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Postdoc in der Industrie
Lohnt der Wechsel in die freie Wirtschaft in der Postdoc-Phase?

Ballon Symbolbild Postdoc freie Wirtschaft

Alternativ zur Wissenschaft ist der Postdoc auch in der freien Wirtschaft möglich © chuttersnap / unsplash.com

Ein Ausflug in die freie Wirtschaft kann für Postdocs attraktiv sein. Der Weg lohnt sich für manche junge Wissenschaftler:innen – auch wenn sie langfristig eine akademische Karriere anstreben.

Aktualisiert: 05.01.2022

Von:
Maria Zeitler
Postdoc-Phase Akademische Laufbahn Karriereplanung

Artikelinhalt

Postdoc in der Industrie: Unterschiede zur akademischen Laufbahn Wechsel in die Wirtschaft: Ist das sinnvoll für Postdocs? Gehaltsaussichten für Postdocs in der Industrie Überblick: Vor- und Nachteile für Postdocs in der freien Wirtschaft

Postdoc in der Industrie: Unterschiede zur akademischen Laufbahn

Wissenschaftlich gearbeitet und geforscht wird nicht nur an Hochschulen oder außeruniversitären Forschungsunternehmen wie dem Max-Planck-Institut. Auch Unternehmen sind auf die Weiterentwicklung von Technologien und Produkten angewiesen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Klassischerweise betreiben sie zu diesem Zweck eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E), die auch ein interessantes Berufsfeld für Akademiker:innen bietet, die nach der Abgabe ihrer Doktorarbeit ihre Postdoc-Phase in der freien Wirtschaft verbringen wollen.

Je nach Qualifikation können sie die verschiedensten Aufgaben übernehmen und Positionen besetzen, die in einem – oft internationalen – Team von Wissenschaftler:innen in der anwendungs- und projektbezogenen Forschung anfallen. Sie können im Labor arbeiten, die Postdoc-Stelle kann aber auch die Koordinierung eines Forschungsprojektes zum Inhalt haben. Wer beispielsweise zuvor bereits eine Nachwuchsgruppenleitung an einer Forschungseinrichtung innehatte, kann sich dadurch auch für Leitungspositionen innerhalb eines Forschungsteams qualifizieren.

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Darin unterscheiden sich die Postdoc-Stellen in Hochschule und Industrie

Hochschule oder freie Wirtschaft: Die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Jobs unterscheidet sich in der Regel sehr. Wer als promovierte:r Berufsanfänger:in in der freien Wirtschaft startet, ist von Anfang an mit der Forschung an Lösungen für ganz konkrete Anforderungen, Prozesse oder Projekte betraut. Grundlagenforschung spielt in diesem Kontext eine sehr untergeordnete Rolle. Dafür sind die Forschungsergebnisse der F&E-Abteilungen für die verschiedensten Bereiche wie Geschäftsführung, Einkauf, Produktion oder Vertrieb wichtig und fließen oft in konkrete Produkte ein, die auf den Markt kommen.

Wer als Postdoc an der Uni tätig ist, arbeitet in der Regel als wissenschaftliche:r Angestellte:r an einem Lehrstuhl oder als wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in in einer Forschungsgruppe oder einem Drittmittelprojekt. Neben der Forschung spielt meist auch die Lehre eine große Rolle, denn Postdocs halten Seminare und Übungen für die Studierenden. Dieser Aspekt fehlt bei Postdoc-Jobs in der Industrie. 

Darüber hinaus wird eine Stelle an der Hochschule meist genutzt, um das eigene wissenschaftliche Profil zu schärfen, Netzwerke aufzubauen und Publikationen für die angestrebte Habilitation zu sammeln. Auch dies ist in der Industrie nur eingeschränkt möglich: Während Forschungsergebnisse an der Hochschule für die Allgemeinheit veröffentlicht werden, sind Unternehmen meist nicht an der Veröffentlichung der eigenen Erkenntnisse interessiert. Hier steht eher im Vordergrund, auf die entsprechenden Entwicklungen Patente anzumelden. Wer weiter eine akademische Karriere anstrebt, könnte also gegenüber Kandidaten, die an der Hochschule geblieben sind, Nachteile haben.

