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Schwungvoll ins neue Jahr: Jetzt Karriereziele definieren

Das Interview führte Juliane Schmidt

Das neue Jahr ist noch frisch und die Motivation hoch: Perfekt also, um Karriereziele zu formulieren und über berufliche Optionen nachzudenken. Wir haben mit Karriere-Coach Jessica Wahl über die Planbarkeit der Karriere gesprochen und darüber, wie sich die Ziele von Frauen und Männern unterscheiden.

Schwungvoll ins neue Jahr: Jetzt Karriereziele definieren© suze - photocase.deKarriere ist bis zu einem gewissen Grad planbar. Karriereziele festzulegen ist der erste Schritt dorthin
academics: Der Jahreswechsel ist ein idealer Zeitpunkt, die eigenen Karriereziele zu überdenken, wenn nicht gar neu zu definieren. Warum ist ein neues Jahr so oft Auslöser für neue Vorhaben und Pläne?

Jessica Wahl: Das Ende des Jahres bietet sich an, einen Cut zu machen und diesen für einen Neustart zu nutzen. Der Jahreswechsel dient als Motivationsschub in der dunklen Jahreszeit und ist ideal, sich neu auf die eigenen Ziele und die Karriere zu fokussieren.

academics: Viele Nachwuchswissenschaftler leiden unter der Situation, in befristeten Stellen festzusitzen, d.h. nicht langfristig genug planen zu können. Wie geht man damit am besten um?

Jessica Wahl: Die Unplanbarkeit gehört zum Jobprofil dazu. Wichtig ist, sich ein großes Netzwerk aufzubauen und Kontakte zu knüpfen, um zu wissen, wann möglicherweise wo eine Stelle frei wird. Oft fängt es schon mit der Wahl des Doktorvaters bzw. der Doktormutter an, dass hier angehende Doktoranden schauen sollten, welche Kontakte der betreuende Professor bzw. die Professorin mitbringt. Betreuer können Doktoranden bei der Planung der wissenschaftlichen Laufbahn unterstützen und sie in bestehende Netzwerke einbeziehen.

academics: Was kann ich tun, um erreichbare Karriereziele zu formulieren?

Jessica Wahl: Als erstes ist es sinnvoll sich hinzusetzen und sich zu fragen: Wo möchte ich hin? Wie glücklich bin ich in der derzeitigen Position? Welche Optionen gibt es, einen nächsten Schritt innerhalb der Institution zu machen, in eine andere Institution zu wechseln oder sogar den Sprung in die Wirtschaft zu wagen? Wissenschaftler sind oft sehr inhaltsorientiert. Wichtig ist, den Blick auch auf die Außenwelt zu richten: Wie präsentiere ich mich in der Öffentlichkeit, welche Außenwirkung habe ich und wie kommuniziere ich meine Kompetenz?

academics: Wer ist erfolgreicher beim Erreichen der eigenen Ziele: Der Stratege oder der Gelassene?

Jessica Wahl: Eine gute Mischung aus beidem. Wer es laufen lässt, hofft darauf, dass er entdeckt und gefördert wird. Das kann funktionieren, wenn man sehr präsent ist und man den richtigen Vorgesetzten hat. Wenn das nicht der Fall ist, ist Strategie immer sinnvoll.

academics: Wie unterscheiden sich Ihrer Erfahrung nach die Karriereziele von Frauen und Männern?

Jessica Wahl: Es ist eine Typsache. Auffällig ist, dass die Frauen, die ein Bewusstsein für Coaching und Weiterentwicklung haben, einerseits sehr motiviert sind, sich aber auf der anderen Seite oft klein machen. Also diese Mischung aus Ehrgeiz und mangelndem Mut, groß und selbstbewusst zu denken. Männer sind hier wesentlich entspannter und selbstsicherer. Es gibt ein klassisches Beispiel aus meinem Gender-Coaching, wo nur Frauen sind. Wenn die Frauen nach vorne gehen, um ihre Präsentation zu halten, dann kommt oft der Satz vorweg: Ich hab's leider nicht geschafft, mich gut vorzubereiten - also ein sich im Vorfeld entschuldigen und ducken. Ein Mann macht so etwas nicht.

academics: Stichwort Work-Life-Balance: Wie kann ich in meinem tagtäglichen Ablauf von Deadlines, Aufgaben, Verantwortlichkeiten etc. die Balance halten zwischen Job und Privatem?

