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Bewerbung in Wissenschaft und Wirtschaft


Von Dr. Margarete Hubrath

Was bei der Bewerbung um eine Führungsposition in der Privatwirtschaft zum Erfolg beiträgt, kann an der Uni als Knock-out-Kriterium gelten und umgekehrt.

Bewerbung in Wissenschaft und Wirtschaft© Henkster - stock.xchngBewerbungstipps für Stellen in Wissenschaft und Wirtschaft
Berufungsverfahren an Hochschulen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Stellenbesetzungen in Unternehmen. Darauf sollten Sie achten:
Allzu flott und originell formulierte Anschreiben wirken in der Wissenschaft eher verdächtig. Gefragt ist dort weniger ein "Manager mit Biss" als eine seriöse Forscherpersönlichkeit, die sich vorrangig durch ihre wissenschaftliche Tätigkeit qualifiziert.

Die Darstellung des wissenschaftlichen Werdegangs im Lebenslauf sollte für Unternehmen wie Hochschulen gleichermaßen übersichtlich angelegt sein, damit alle wesentlichen Informationen zu Ihrer Qualifikation direkt erkennbar sind.

Ein besonders aufwendiges, womöglich farbig gestaltetes Layout der Unterlagen lohnt sich für Berufungsverfahren jedoch nicht, da die Mappen nur selten von allen Kommissionsmitgliedern eigenhändig durchgeblättert werden. Häufig orientieren sich die Kommissionen anhand eigens erstellter Synopsen, also tabellarischen Übersichten mit den wesentlichen Angaben (z.B. Alter, Forschungsschwerpunkte, Anzahl der Publikationen, Höhe der eingeworbenen Drittmittel usw.), um die einzelnen Bewerber/innen direkt vergleichen zu können.

Andererseits gilt für Bewerbungen um eine Professur das für Unternehmensbewerbungen typische Gebot der Kürze (max. zwei Seiten Lebenslauf und eine sog. Dritte Seite) in dieser Strenge nicht. Vielmehr steigt Ihre Qualifikation, je mehr Projekte und Aufgaben Sie in Forschung und Lehre vorzuweisen haben. Ein facettenreiches wissenschaftliches Profil kann gut und gerne mehrere Seiten im Lebenslauf füllen.

Mit Bedacht angegebene Hobbys und besondere Interessen außerhalb des Berufs, also die Rubriken, mit denen Personalverantwortlichen in Unternehmen die zum Stellenprofil passenden persönlichen Qualitäten signalisiert werden sollen, sind für die Wissenschaft wiederum wenig relevant: Hier herrscht in vielen Fachkulturen eher die Vorstellung, dass es für richtige Wissenschaftler/innen im Grunde nichts anderes mehr in ihrem Leben geben dürfe.

Lückenlosigkeit in der Berufsbiographie heißt in der Wissenschaft schließlich nicht zwangsläufig, dass sich ein Vertrag an den nächsten gereiht haben muss. In vielen Fächern ist es durchaus normal, dass zwischen zwei Arbeitsverhältnissen auch (kürzere) Phasen ohne Anstellung liegen, in denen z.B. ein Antrag für die Folgefinanzierung auf den Weg gebracht wird.

Darüber hinaus sind eine Reihe von Verfahrensunterschieden zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu beachten. Während Unternehmen meist ein Interesse daran haben, offene Stellen relativ zügig zu besetzen, können an Hochschulen zwischen Ausschreibung der Professur und Dienstantritt durchaus ein bis zwei Jahre vergehen. Die persönliche Begutachtung der verschiedenen Bewerber/innen nimmt dabei freilich die wenigste Zeit in Anspruch. Häufig reicht der Berufungskommission ein einmaliger Auftritt der Kandidat/inn/en an der Hochschule, um sich ein Bild zu verschaffen. In Unternehmen wird die Entscheidung dagegen oft erst nach mehreren Gesprächen getroffen, mitunter werden auch aufwendigere Gruppenverfahren (Assessment-Center) eingesetzt. Die anlässlich von Berufungsvorträgen entstehenden Reisekosten werden von den Hochschulen übrigens nur selten erstattet, während dies in der Wirtschaft selbstverständlich ist.

Nach dem Vorstellungsgespräch noch einmal anzurufen und sich z.B. nach dem Stand des Verfahrens zu erkundigen, wird in vielen Unternehmen als Ausdruck deutlichen Interesses an der Position und damit positiv gewertet. Besonders im Rahmen universitärer Berufungsverfahren gilt dies jedoch als unangemessen und geradezu aufdringlich hier ist demnach Zurückhaltung angesagt.

Ein differenziertes Feedback zum eigenen Auftritt, aus dem sich erkennen lässt, warum es in diesem Fall mit der Bewerbung nicht geklappt hat, bildet allerdings sowohl in der Wissenschaft als auch in weiten Teilen der Wirtschaft noch immer eine Ausnahme. Da ließe sich im Umgang mit den Bewerber/inne/n sicherlich noch manches verbessern.

uni-support / Institut für Hochschulberatung, Düsseldorf

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