Im akademischen Bereich müssen sich Postdocs dafür mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz auseinandersetzen: Es besagt, dass wissenschaftliches Personal maximal zwölf Jahre befristet an der Hochschule beschäftigt werden darf (meistens sechs Jahre für die Promotion und sechs Jahre für die Postdoc-Phase). Statt der Entfristung folgt danach jedoch oft das Ende der wissenschaftlichen Karriere. Mit dieser zeitlichen Deckelung und der damit anschließend drohenden Arbeitslosigkeit müssen sich Postdocs in der Industrie nicht befassen.

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Bewerbung als Postdoc in der Industrie

Wenn die Erkenntnisse der Dissertation eher wenig mit den Forschungsaktivitäten im angestrebten Unternehmen zu tun haben, sollten diese im Lebenslauf nicht zu ausschweifend behandelt werden. Stattdessen empfiehlt es sich, von den Bedürfnissen des Unternehmens her zu denken und das Aufgabenprofil aus der Stellenausschreibung zu berücksichtigen.

Zu betonen, warum das Unternehmen gerade die eigenen erworbenen Kompetenzen brauchen kann, hilft dabei, den etwaigen Eindruck des überqualifizierten Theoretikers zu vermeiden. Darüber hinaus ist es für Postdocs bei einer Bewerbung in der Wirtschaft wichtig, jede Art von Praxiserfahrung herauszustellen, egal ob es sich um einen Nebenjob neben der Promotion oder um eine Industriepromotion handelt – auch eine eventuell vor dem Studium absolvierte Ausbildung, eine Werkstudententätigkeit oder Praktika während des Studiums sollten erwähnt werden.  

Wechsel in die Wirtschaft: Ist das sinnvoll für Postdocs?

Generell ist es besonders in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern verbreitet, als Postdoc in der freien Wirtschaft zu arbeiten – in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist es üblicher, als Postdoc an der Hochschule zu bleiben. In der Industrie finden sich also beispielsweise viele Postdocs aus der Biologie, Postdocs aus der Chemie oder der Physik sowie Postdocs aus den Ingenieurwissenschaften wieder. 

Die Unternehmen suchen explizit nach dieser fachlichen Expertise, man muss als Postdoc also keine Kenntnisse in Wirtschaftswissenschaften mitbringen, um einen erfolgreichen Wechsel in die Wirtschaft zu schaffen. Nichtsdestotrotz sind Postdocs, die neben ihren Fachkenntnisse weitere Qualifikationen – beispielsweise in Informationstechnik, BWL oder Sprachen wie Chinesisch – mitbringen, vor allem für verantwortungsvolle Schnittstellenfunktionen auf der Führungsebene besonders gefragt. 

Für wen lohnt sich der Ausflug in die Industrie?

Besonders in zwei Fällen ist ein vorübergehender Wechsel in die Wirtschaft in der Regel sehr lohnenswert – auch wenn anschließend die akademische Karriere weitergehen soll:

  • im Fachbereich Ingenieurwissenschaften 
  • beim Berufsziel FH- bzw. HAW-Professur. 

Die Ingenieurwissenschaften sind per se sehr anwendungsbezogen. So werden Professuren in diesem Fachbereich gern mit Personen besetzt, die in den F&E-Abteilungen der Industrie gearbeitet haben. Wer nach einem Ausflug in die Wirtschaft weiter die akademische Laufbahn verfolgen möchte, sollte allerdings darauf achten, den Kontakt zur Hochschulwelt und sein wissenschaftliches Netzwerk intensiv zu pflegen – über gemeinsame Forschungsprojekte, Lehraufträge oder die Betreuung von Abschlussarbeiten. Am wichtigsten sind jedoch die Forschungsleistungen inklusive Publikationen und Patenten.

