Chemie-Berufe
Berufe und Branchen: Der Arbeitsmarkt für Chemiker und Chemikerinnen

Ein Chemiker und eine Chemikerin im Labor mit einem Reagenzglas mit leuchtend blauer Flüssigkeit

Ob in der Wissenschaft, dem öffentlichen Dienst oder der Industrie: Chemiker:innen sind gesuchte Fachkräfte. © sanjeri / iStock

Die Welt der Chemie ist so vielfältig wie ihre Tätigkeitsfelder. In welchen Berufen und Branchen Chemiker und Chemikerinnen gesucht werden und wie die Gehaltsaussichten sind, erfahren Sie hier.

Veröffentlicht: 04.09.2023

Von: Florian Heil

Die Chemie ist eine Naturwissenschaft, die sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften, dem Verhalten und der Umwandlung von chemischen Stoffen beschäftigt. Sie gibt Aufschluss darüber, wie sich Stoffe unter den verschiedensten Umweltbedingungen gegenseitig beeinflussen.

Die Chemie gliedert sich laut der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in vier traditionelle Teilgebiete:

  • Anorganische Chemie: Sie vereinnahmt die Eigenschaften und Reaktivitäten aller chemischen Elemente sowie deren Verbindungen. In der modernen Welt ergeben sich daraus beispielsweise Anwendungsgebiete im Bereich der Batterieforschung oder anderer Energiespeicher.
  • Organische Chemie: Sie vermittelt fundierte Kenntnisse in organischer Stoffchemie und der Charakterisierung stofflicher Systeme sowie ihrer Eigenschaften. Diese Fachrichtung ist heutzutage beispielsweise im Bereich der medizinischen Chemie bei der Entwicklung neuer Medikamente gefragt.
  • Physikalische Chemie: Sie stellt quantitative Grundlagen und Methoden für Chemiker und Chemikerinnen aller Fachrichtungen bereit und beschreibt physikalische Eigenschaften und Strukturen chemischer Verbindungen oder auch Energiebilanzen chemischer Prozesse. Heutzutage ist das Fachgebiet beispielsweise bei der Entwicklung neuartiger Katalysatoren gefragt.
  • Analytische Chemie: Sie verbindet alle Teildisziplinen der Chemie und ist für die Weiterentwicklung der Forschung und die zugehörige Qualitätssicherung unabdingbar.

In der modernen Chemie verschieben sich diese Grenzen untereinander, wodurch sich neue spezialisierte Fachrichtungen herauskristallisiert haben. Dazu zählen insbesondere die

  • Biochemie & Life Sciences
  • Technische Chemie
  • Festkörperchemie
  • Makromolekulare Chemie
  • Molecular & Nano Science
  • Umweltchemie
  • Nuklearchemie
  • Wasserchemie
  • Wirtschaftschemie
  • Bauchemie
  • Lebensmittelchemie
  • Medizinische Chemie
  • Farb- und Lackchemie
  • Nachhaltige Chemie
  • Photochemie


Die Tätigkeitsfelder für Chemiker:innen sind so vielfältig wie die Chemie selbst. Sie können die verschiedensten Berufe ergreifen und in ganz unterschiedlichen Branchen arbeiten. Ob in Forschung und Lehre, im öffentlichen Dienst, bei NPOs oder NGOs, in der Industrie oder auch in Bereichen wie Marketing und Vertrieb – Chemiker:innen sind gefragte Kräfte.

Forschung ist für Chemiker:innen natürlich nicht nur in der Industrie möglich, sondern auch an Hochschulen und den Forschungsinstituten. Hier kommt in vielen Fällen noch die Lehre hinzu. 

  • An Universitäten und Hochschulen werden Nachwuchskräfte in der Regel als Postdocs befristet eingestellt, wo sie neue Arbeitstechniken erlernen, neue Forschungsrichtungen erproben und sich darauffolgend einer Arbeitsgruppe anschließen. Wer den akademischen Grad des Professors oder der Professorin anstrebt, kann auf seinem eigenen Gebiet forschen und muss in der Regel auch Lehrverpflichtungen nachkommen. Auch ohne Habilitation lässt sich als Juniorprofessor eine universitäre Karriere beginnen.
  • An den naturwissenschaftlich orientierten Forschungsinstituten fällt die Lehre hingegen weg. Beispielsweise an den Max-Planck-Instituten oder in Großforschungseinrichtungen des Bundes (Ressortforschung) können sich Chemiker:innen ganz auf die Forschung konzentrieren. Auch einige Bundesanstalten und Landesbehörden haben Bedarf an Forscher:innen.
  • An den Schulen oder auch an Weiterbildungsinstituten werden Chemielehrer und Chemielehrerinnen dringend gesucht, um den Nachwuchs oder fachfremde Personen an die Chemie heranzuführen. In der Regel müssen für den Job als Lehrer:in aber pädagogische Fähigkeiten nachgewiesen werden.

