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Besoldung von Juniorprofessoren

VON ULRIKE PREIßLER

Der aktuelle Überblick zur W1-Besoldung zeigt, dass die Vergütung von Juniorprofessoren verfassungsrechtlich bedenklich niedrig bemessen ist.

Besoldung von Juniorprofessoren - W1 im Überblick© koli - Photocase.deAuch die Höhe der W1-Besoldung für Juniorprofessoren ist von den Ländern abhängig
Seit der Föderalismusreform wird auch die Besoldung der Juniorprofessorinnen und -professoren durch die einzelnen Besoldungsordnungen der Länder geregelt. Die nachstehende Tabelle zeigt, dass die monatlichen Grundgehälter sich der Höhe nach deutlich unterscheiden. Die jeweiligen Beträge zeigen aber auch - besonders mit Blick auf das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom Februar 2012 zur Amtsangemessenheit der W-Besoldung -, dass die Vergütung der Juniorprofessoren verfassungsrechtlich bedenklich niedrig bemessen ist. Es kann keineswegs als ausgemacht gelten, dass das W1-Grundgehalt - sowohl das niedrigste mit 3.551,31 Euro im Saarland als auch das höchste mit 4.171,69 Euro in Bayern - dem Grundsatz der amtsangemessenen Alimentation gerecht wird, der sich an der Qualifikation des Amtsinhabers, an den von ihm zu erfüllenden Aufgaben, dem Ansehen des Amtes in der Gesellschaft und entsprechend der höchstrichterlichen Vorgaben am Quervergleich zu anderen Besoldungsordnungen zu orientieren hat.

Unterschiede bei der Jahresendbesoldung ergeben sich auch dadurch, dass in einigen Ländern Sonderzahlungen (das sog. Weihnachtsgeld) ausgeschüttet werden, dies allerdings in sehr unterschiedlicher Höhe, andere Ländern hingegen die Sonderzahlung in das monatliche Grundgehalt integriert haben. Nach der positiven Zwischenevaluation - in der Regel nach drei Dienstjahren - gewähren der Bund und alle Länder bis auf Baden-Württemberg den Juniorprofessoren eine Bewährungszulage in Höhe von ca. 270 Euro/monatlich. In Sachsen wird die Bewährungszulage durch einen Stufenaufstieg abgebildet. Baden-Württemberg fällt auch insofern negativ auf, als die Beamten der Besoldungsgruppe W1 in den ersten drei Jahren ihrer Diensttätigkeit ein um acht Prozent abgesenktes Grundgehalt erhalten. Im Saarland gilt ähnliches: Das Grundgehalt wird um 370 Euro/monatlich für die Dauer von zwei Jahren nach Amtseinweisung verringert. Die Besoldungsabsenkungen und auch die nicht amtsangemessene Höhe der W1-Grundgehälter verdeutlichen, dass im Bereich der Juniorprofessurbesoldung Reformbedarf besteht.

Allein in Baden-Württemberg kann den Juniorprofessoren zur Gewinnung oder Erhaltung eine nicht ruhegehaltfähige Zulage zugesagt werden. Diese positive Regelung sollte in die Besoldungsgesetze anderer Länder Eingang finden. W1-Amtsinhabern können besondere Leistungsbezüge gewährt werden in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein. In sieben Ländern ist es möglich, den Juniorprofessoren bei der Einwerbung von Drittmitteln eine Forschungs- und Lehrzulage zu zahlen. In Bayern können auch Juniorprofessoren einen Funktionsleistungsbezug erhalten.