Auch für Postdocs mit dem Berufsziel Fachhochschulprofessur ist es vorteilhaft, die Phase nach der Promotion in der freien Wirtschaft zu verbringen: Hier ist es für eine Berufung in der Regel verpflichtend, einige Jahre in der beruflichen Praxis gearbeitet zu haben (die genauen Regelungen der Bundesländer finden sich in den Landeshochschulgesetzen). Wer parallel Lehraufträge ergattert, macht sich schon während der Zeit im Unternehmen für die umfangreiche Lehrtätigkeit als HAW-Professor:in fit. 

Für welche Postdocs ist der Wechsel in die Wirtschaft nicht sinnvoll? 

Nicht immer bringt ein vorübergehender Wechsel aber Schwung in die wissenschaftliche Karriere. Besonders in nicht-naturwissenschaftlichen Fachbereichen kann ein Wechsel in die Industrie sogar auch nachteilig sein. Der Aufbau eines wissenschaftlichen Netzwerkes in der Hochschullandschaft ist neben einem Vollzeitjob in einem Unternehmen kaum zu leisten – zeitlich, aber auch, weil Besuche von Hochschul- und länderübergreifenden Fachveranstaltungen fehlen.

Ein weiteres Problem ist, dass die eigenen Forschungsergebnisse in der Regel nicht in den einschlägigen Fachmagazinen publiziert werden, was für eine spätere Habilitation unabdingbar ist. Wenn sie überhaupt veröffentlicht werden: Unternehmen forschen schließlich gemeinhin nicht um der Erkenntnis willen, sondern in erster Linie, um mit den Forschungsergebnissen marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln – eine Veröffentlichung der Erkenntnisse und Methoden ist hier kontraproduktiv und somit nicht erwünscht.

Für wen also die akademische Karriere mit Habilitation und Hochschulprofessur das oberste Ziel ist, der sollte sich den kurzen Seitensprung in die freie Wirtschaft gut überlegen. Weil die Arbeitgeber gut qualifiziertes Personal behalten wollen und finanzielle Anreize winken, wird der als vorübergehende Episode geplante Ausflug oft zu einem kompletten Ausstieg aus dem universitären Forschungssystem. Wer es dennoch wagen will, sollte möglichst engen Kontakt zur Hochschule halten – und beim Arbeitgeber für Unterstützung werben, um für Lehraufträge und wissenschaftliche Tagungen und Kongresse freigestellt zu werden.

Gehaltsaussichten für Postdocs in der Industrie

Neben den karrieretechnischen Vorteilen für einige Bereiche ist es für viele Postdocs auch finanziell reizvoll, die Phase in der freien Wirtschaft statt an der Hochschule zu absolvieren. In letzteren fällt das Einkommen meist wesentlich geringer aus als bei Unternehmen. Häufig ist das Gehalt in der Wirtschaft verhandelbar und hängt von den Qualifikationen und bisherigen Erfahrungen ab – Postdocs haben in ihrem Fachgebiet hier einiges zu bieten. Den regulären Verdienst können Unternehmen durch weitere Vergütungskomponenten und betriebliche Leistungen aufstocken. 

Die Höhe des Gehalts für Postdocs in der Industrie hängt nicht nur von ihrer fachlichen Qualifikation und der Position im Unternehmen ab. Auch die Größe des Unternehmens ist ausschlaggebend: Je mehr Mitarbeiter es hat, desto mehr können Wissenschaftler in der Regel verdienen. Weitere Faktoren sind der Standort und die Branche. Am höchsten fallen die Gehälter in der Pharmabranche aus. 

Überblick: Vor- und Nachteile für Postdocs in der freien Wirtschaft

Pro:

  • Berufspraxis sammeln für eine Fachhochschul- bzw. HAW-Professur
  • Hilfreich für eine Professur in den Ingenieurwissenschaften
  • Höheres Gehalt
  • Weniger prekäre Beschäftigung als in der Wissenschaft
  • Interesse des Arbeitgebers, eingearbeitetes und hoch qualifiziertes Personal zu behalten
  • Ergebnisse der eigenen Forschung sind anwendungsorientiert und kommen auf den Markt
  • Beschäftigung ist nicht per se zeitlich befristet

Kontra:

  • Wenig Zeit für eigene Forschung
  • Veröffentlichungen oft nicht möglich
  • Wenig Möglichkeit, an der Habilitation zu arbeiten
  • Weniger Kontakt zu wissenschaftlichen Netzwerken und an die Hochschule
  • Keine Lehre und somit Lehrerfahrung


