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Wie läuft eine Habilitation in Deutschland ab?

Wie läuft eine Habilitation in Deutschland ab?© JohanKalen - Fotolia.com

Ich bin ein ägyptischer Assistant Professor mit der Fachrichtung "Sprachwissenschaft" und habe ein umfassendes Sprachvorhaben, das ich an einer deutschen Universität bzw. Hochschule als Habilitationsschrift realisieren möche. Daher möchte ich Sie Folgendes fragen:

1. Wie kann ich die Universitäten bzw. Hochschulen finden, an denen ich eine Habilitationsschrift im Bereich der "Sprachwissenschaft" schreiben kann?

2. Welche Voraussetzungen gibt es für die Anmeldung einer Habilitation?

3. Welche Universitäten bzw. Hochschulen und Stiftungen vergeben Habilitationstipendien bzw. Fördermittel für eine Habilitation?

4. Sollte man sich selbst einen Betreuer suchen, oder übernimmt die Universität bzw. Hochschule diese Rolle? Wäre es möglich, einen Betreuer zu haben, der nicht an der Universität arbeitet, an der man sich habilitiert?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Die Habilitation ist eine Hochschulprüfung, mit der die Befähigung zur selbständigen Forschung und Lehre bescheinigt wird (die sogenannte "Lehrstuhlreife"). Das Hochschulrahmengesetz regelt die Habilitation nicht mehr. Obwohl die Habilitation ursprünglich universitäres Recht war, haben die Bundesländer in ihren Hochschulgesetzen mittlerweile umfänglich die Habilitation geregelt. In vielen Fächern ist die Habilitation de facto immer noch eine der Regeleinstellungsvoraussetzungen für Universitätsprofessoren.

Die Zulassung zur Habilitation erfolgt nach Maßgabe der lokal geltenden Habilitationsordnung auf Antrag. Der Bewerber reicht einen schriftlichen Antrag auf Zulassung zur Habilitation unter Angabe des Faches, für welches er die Lehrbefähigung erlangen will (das sogenannte "Habilitationsgesuch"), grundsätzlich beim Dekan der zuständigen Fakultät ein.

Die fachlichen Voraussetzungen der Zulassung zur Habilitation regeln die jeweiligen Habilitationsordnungen der Universitäten. Regelmäßig sind dies ein wissenschaftliches Studium, eine qualifizierte Promotion, eine wissenschaftliche Tätigkeit nach der Promotion sowie die Vorlage einer Habilitationsschrift oder mehrerer wissenschaftlicher Arbeiten, die einer Habilitationsschrift adäquat sind (die sogenannte "kumulative Habilitation"). Die Habilitationsordnungen der Hochschulen können weitere sachbezogene Voraussetzungen fordern. Keine zwingende Voraussetzung ist die Betreuung des Habilitanden. Liegen die formalen Voraussetzungen der Zulassung vor, so wird das Habilitationsverfahren eingeleitet, in welchem die mündlichen und schriftlichen Prüfungsleistungen bewertet werden.

Voraussetzung für ein geordnetes Habilitationsverfahren ist auf jeden Fall ein funktionierendes Vertrauensverhältnis zwischen dem Betreuer (Habilitationsmutter respektive Habilitationsvater) und dem Habilitanden. Es kann folglich nur dringend angeraten werden, im Vorfeld einer Habilitation in Erfahrung zu bringen, wie viele Habilitationsverfahren an dem betroffenen Lehrstuhl in den letzten Jahren vollzogen wurden respektive ob eventuell Habilitationsverfahren abgebrochen wurden oder ob es zu Störungen im Betreuungsverhältnis zwischen Habilitanden und Betreuer gekommen ist. Weiterhin ist es für die spätere wissenschaftliche Laufbahn von erheblicher Bedeutung, welches Renommee der Betreuer in der scientific community besitzt. Desweiteren sollte vor dem ersten Gespräch in Erfahrung gebracht werden, ob der Habilitationsvater respektive die Habilitationsmutter bereits zu dem avisierten Habilitationsthema einschlägig publiziert hat und insoweit das Habilitationsprojekt auch inhaltlich unterstützen kann.

Die Benennung eines Habilitationsvaters ist nicht Voraussetzung einer Habilitation. Der subjektive Anspruch des Antragstellers auf Durchführung des Habilitationsverfahrens richtet sich gegen die Fakultät. Gleichwohl werden die meisten Habilitanden durch einen Hochschullehrer des Faches betreut und stehen zur Universität in einem Dienst- bzw. Arbeitsverhältnis. Die externe Habilitation ist auch heute eher selten. Aufgabe des betreuenden Hochschullehrers ist insbesondere, den Habilitanden von unangemessenen Verzögerungen und Behinderungen freizuhalten und so die erforderlichen Freiräume zu gewährleisten, auf die der Nachwuchswissenschaftler mit seiner eigenständigen Forschung angewiesen ist. Darüber hinaus obliegt dem Hochschullehrer eine besondere Fürsorgepflicht dahingehend, seine Fertigkeiten und Erfahrungen in der akademischen Lehre an den Habilitanden weiterzugeben. Wichtigste Aufgabe ist jedoch die Lenkung bzw. Förderung des Habilitanden sowie die fachwissenschaftliche Betreuung und aktive Unterstützung während der Habilitation.

Stipendien werden auch für diejenigen Wissenschaftler, die ihre Habilitation an einer deutschen Hochschule anfertigen, vergeben. Weitere Informationen können Sie zum Beispiel auf der Homepage der DFG erhalten. Hier beschreibt die DFG die Möglichkeit, Forschungsstipendien für junge Wissenschaftler im In- und Ausland zu beantragen. Die Stipendien dienen besonders den jungen Wissenschaftlern für die Finanzierung einer Habilitationsphase. Weiterhin könnten Sie sich bei der Servicestelle für elektronische Forschungsförderinformationen (ELFI) über Forschungsförderungsprogramme informieren.

Darüber hinaus finden Sie, wenn Sie im Netz "googlen" unter den Stichworten "Habilitation" und "Stipendium" diverse Einrichtungen, die eine Forschungsförderung ermöglichen (z. B. Gerda-Henkel-Stiftung etc.). Förderungen für Ihr Vorhaben könnten Sie möglicherweise auch bei politischen Stiftungen erhalten. Auch einige Länder sehen zum Teil die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch Stipendien vor.
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