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Die reale Professorenbesoldung: Erhebliche Unterschiede in den Ländern

von HUBERT DETMER

Die realen Durchschnittswerte der Professorenbesoldung weisen in den Bundesländern in der Besoldungsgruppe W3 Unterschiede von bis zu 1.260 Euro brutto monatlich aus. Die Vergabepraxis der Länder im Hinblick auf Leistungsbezüge ist zudem extrem heterogen. "W" ist nicht immer weniger als "C"; bei W2 wird allerdings "gespart". Und: Der Osten zahlt in der Regel schlechtere Gehälter als der Rest der Republik.

Die reale Professorenbesoldung: Erhebliche Unterschiede in den Ländern© zettberlin - photocase.deEin Ranking der durchschnittlichen Professorenbesoldung
Über die durchschnittliche Professorenbesoldung in "W" gibt es viele Spekulationen. Man weiß von erheblichen Unterschieden in den einzelnen Bundesländern. Im öffentlichen Bewusstsein stehen dabei aber vornehmlich die unterschiedlich hohen Grundgehaltssätze. Nun hat das Statistische Bundesamt für den DHV unter anderem Durchschnittswerte für die Professorenbesoldung an öffentlichen Hochschulen und Berufsakademien (ohne Hochschulkliniken) ermittelt, die einige überraschende Befunde ans Licht bringen. Diese Beträge, die unter anderem die diversen Leistungsbezüge enthalten, aber auch Erfahrungsstufen berücksichtigen, zeigen, was Professoren in Beamtenverhältnissen im jeweiligen Bundesland durchschnittlich verdienen. Damit ermöglichen diese Werte trotz einiger kleinerer Unschärfen ein echtes "Besoldungsranking".

Die Grundgehälter

Tabelle 1 und Tabelle 2 geben einen Überblick über die Monatsgrundgehälter in den Besoldungsgruppen W2 und W3 (Stand: November 2016). Auffällig sind dabei zunächst die unterschiedlich "großen" Besoldungsabstände zwischen W2 und W3. Während Bayern in W3 ca. 1.000 Euro brutto monatlich mehr zahlt als in der Besoldungsgruppe W2, beträgt die Differenz in Nordrhein-Westfalen gerade einmal 570 Euro. Nur auf den ersten Blick überraschend ist, dass diese Grundgehaltssätze keine eindeutigen geographischen Muster erkennen lassen (beispielsweise ein häufig vermutetes "Nord-Süd-Gefälle"). Von den Grundgehältern allein kann nicht auf die finanzielle Potenz eines Dienstherrn oder gar auf die Besoldungs(-verhandlungs)praxis geschlossen werden. "Ausreißer" sind ferner erklärungsbedürftig: So finden sich die Bundesländer, die in "W" mit Erfahrungsstufen im Grundgehalt operieren (Bayern, Hessen, Sachsen) in den Tabellen 1 und 2 u.a. deshalb auf schlechteren Plätzen als bei einer Betrachtung der realen Durchschnittsgehälter in W2 und W3, da die Tabellen 1 und 2 nur die Grundgehälter in der jeweiligen Stufe 1 abbilden. Gleiches gilt für die Länder, die einen Grundleistungsbezug vorsehen. Eine vollständige Aufstellung der W-Grundgehälter mit allen Erfahrungsstufen und den "garantierten" Grundleistungsbezügen findet sich auf www. hochschulverband.de/Infocenter/W-Portal.

Tabelle 1: Grundgehälter W2 in Euro, Stand: November 2016
Ranking Besoldung W2 (brutto)
1 Baden-Württemberg 5.914,08
2 Sachsen-Anhalt 5.573,78
3 Schleswig-Holstein 5.500,18
4 Niedersachsen 5.476,82
5 Thüringen 5.476,00
6 Nordrhein-Westfalen 5.458,35
7 Bayern 5.408,57 (Erfahrungsstufe 1)
8 Mecklenburg-Vorpommern 5.388,92
9 Saarland 5.323,09
10 Berlin 5.288,67
11 Sachsen 5.193,04 (Erfahrungsstufe 1)
12 Rheinland-Pfalz 5.161,44
13 Hessen 5.082,11 (Erfahrungsstufe 1)
14 Hamburg 4.820,59 (ohne Grundleistungsbezug)
15 Bremen 4.758,74 (ohne Grundleistungsbezug)
16 Brandenburg 4.745,49 (ohne Grundleistungsbezug)
- alle Angaben ohne Gewähr -