Aktuelle Veranstaltungen

  • Online Seminar

    Alternative Career Paths in Academia and Beyond

    Datum October 20, 2026
    Zeit 4.30 p.m.
    Ort online
    Redner Dr. Michaela Hergersberg (Karrierecoach München)

    It doesn’t always have to be a professorship: After completing your doctorate, many career paths connected to academia are open to you. These include roles in research management, patents or alumni relations, technology transfer, communications, and consulting. In our free online seminar, you will gain an overview of the available options, the qualifications required, and how to plan your next career move.

    This online seminar will be held in English.

    Mehr erfahren Weniger anzeigen
  • academics Event

    Podiumsdiskussion & Austausch: Karrierewege in und aus der Wissenschaft (Falling Walls Science Summit)

    Datum Fr, 6.11.2026
    Zeit 14-16 Uhr
    Ort Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin
    Redner Dr. Hanna Proner (DIE ZEIT)
    Redner Dr. Nicole Saverschek
    Redner Dr. Nina Fechler
    Redner Dagny Lüdemann
    Redner Dr. Nele Diekmann

    In diesem zweistündigen Bühnenslot geben vier Expertinnen und Rolemodels persönliche Einblicke in ihre beruflichen Wege und berichten von Chancen, Entscheidungen und Erfahrungen an unterschiedlichen Schnittstellen zur Wissenschaft. Ob der Weg tiefer in die Forschung führt, um einem Forschungsprojekt zum durchschlagenden Erfolg zu verhelfen oder in die Gründung eines Start-Ups oder vielleicht ins Wissenschaftsmanagement oder auch in die Wissenschaftskommunikation – diese Ideen, Motivationen und vielleicht auch ganz neue Perspektiven diskutieren wir auf der Bühne, aber danach auch mit allen Teilnehmer:innen an Thementischen im persönlichen Gespräch – mit viel Zeit zum Fragen stellen und Erfahrungen teilen.

    Die Veranstaltung richtet sich an junge Wissenschaftler:innen und alle, die sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Sie bietet Orientierung, Inspiration und ganz konkrete Einblicke in mögliche Karriereschritte in und aus der Wissenschaft.

    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung (3-Tages-Pass für das Falling Walls Science Summit) ist erforderlich – Link hinter dem Button „Mehr erfahren“!

    Role Models und Speakerinnen:

    • Dr. Nicole Saverscheck, promovierte Biologin, Leitung des Begabtenförderungswerk der Stiftung der Deutschen Wirtschaft
    • Dr. Nina Fechler, promovierte Chemikerin, Global Director Strategic Marketing & Business Development bei Evonik
    • Dagny Lüdemann, Biologin, Chefreporterin im Ressort Wissen für DIE ZEIT
    • Dr. Nele Diekmann, promovierte Geisteswissenschaftlerin, selbständig

    Moderation: Dr. Hanna Proner, Geschäftsführerin von academics und Director Science / ZEIT Talent bei DIE ZEIT

    Termin: Freitag, 6. November 2026, 14 bis 16 Uhr
    Veranstaltungsort: Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin

    Mehr erfahren Weniger anzeigen
    Mehr Informationen
  • Online Seminar

    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen und weiblich gelesene Personen

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

    Wie gelingt der Weg zur HAW-Professur? Und welche Fragen stellen sich dabei ganz besonders für Frauen?

    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

    Infos und Tipps aus erster Hand kommen dabei von Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau), mit der wir über ihren persönlichen Weg zur Professur sprechen, und Marianne Löhndorf (TH Lübeck), die Einblicke in Berufungsverfahren und Karrierewege gibt.

    Besonders wichtig: Dieses Webinar lebt vom Austausch. In einem eigenen Networking-Block haben die Teilnehmerinnen Raum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmerinnenzahl ist deshalb auf 250 limitiert.

    Das Online-Seminar findet in Kooperation mit der Kampagne „Karriere mit Wirkung“ und dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science and Humanities“ der ZEIT statt.

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