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Gefragt ist ein differenziertes Qualifikationsprofil


Von Dr. Margarete Hubrath

Berufungsvoraussetzungen für Professuren an Fachhochschulen.

Die Chancen auf eine FH-Professur stehen heute besser denn je. Nach einer Schätzung des Wissenschaftsrates werden in diesem Jahrzehnt über 40 Prozent der rund 13.000 Professuren an Fachhochschulen neu besetzt. Mit der Einrichtung zusätzlicher Stellen ist im Laufe der Entwicklung neuer Studienangebote (BA/MA-Studiengänge) zu rechnen. Potenzielle Bewerber/innen um eine FH-Professur wissen jedoch häufig nicht, welche Anforderungen für eine erfolgreiche Bewerbung im Einzelnen gefragt sind.

Grundlage für eine Berufung sind zum einen die in der Ausschreibung formulierten Anforderungen (dienstrechtliche Voraussetzungen und fachliche Einschlägigkeit). Außerdem sind je nach Stelle und Fachbereich variierende zusätzliche Wünsche und Erwartungen an die Qualifikation zu beachten. Vergleichbar ist dies mit der Pflicht und der Kür im Sport: in beiden Kategorien gibt es Beurteilungs- spielräume, die um so größer sein können, je
überschaubarer die Bewerberlage ist.

Gefragt ist ein differenziertes Qualifikationsprofil© mastersteve - Photocase.de
Die Pflicht ...

1. Die dienstrechtlichen Voraussetzungen gemäß § 44 HRG

ein abgeschlossenes Hochschulstudium
Anerkannt werden Diplom, Magister oder Staatsexamen (in den Rechtswissenschaften auch das zweite Staatsexamen), auch FH-Abschlüsse und gleichwertige ausländische Studienabschlüsse.

pädagogische Eignung
Aufgrund des hohen Lehrdeputats von 18 Semesterwochenstunden stellt die pädagogische Eignung eine der Schlüsselkompetenzen für Fachhochschulprofessuren dar. Nachgewiesen wird sie meist durch Erfahrungen in der Hochschullehre und/oder der beruflichen Aus- und Weiter- bildung. Manchmal werden auch die Anleitung von Mitarbeiter/innen und fachlich einschlägige Vorträge als Beleg pädagogischer Eignung gewertet.

die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher oder zu künstlerischer Arbeit
Die wissenschaftliche Befähigung wird meist anhand einer qualifizierten Promotion nachge- wiesen. In bewerberstarken Fachgebieten wie etwa BWL wird in Ausschreibungen mitunter sogar die Habilitation genannt. In Fächern, in denen eine Promotion eher unüblich ist, kann die Gleichwertigkeit wissenschaftlicher Leistungen auch durch einschlägige Veröffentlichungen belegt werden. Als Nachweise künstlerischer Qualifikation gelten Preise und Auszeichnungen sowie Ausstellungen.

Mindestens 5 Jahre Berufspraxis,
davon 3 außerhalb des Hochschulbereichs. Welche Tätigkeiten jeweils als Berufspraxis gewertet werden, unterscheidet sich häufig zwischen den einzelnen Bundesländern und Hochschulen. Spielräume bestehen bspw. bei der Anrechnung von Teilzeit- oder freiberuflichen Tätigkeiten. Auch hier gilt: gibt es viele qualifizierte Bewerber/innen, werden die Anerkennungskriterien oft strenger gehandhabt.

2. Fachliche Einschlägigkeit

Sowohl der absolvierte Studiengang als auch die Berufspraxis müssen einschlägig sein, d.h. in einem überzeugenden Zusammenhang mit der ausgeschrieben Stelle und den künftigen Berufsfeldern der Studierenden stehen. In den seltensten Fällen stimmt ein individuelles Qualifikationsprofil jedoch mit den im Ausschreibungstext quasi idealtypisch und meist auch in einer gewissen Breite formulierten Anforderungen exakt überein. Vielmehr geht es darum, aus einer Reihe grundsätzlich geeigneter Kandidat/inn/en die Person auszuwählen, die mit ihren wissenschaftlichen und professionellen Kompetenzen den größten Gewinn für einen Fachbereich darstellt.

... und die Kür

Hier werden eine Reihe von zusätzlichen Qualifikationen interessant, die manchmal schon in der Ausschreibung als besondere Erwartungen formuliert sind, bisweilen aber auch stillschweigend vorausgesetzt werden. Dazu gehören im Bereich der Lehre z.B. Erfahrungen mit der Entwicklung und Umsetzung neuer Lernformen (Stichwort E-Learning-Module) oder bei der Konzipierung neuer Studienangebote.

Für Fachhochschulen sind in vielen Fächern bei der Besetzung von Professuren aber auch zunehmend Erfahrungen in der (Drittmittel-)Forschung wünschenswert. Nicht umsonst nennen sich die FHs Universities of Applied Sciences. Damit signalisieren sie, dass neben einer berufsbezogenen Ausbildung auch Forschungsprojekte ihren Raum haben, sei es in Kooperation mit Unternehmen oder durch öffentliche Forschungsgelder gefördert.

Attraktiv für eine Fachhochschule sind schließlich auch Bewerber/innen, die in ihrem professionellen Feld über gute Kontakte, also Netzwerke und Kooperationsbeziehungen mit einschlägigen Unternehmen und/oder Institutionen verfügen. Das ist eine gute Basis, um gemeinsame Projekte und Praktikaprogramme für Studierende zu entwickeln und durchzuführen.

Die Bandbreite der hier skizzierten Qualifikationsmaßstäbe zeigt: Fachhochschulen setzen auf Bewerber/innen mit möglichst differenzierten Qualifikationsprofilen. Das ermöglicht den Universities of Applied Sciences, flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren und innovativ zu sein.

uni-support / Institut für Hochschulberatung, Düsseldorf»

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