Jessica Wahl: Grundsätzlich sollte man sich fragen: Ist es gerade eine sehr stressige Phase, in der viel gefordert wird oder gibt es etwas mehr Zeit? Was sind die Ziele und welche Prioritäten setzt man? Das kann man dann differenzieren. Und man sollte sich fragen: Wann brauche ich freie Zeit? Ist man ein Morgen-Mensch oder ein Abend- bzw. Nacht-Mensch, sprich: Wann kann ich am besten arbeiten? Bei Morgen-Menschen ist es sinnvoll, morgens die Zeit für konzentriertes Arbeiten und den Abend für die Freizeit zu nutzen. Oder eben andersherum.

academics: Was sind praktische Tipps für eine bessere Work-Life-Balance?

Jessica Wahl: Menschen in der Wissenschaft sind häufig sehr diszipliniert und haben Angst, dass sie ihre Aufgaben am Tag nicht schaffen. Mein Tipp: Bevor Sie sich an die Arbeit setzen, sollten Sie zuvor etwas für sich tun. Das kann eine Tasse Tee, ein kurzer Spaziergang, etwas Sport oder Meditation sein. Dann haben Sie das schon mal auf der Haben-Seite und sind positiv auf den Tag eingestellt.

academics: Jeder kennt das: Rückschläge, Scheitern, etwas nicht zu schaffen. Wie wichtig sind diese Erfahrungen für den Erfolg?

Jessica Wahl: Rückschläge sind gut, da sie demütig machen. Rückschläge sind auch gut, um zu überprüfen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Die Situation ist wichtig, um sich zu fragen: Wieviel ist einem das angestrebte Ziel wert?

academics: Was raten Sie insbesondere Nachwuchswissenschaftlern bei Rückschlägen?

Jessica Wahl: Rückschläge sind ideal, um nachzujustieren. Bei einer Bewerbung, nicht genommen zu werden, ist heutzutage normal, genauso wie eine Prüfung nicht zu bestehen. Wichtig ist, sich im Nachhinein hinzusetzen und zu fragen: Woran hat es gelegen? Lag es an der Vorbereitung? Lag es z.B. an einer schlechten Präsentation? Lag es an der fehlenden Struktur? Hat man die Zeit falsch eingeschätzt? Erst dann können wir daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

academics: In der Wissenschaft ist es wichtig, in Vorträgen wissenschaftliche Ergebnisse zu präsentieren, auch das gehört zur Karrierearbeit dazu. Sie arbeiten auch im Bereich des Stimmcoachings und am selbstbewussten Auftreten vor einem Auditorium. Was ist eine sinnvolle Vorbereitung auf einen Vortrag?

Jessica Wahl: Sorgen Sie dafür, dass Sie z.B. einen Vortrag halten, der Ihnen selbst Spaß macht. Sie sollten Freude am Thema haben - das überträgt sich auf das Publikum. Bei einer Präsentation geht es in erster Linie nicht um den Inhalt, sondern um die Art, wie man es präsentiert. Das heißt, theoretisch im Kopf alles auszuarbeiten, ist nur ein Teil, viel wichtiger ist aber der Vortrag selbst. Üben Sie das Vortragen vor einem Publikum, also vor Freunden oder Kollegen. Denn ginge es nur um den reinen Inhalt, wäre es besser ein PDF zu verschicken statt zu präsentieren.

Wie Sie Ihre Karrierepläne umsetzen, lesen Sie hier: 7 Tipps für die individuelle Karriereplanung in der Wissenschaft

Schwungvoll ins neue Jahr: Jetzt Karriereziele definieren © Jessica Wahl Personal Performance Coach Jessica Wahl: "Erfolg ist, wenn man mit dem, was man gemacht hat, glücklich ist."
Über die Interviewte:
Jessica Wahl ist seit über 10 Jahren Personal Performance Coach in Berlin und gibt Seminare und Coachings. Ihr Angebot ist umfangreich: So ist sie Expertin für Karriere-, Persönlichkeits-, Medien- und Bewerbungscoaching und ist zusätzlich ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin. Alle Angebote und mehr über ihre Person unter: www.jessicawahl.de.

academics :: Januar 2016