Tabelle 2: Grundgehälter W3 in Euro, Stand: November 2016
Ranking Besoldung W3 (brutto)
1 Baden-Württemberg 6.713,60
2 Bayern 6.401,99 (Erfahrungsstufe 1)
3 Mecklenburg-Vorpommern 6.281,64
4 Schleswig-Holstein 6.228,07
5 Saarland 6.201,86
6 Sachsen-Anhalt 6.187,43
7 Berlin 6.064,79
8 Nordrhein-Westfalen 6.029,25
9 Niedersachsen 5.958,03
10 Rheinland-Pfalz 5.856,87
11 Thüringen 5.853,12
12 Sachsen 5.850,43 (Erfahrungsstufe 1)
13 Hamburg 5.823,53 (ohne Grundleistungsbezug)
14 Bremen 5.753,79 (ohne Grundleistungsbezug)
15 Brandenburg 5.735,25 (ohne Grundleistungsbezug)
16 Hessen 5.634,97 (Erfahrungsstufe 1)
- alle Angaben ohne Gewähr -

Durchschnittswerte in W2 und W3

Schärfer werden die Konturen im Sinne eines "echten" Besoldungsrankings jedoch bereits bei einem Blick auf die Tabellen 3 und 4 (Quelle: Statistisches Bundesamt). Diese vom Statistischen Bundesamt für den Deutschen Hochschulverband ermittelten Durchschnittswerte für die Professorenbesoldung an öffentlichen Hochschulen und Berufsakademien (ohne Hochschulkliniken) umfassen neben den jeweiligen Grundgehältern die gewährten Leistungsbezüge, Forschungs- und Lehrzulagen, den Familienzuschlag und zum Teil auch ein "Weihnachtsgeld" (sogenannte Sonderzahlung), soweit dieses anteilig im Monat Juni 2015 ausgezahlt worden ist. Letzteres betrifft Hessen, so dass die in den Tabellen 3 und 4 abgebildeten Werte für Hessen im Vergleich zu den anderen Bundesländern einer Relativierung "nach unten" bedürfen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn - wie beispielsweise in Bayern - eine Sonderzuwendung im Dezember (also nicht im Erhebungsmonat Juni) ausgezahlt wird (hier ist also eine Anpassung nach "oben" angezeigt).

Erklärungsbedürftig sind im Übrigen auch an dieser Stelle "Ausreißer": Der angesichts der Höhe des Grundgehalts in Baden-Württemberg niedrige Durchschnittswert in W3 lässt sich auch darauf zurückführen, dass Baden-Württemberg das einzige Bundesland ist, das im universitären Bereich für Professoren - von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen - alleine die Besoldungsgruppe W3 vorsieht. Ein weiterer Befund: Während bei den Grundgehältern zwischen W2 und W3 eine Differenzbandbreite von ca. 600 bis 1.000 Euro monatlich brutto sozusagen gesetzlich angelegt ist (s. hierzu Tabellen 1 und 2), vergrößert die reale Besoldungspraxis diesen Abstand auf bis zu 2.230 Euro brutto monatlich (Bayern). Ferner: Im Gegensatz zu den Tabellen 1 und 2 verdeutlichen die Tabellen 3 und 4 ein geographisches Muster, speziell im Hinblick auf die "Neuen Bundesländer", die sich in W2 zwar noch auf den Plätzen 6, 8, 11, 12 und 13, in W3 aber auf den Plätzen 11, 12, 14, 15 und 16 wiederfinden. Ein Gefälle zwischen Süd und Nord lässt sich demgegenüber zumindest nicht eindeutig feststellen.

Tabelle 3: Durchschnittsbesoldung* W2 in Euro Juni 2015 - Ranking
Ranking Besoldung W2 (brutto)
1 Hessen 6.420**
2 Baden-Württemberg 6.360
3 Bayern 6.280
4 Rheinland-Pfalz 6.220
5 Schleswig-Holstein 6.160
6 Sachsen-Anhalt 6.150
7 Nordrhein-Westfalen 6.090
8 Sachsen 6.080
9 Niedersachsen 6.070
10 Bremen 6.030
11 Mecklenburg-Vorpommern 5.990
12 Thüringen 5.990
13 Brandenburg 5.960
14 Hamburg 5.960
15 Saarland 5.830
16 Berlin 5.570
gewichteter Durchschnitt 6.160
Quelle: Statistisches Bundesamt
* Insbesondere inklusive Erfahrungsstufen, Grundleistungsbezug, der diversen Leistungsbezüge, Forschungs- und Lehrzulagen, Familienzuschlag und zum Teil auch "anteiliger" Sonderzuwendungen.
**Inkl. fünf Prozent eines Monatsbezugs als monatliche Auszahlung der Sonderzuwendung.

