Weibliche Führungskräfte: Statistik
Frauen in Führungspositionen – Zahlen und Fakten

Eine weibliche Führungskraft vor einem Team

© filadendron / iStock

Weibliche Führungskräfte sind in vielen Bereichen immer noch unterrepräsentiert. Dabei bringt mehr Diversität Wettbewerbsvorteile für Unternehmen. In welchen Branchen, Bereichen und Regionen gibt es besonders viele Chefinnen – und wo besonders wenige? Verschiedene Studien und Statistiken geben Aufschluss.

Veröffentlicht: 15.11.2023

Von: Maresa Wolbert

Eine Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern zu schaffen, diesem Ziel haben sich viele Initiativen, Organisationen und Verbände verschrieben. Auch die Politik hat sich dieser Aufgabe angenommen. So trat beispielsweise im August 2021 nach 2015 das zweite Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen in Kraft. Es soll erreichen, dass Frauen vor allem in der Arbeitswelt den Männern gleichgestellt werden.

Doch wie sieht es eigentlich konkret aus mit der Parität? In welchen Bereichen sind Männer und Frauen tatsächlich gleichberechtigt, haben die gleichen Möglichkeiten und Entwicklungschancen? Diese Zahlen liefern einen kleinen Einblick über die aktuelle Situation von Frauen in Führungspositionen.

Im Jahr 2022 war nur knapp jede dritte Führungsposition von Frauen besetzt (28,9 Prozent). Das belegen Zahlen der Arbeitskräfteerhebung, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden. In akademischen Berufen, zum Beispiel bei Ärzt:innen, Jurist:innen oder Lehrkräften, lag der Frauenanteil mit 49,5 Prozent deutlich höher. Ein Trend, der schon länger anhält: Seit den 1990er-Jahren hat sich der Anteil von Frauen in akademischen Berufen deutlich erhöht – ein ziemlicher Unterschied im Vergleich zu der Entwicklung weiblicher Führungskräfte insgesamt.

Grafik: Anteil von Frauen in Führungspositionen

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen unterscheidet sich regional und nach Arbeitgeber gewaltig. © academics Grafik

Während in Deutschland im Jahr 2022 also nur knapp jede dritte Führungskraft weiblich war, sieht es in anderen EU-Mitgliedsländern laut aktueller Arbeitskräfteerhebung schon ausgewogener aus. In Lettland lag der Frauenanteil in Führungspositionen bei 45 Prozent. Damit landet das baltische Land auf dem Spitzenplatz.

Auch in Polen (42,9 Prozent) und Schweden (41,7 Prozent) waren vergleichsweise viele Führungspositionen von Frauen besetzt. Deutschland lag mit seinem Wert von knapp 29 Prozent nur im unteren Drittel, Schlusslicht war Kroatien mit 21,6 Prozent.

Im Jahr 2020 gab es in den ostdeutschen Bundesländern immerhin 31 Prozent Frauen in den obersten betrieblichen Führungspositionen, in den alten Ländern nur 26 Prozent.

Auf der zweiten Führungsebene sieht es etwas anders aus. Hier liegt der Anteil der Frauen in Westdeutschland bei 39 Prozent und damit nur knapp unter dem Anteil der Beschäftigten insgesamt (43 Prozent). In Ostdeutschland sind weibliche Führungspersonen auf der zweiten Ebene sogar ein wenig überrepräsentiert (46 Prozent vs. 44 Prozent). Das belegen Zahlen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aus dem September 2023.

Schon gewusst?

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Frauen sind auch in den Führungsetagen von Vereinen, Stiftungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen (ZGO) unterrepräsentiert. Das ist ein Ergebnis des FAIR SHARE Monitor 2023. Der Monitor analysiert jährlich die Geschlechterverteilung in Geschäftsleitungen und Aufsichtsgremien von zivilgesellschaftlichen Organisationen und zeigt auf, welche Organisationen einen angemessenen Anteil von Frauen in Führung haben – und bei welchen noch Potenzial besteht.

Demnach liegt Frauenanteil in der Belegschaft in ZGOs bei 69 Prozent, allerdings nehmen nur 39 Prozent eine führende Position ein. Ein näherer Blick auf die Zahlen zeigt: In den zu den ZGOs zählenden Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind 42 Prozent Frauen in Führungsposition. In Stiftungen beläuft sich ihr Anteil auf 35 Prozent.

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Anders sehen die Zahlen an staatlichen Hochschulen aus. Hier steigt der Frauenanteil in Deutschland weiter an, wie eine Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt. Demnach werden von 182 Einrichtungen in Deutschland 52 von einer Rektorin oder Präsidentin geführt. Damit lag im Dezember 2022 die Frauenquote bei 28,6 Prozent – ein Anstieg um 3,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders an Universitäten nahm der Anteil der führenden Frauen zu, er stieg von 27,5 Prozent auf 37 Prozent. An staatlichen Fachhochschulen sowie HAWs war er jedoch leicht rückläufig.

Erfreulich: Die Zahl der Professorinnen steigt stetig, von 8.957 im Jahr 2012 auf 14.326 in 2022. Nichtsdestotrotz sind mehr als zwei Drittel (72 Prozent) der Lehrstühle, vor allem der großen, nach wie vor von Männern besetzt. Dies dürfte sich im Laufe der kommenden Jahre aber ändern: Bei den Juniorprofessuren lag der Frauenanteil 2021 in manchen Bundesländern bereits bei mehr als 50 Prozent, in Bremen sogar bei 60 Prozent. Tendenz auch hier: steigend.

