehalt von Chefärzten je nach Fachbereich sehr unterschiedlich

Neben den intensiv forschenden Ärzten gibt es eine weitere Gruppe, die aus dem Tarifvertrag für Hochschulmediziner herausfällt: Chefärzte und Klinikdirektoren. Ihr Gehalt wird außertariflich bezahlt. Repräsentative Studien über das Einkommen dieser Personengruppen gibt es nicht. Eine Markteinschätzung der Unternehmensberatung Kienbaum Management Consultants zeigt jedoch eine Tendenz. Demnach reicht das Brutto-Gehalt der Chefärzte an Universitätskliniken fächerübergreifend von 250.000 bis 400.000 Euro im Jahr, teilweise aber auch noch deutlich darüber hinaus. Anders als bei den Tariflöhnen fallen die Chefarzt-Gehälter je nach Fachrichtung äußerst unterschiedlich aus: Tendenziell verdienen Radiologen am meisten, am wenigsten verdienen Chefärzte aus der Pädiatrie.

"Die deutlichen Unterschiede resultieren überwiegend aus den variablen Bestandteilen, wie etwa Boni oder Einnahmen aus Privatliquidation, während sich die Festbezüge in einem engeren und eher vergleichbaren Rahmen bewegen", erklärt Kienbaum-Vergütungsberater Thomas Thurm. Über das Gehalt von universitären Klinikdirektoren sind seinen Angaben zufolge keine belastbaren Aussagen möglich.

academics :: Juni 2014

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