Tabelle 4: Durchschnittsbesoldung* W3 in Euro Juni 2015 - Ranking
Ranking Besoldung W2 (brutto)
1 Bayern 8.510
2 Hessen 8.330**
3 Nordrhein-Westfalen 8.100
4 Bremen 7.990
5 Hamburg 7.980
6 Schleswig-Holstein 7.910
7 Rheinland-Pfalz 7.880
8 Baden-Württemberg 7870
9 Niedersachsen 7.840
10 Berlin 7.770
11 Sachsen-Anhalt 7.770
12 Sachsen 7.670
13 Saarland 7.580
14 Thüringen 7.570
15 Brandenburg 7.310
16 Mecklenburg-Vorpommern 7.250
gewichteter Durchschnitt 7.980
Quelle: Statistisches Bundesamt
* Insbesondere inklusive Erfahrungsstufen, Grundleistungsbezug, der diversen Leistungsbezüge, Forschungs- und Lehrzulagen, Familienzuschlag und zum Teil auch "anteiliger" Sonderzuwendungen.
**Inkl. fünf Prozent eines Monatsbezugs als monatliche Auszahlung der Sonderzuwendung.

Besoldungsdurchschnittswerte in "C"

Diese Befunde können anhand eines Quervergleichs mit der Durchschnittsbesoldung in C3 und C4 (Tabellen 5 und 6) größtenteils bestätigt werden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Abstände zwischen den einzelnen Besoldungsgruppen. Festzuhalten ist, dass "W" ganz speziell bei dem Vergleich der Besoldungsgruppen W3/C4 inzwischen keineswegs mehr "Weniger" bedeuten muss. Trotz des höheren Lebensalters der Besoldungsempfänger in "C" übertrifft die Durchschnittsbesoldung in W3 in einigen Bundesländern (z.B.: Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin) den entsprechenden C-Wert (C4). Auch in den anderen Bundesländern fallen die Unterschiede nicht allzu markant aus. Da die durchschnittlich im Juni 2015 gezahlte W3-Besoldung über alle Bundesländer hinweg bei 7.980 Euro lag, während in C4 durchschnittlich 8.050 Euro gewährt wurde, kann davon ausgegangen werden, dass sich die W3-Besoldung inzwischen auf dem C4-Niveau eingependelt hat. Ganz anders aber fällt das Ergebnis bei einem W2/C3-Vergleich aus: Dort ist der Befund mit durchschnittlich ca. 370 Euro zu Ungunsten von "W" eindeutig (W2: 6.160/C3: 6.530). Bei W2 wird also in der Vergabepraxis gespart; gegebenenfalls auch, um angemessene W3-Besoldungen gewähren zu können.

Tabelle 5: Durchschnittsbesoldung* C3 in Euro Juni 2015 - Ranking
Ranking Besoldung C3 (brutto)
1 Hessen 6.730**
2 Baden-Württemberg 6.720
3 Niedersachsen 6.620
4 Sachsen-Anhalt 6.610
5 Sachsen 6.590
6 Mecklenburg-Vorpommern 6.540
7 Rheinland-Pfalz 6.510
8 Bayern 6.480
9 Nordrhein-Westfalen 6.480
10 Thüringen 6.470
11 Schleswig-Holstein 6.460
12 Hamburg 6.410
13 Saarland 6.360
14 Brandenburg 6.320
15 Bremen 6.100
16 Berlin 6.030
gewichteter Durchschnitt 6.530
Quelle: Statistisches Bundesamt
* Insbesondere inklusive Erfahrungsstufen, Grundleistungsbezug, der diversen Leistungsbezüge, Forschungs- und Lehrzulagen, Familienzuschlag und zum Teil auch "anteiliger" Sonderzuwendungen.
**Inkl. fünf Prozent eines Monatsbezugs als monatliche Auszahlung der Sonderzuwendung.

Tabelle 6: Durchschnittsbesoldung* C4 in Euro Juni 2015 - Ranking
Ranking Besoldung C4 (brutto)
1 Baden-Württemberg 8.490
2 Hessen 8.410
3 Bayern 8.300
4 Hamburg 8.110
5 Niedersachsen 8.070
6 Saarland 7.940
7 Rheinland-Pfalz 7.910
8 Sachsen-Anhalt 7.910
9 Schleswig-Holstein 7.910
10 Nordrhein-Westfalen 7.850
11 Sachsen 7.810
12 Berlin 7.760
13 Thüringen 7.690
14 Brandenburg 7.590
15 Bremen 7.580
16 Mecklenburg-Vorpommern 7.580
gewichteter Durchschnitt 8.050
Quelle: Statistisches Bundesamt
* Insbesondere inklusive Erfahrungsstufen, Grundleistungsbezug, der diversen Leistungsbezüge, Forschungs- und Lehrzulagen, Familienzuschlag und zum Teil auch "anteiliger" Sonderzuwendungen.
**Inkl. fünf Prozent eines Monatsbezugs als monatliche Auszahlung der Sonderzuwendung.

Über den Autor
Dr. Hubert Detmer ist Rechtsanwalt und stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes (DHV).

Aus Forschung & Lehre :: Februar 2017