Auch im öffentlichen Dienst erwartet Chemiker:innen ein breites Arbeitsspektrum, von Forschungstätigkeit über die Arbeit in Laboratorien und der Wissenschaftsverwaltung bis hin zur Beratungs-, Bewertungs- und Überwachungstätigkeit. Sie kommen vorwiegend in den Bereichen Umweltschutz, Überwachung, Genehmigung sowie Ver- und Entsorgung zum Einsatz, beispielsweise bei folgenden Arbeitgebern:

  • bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • bei der Bundesanstalt für Materialprüfung
  • bei der Polizei
  • beim Deutschen Institut für Bautechnik
  • bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
  • in den Umweltbehörden des Bundes, der Länder und der Kommunen
  • bei der Feuerwehr
  • bei den Zollämtern
  • in Kliniken.


Eine weitere Perspektive für Chemiker:innen ist die chemische Industrie. Allein in diesem Bereich warten eine Vielzahl von Aufgaben und Tätigkeitsfeldern, sowohl mit eher theoretischem als auch eher praktischem Einschlag. 

Der klassische Karrierestart, der nach dem Hochschulabschluss oft erwogen wird, ist laut der GDCh der Berufseinstieg in einem Forschungslabor in der Industrie. Hier arbeiten Chemiker:innen anwendungsbezogener als an der Universität, sie entwickeln Produkte und optimieren Herstellungsprozesse. Dank ihres wissenschaftlichen Hintergrunds arbeiten sie vor allem konzeptionell an innovativen Ideen. Die Leitlinien geben in der Regel betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen und Ziele vor. Die Zusammenarbeit mit ausführenden Laboranten und Laborantinnen setzt neben Fachwissen auch kommunikative Fähigkeiten voraus. In Verlauf des Berufslebens ist die Position des Laborleiters oder der Laborleiterin für viele attraktiv.

Ein weiterer Bereich, in dem viele Chemiker:innen in der Industrie unterkommen, ist die Produktion. Hier verantworten sie die Qualität der hergestellten Waren und sorgen dafür, dass Sicherheits- und Umweltrichtlinien eingehalten werden. Infrage kommt hier der Job als Betriebsleiter:in oder deren Vertreter:in.

Weitere Felder sind

  • die Produktentwicklung und Anwendungstechnik,
  • die Verfahrenstechnik,
  • die chemische Analytik,
  • die chemische Dokumentation,
  • Marketing und Vertrieb,
  • die Öffentlichkeitsarbeit,
  • der Umweltschutz oder
  • das Patentwesen.

Auch in Unternehmensberatungen finden Chemiker:innen Beschäftigung, da ihr analytisches Denken dort sehr gefragt ist.

Ein Spezialgebiet innerhalb der Chemie ist der Berufszweig des Lebensmittelchemikers oder Lebensmittelchemikerin. Diese Expert:innen sind in erster Linie dem Schutz des Verbrauchers verpflichtet ist. Sie arbeiten – häufig auch bei staatlichen Behörden – vorwiegend mit chemisch-analytischen Methoden, aber auch mit biochemischen und mikrobiologischen Verfahren, um Lebensmittel nach verschiedenen Kriterien wie Zusammensetzung, Reinheit und Unbedenklichkeit zu bewerten.

Gesucht werden Chemiker:innen unter anderem in folgenden Industriebereichen:

  • Pharma
  • Kosmetik
  • Nahrungsmittel
  • Automobil
  • Elektro
  • Farbstoffe
  • Baustoffe
  • Metallerzeugung und -verarbeitung
  • Flugzeugbau.