W1-Professuren: Frauenanteil nach Bundesländern (2021, in Prozent)

Bundesland Frauen Männer

Baden-Württemberg

47,3

52,7

Bayern

52,5

47,5

Berlin

48,7

51,3

Brandenburg

58,3

41,7

Bremen

60,0

40,0

Hamburg

50,6

49,4

Hessen

44,4

55,6

Mecklenburg-Vorpommern

39,1

60,9

Niedersachsen

50,4

49,6

Nordrhein-Westfalen

47,8

52,2

Rheinland-Pfalz

52,2

47,8

Saarland

37,5

62,5

Sachsen

43,2

56,8

Sachsen-Anhalt

40,6

59,4

Schleswig-Holstein

52,5

47,5

Thüringen

38,6

61,4

Deutschland

48,0

52,0

Im öffentlichen Dienst und in den Gremien des Bundes sind Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Das belegt der aktuelle Gleichstellungsindex, der jährlich vom Statistischen Bundesamt im Auftrag des Bundes­ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt wird. Dabei ist der Anteil der weiblichen Führungskräfte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: Im öffentlichen Dienst des Bundes beträgt demnach der Frauenanteil an Führungspositionen inzwischen 43 Prozent.

In den obersten Bundesbehörden allein hat sich der Anteil von 32,6 Prozent im Jahr 2015 auf 41 Prozent im Jahr 2022 erhöht. Und so soll es weitergehen: Das vom Bund festgesetzte Ziel ist es, bis 2025 die Führungspositionen paritätisch zu besetzen.

37 Prozent der neubesetzten Vorstandspositionen in den großen deutschen Konzernen konnten zwischen September 2022 und 2023 von Frauen besetzt werden. Diese Zahl liefert eine Analyse der AllBright-Stiftung. Damit hat sich ihr Anteil in den Vorständen der insgesamt 160 in DAX, MDAX und SDAX notierten Unternehmen seit September vergangenen Jahres um drei Prozent erhöht – der zweitstärkste Zuwachs im Laufe eines Jahres. Unter den großen börsennotierten Konzernen gibt es damit mehr Unternehmen, in denen Frauen im Vorstand sind als ohne.

Fun Fact

Im September 2019 gab es laut der AllBright-Stiftung in den Vorständen der an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen erstmals mehr Frauen im Vorstand als Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen.

Die Frauenquote im Mittelstand ist im Jahr 2021 zurückgegangen. Das zeigt eine Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels. Die Anzahl frauengeführter Unternehmen ist in kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) demnach auf rund 608.000 im Jahr 2021 gesunken. Das sind etwa 30.000 weniger als im Jahr zuvor. Zudem liefert die Auswertung aufschlussreiche Branchenzahlen zu Frauen in führenden Positionen:

  • KMU: Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen liegt der Anteil von Frauen an der Spitze bei 16 Prozent.
  • Dienstleistungsunternehmen: Etwa neun von zehn Chefinnen (89 Prozent) lenken ein Dienstleistungsunternehmen.
  • Mittelständische Unternehmen: 58 Prozent der Inhaberinnen von mittelständischen Unternehmen sind Akademikerinnen.
  • Verarbeitendes Gewerbe: Nur vier Prozent aller Unternehmen, die von Frauen geführt werden, werden dem Verarbeitenden Gewerbe zugeordnet (etwa 22.000). Dementsprechend liegt die Frauenquote in diesem Teilbereich deutlich unter dem Durchschnitt: In dem verarbeitenden Gewerbe, das sich der Forschung und Entwicklung verschrieben hat (zum Beispiel Maschinenbau, Medizin-, Mess-, Fahrzeugbau, Pharmazie) liegt die Frauenquote bei sechs Prozent, im „Sonstigen Verarbeiteten Gewerbe“ (zum Beispiel Ernährungs- und Holzgewerbe) bei zehn Prozent. Diese Zahlen überraschen, liegt doch der Frauenanteil an allen Hochschulabsolvent:innen in MINT-Studiengängen bei etwa einem Drittel.


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Auch die repräsentative Studie „Arbeit und Karriere. Gleiche Chancen für alle?“ der IU Internationalen Hochschule gibt Auskünfte zur Geschlechterverteilung in Führungspositionen. Interessant ist ein Blick auf die Arbeitszeitmodelle. Demnach arbeiten 31,3 Prozent der Frauen in Führungspositionen 21 bis 35 Stunden pro Woche und 11,3 Prozent bis zu 20 Stunden in Teilzeit.

Und wie sieht es bei den männlichen Kollegen in Führungspositionen aus? Die große Mehrheit arbeitet in Vollzeit. Nur jeweils halb so viele (15,1 Prozent, 21 bis 35 Wochenstunden und 4,9 Prozent, bis 20 Wochenstunden) üben ihren Job in Teilzeit aus.

Ein weiteres Ergebnis der Studie der IU Internationalen Hochschule liefert Erkenntnisse zum Geschlecht direkter Vorgesetzter. Demnach werden 42 Prozent der weiblichen Führungskräfte von einer Frau geführt. Bei den Männern in Führungspositionen sind es 15 Prozent, die eine weibliche Führungskraft haben.

Die IU-Studie befragte außerdem Personen, die aktuell keine Führungsverantwortung tragen, zu einem früheren Zeitpunkt aber bereits in einer Führungsposition waren, warum sie nicht wieder in einen Job mit Führungsverantwortung zurückkehren. Bei Frauen liefern Kinder den Grund: 11,4 Prozent sind derzeit aufgrund von Geburt und Elternschaft nicht mehr in einer Führungsposition. Bei den Männern sind es aus diesem Grund nur 3,2 Prozent. 

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