Einen kleinen Teil der Chemikerinnen zieht es auch in die Medien, vor allem der Wissenschaftsjournalismus ist hier prädestiniert. Ob bei Fach- oder Publikumszeitschriften, in den Redaktionen der TV-Anstalten oder den entsprechenden Online-Angeboten – wer sein Fachwissen auch für die Allgemeinheit verständlich formulieren kann, findet hier ebenfalls Jobs für Chemiker:innen. In der Regel ist aber ein vorheriges Praktikum oder ein Volontariat notwendig, um das Rüstzeug als Journalistin zu erlangen. Und natürlich ist eine hohe Kommunikationsbereitschaft auf diesem Feld unumgänglich.




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Generell ist der Berufseinstieg in der Chemie nach Ausbildung, Studium oder Promotion möglich. Fast alle Studierenden an Universitäten absolvieren nach ihrem Bachelor noch ihren Masterabschluss, knapp 90 Prozent von ihnen promovieren sogar. Auch an Fachhochschulen hängt die Mehrheit nach dem berufsqualifizierenden Bachelor noch einen Master an. 

Der Doktortitel ist für spätere Führungspositionen von erheblichem Vorteil, in einigen Bereichen wie der wissenschaftlichen Karriere an Hochschulen sogar unabdingbar. Aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation für Chemiker gibt es aber auch vielfältige Job-Möglichkeiten ohne Promotion, beispielsweise in der Anwendungstechnik, im Einkauf, Marketing und Vertrieb, Produktion, Qualitätssicherung oder Umweltschutz. Bei manchen Stellen ist ein vorgeschaltetes Trainee-Programm für Chemieabsolventen erforderlich. Angestellte ohne Doktortitel üben allerdings vermehrt operative Tätigkeiten aus, beispielsweise als Ingenieure in der Produktion oder im technischen Marketing. 

Wer nicht studieren möchte, kann dennoch in der Welt der Chemie unterkommen. Ob Organik, Anorganik oder Analytik – sowohl in der Theorie als auch der Praxis bietet sich ein weites Berufsfeld. Voraussetzung ist entweder eine schulische oder eine duale Ausbildung. So bietet sich mit Mittlerer Reife oder Abitur die zweijährige Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten oder Assistentin (CTA) an einer Chemieschule an. Sie sind in vielen Branchen gefragt, beispielsweise bei Computer- oder Autoherstellern, in der Lebensmittel-, Kosmetik-, Textil- oder Kunststoffindustrie oder im Öffentlichen Dienst. 

In der dualen Ausbildung bietet die chemisch-pharmazeutische Industrie über 50 verschiedene Ausbildungsberufe im naturwissenschaftlichen, technischen oder kaufmännischen Bereich an. Darunter fallen zum Beispiel Chemielaborant:innen oder Chemikant:innen. Für detaillierte Informationen empfiehlt sich die Website elementare-vielfalt.de.

Die Berufsaussichten für Chemikerinnen sind glänzend. Die gesamte Branche befindet sich im Wachstum, sodass sich daran wohl auch in mittelbarer Zukunft nur wenig ändern wird. Gerade promovierte Chemiker:innen finden in der Regel schnell einen Job, auch die Aufstiegsmöglichkeiten sind fast überall gegeben.

Gefragt sind vor allem die Fachrichtungen Verfahrens- und Chemietechnik, Chemieingenieurwesen und Biotechnologie. Gute Chancen werden auch Chemiker:innen mit fachlichem Hintergrund in Elektrochemie, Materialwissenschaften und Grenzflächenwissenschaften sowie Biochemie eingeräumt.

Die guten Karriereperspektiven wirken sich entsprechend positiv auf die Gehälter von Chemiker:innen aus. Schon das Durchschnittseinkommen zum Berufseinstieg mit Doktortitel liegt mit 63.000 Euro brutto im Jahr deutlich über dem Durchschnitt. Die Tarifverträge in der Chemieindustrie sehen im zweiten Beschäftigungsjahr Mindestjahresbezüge von 68.550 Euro brutto pro Jahr für Chemiker:innen mit Diplom oder Master vor und für promovierte Chemiker:innen in Höhe von 79.875 Euro (Stand 2021; 3,25 Prozent mehr ab 1.1.2023, weitere 3,25 Prozent ab 1.1.2024). Im weiteren Berufsleben lassen sich demnach echte Spitzengehälter erzielen.

Im öffentlichen Dienst beschäftigte Chemiker:innen – etwa an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, in staatlichen Laboren und Behörden – werden als Angestellte nach Tarif, als Verbeamtete entsprechend der entsprechenden Besoldungstabelle vergütet.

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