Die W1-Besoldung im Überblick (Stand: April 2014)

  Grundgehalt mtl. in EUR Besonderheiten Jährliche Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld etc.) Bruttojahresendgehalt in EUR, bei Klammerzusatz inkl. Weihnachtsgeld Leistungsbezüge
Bund 4.154,37   Seit dem 1. Juli 2009 in die monatlichen Grundgehälter integriert. 49.852,44  
Baden-Württemberg 3.759,18 Absenkung des Grundgehaltes in Höhe von 4.086,06 Euro in den ersten drei Jahren um 8 Prozent (§ 23 LBesGBW). Seit dem 1. Januar 2008 in die monatlichen Grundgehälter integriert. 45.110,16,
ab dem vierten
Dienstjahr
49.032,72
Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Zulage von bis zu 600 Euro monatlich zur Gewinnung, zur Erhaltung und für besondere Leistungen möglich (§ 59 LBesGBW). Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 60 LBesGBW).
Bayern 4.171,69   Grundbetrag von 65 % von einem Zwölftel der Bezüge aus dem laufenden Kalenderjahr, 2.711,60 Euro.
Zusätzlich 84,29 % von einem Zwölftel der Bezüge aus dem laufenden Kalenderjahr eines evtl. gewährten Familienzuschlags (Art. 83 BayBesG).
Monatlicher Erhöhungsbetrag von 8,33 Euro für Dienstanfänger (Art. 84 BayBesG).
Sonderbetrag für jedes Kind von monatlich 2,13 Euro (Art. 85 BayBesG).
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für Dezember. (Art. 87 BayBesG).
50.060,28
(52.771,88)
Gewährung von besonderen Leistungsbezügen sowie Funktions-Leistungsbezügen möglich (Art. 69 BayBesG).
Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (Art. 57 BayBesG).
Berlin 3.667,98   Sonderzahlung in Höhe von 640 Euro (§ 5 SZG).
Sonderbetrag für jedes Kind von 25,56 Euro jährlich (§ 6 SZG).
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 7 SZG).
44.015,76
(44.655,76)
 
Brandenburg 3.878,16   Keine Sonderzahlungen 46.537,92  
Bremen 3.816,31   Sonderzahlung für jedes Kind in Höhe von 25,56 Euro jährlich (§ 10 BremBesG).
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 10 BremBesG).
45.795,72  
Hamburg 4.072,88   Sonderzahlung in Höhe von 300 Euro für jedes Kind jährlich (§ 2 HmbSZG).
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 2 HmbSZG).
48.874,56 Gewährung von besonderen Leistungsbezügen in Höhe von maximal 500 Euro/monatlich (§ 61 Abs. 1 HmbBesG) sowie einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 39 Abs. 1 HmbBesG).
Hessen 4.007,96   Grundbetrag in Höhe von 5 % der monatlichen Bezüge, 200,40 Euro (§ 5 HSZG), 60 % im Jahr.
Sonderbetrag für jedes Kind von monatlich 2,13 Euro (§ 6 HSZG). Auszahlung erfolgt monatlich im Voraus (§ 3 HSZG).
48.095,52
(50.500,30)
Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 6 HLeistBVO).
Mecklenburg-Vorpommern 3.995,99   Grundbetrag in Höhe von 37,5 % der für den Monat Dezember des laufenden Jahres maßgebenden Bezüge multipliziert mit einem vom Finanzministerium festzusetzenden Bemessungsfaktor (§ 6 SZG M-V).
Sonderbetrag für jedes Kind von 25,56 Euro jährlich (§ 9 SZG M-V).
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 12 SZG M-V).
47.951,88
(49.194,79 in 2014)
Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 16 Abs. 1,3 LBesG M-V).
Niedersachsen 3.921,22   Sonderzahlung für das erste und zweite Kind in Höhe von 120 Euro jährlich, für das dritte und jedes weitere Kind in Höhe von 400 Euro jährlich.
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 8 NBesG).
47.054,64  
Nordrhein-Westfalen 3.816,31   30 % der maßgebenden Bezüge für den Monat Dezember, 1.144,89 Euro (§ 6 SZG NRW).
Sonderbetrag für jedes Kind von 25,56 Euro jährlich (§ 8 SZG NRW).
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 10 SZG NRW).
45.795,72
(46.940,61)
 
Rheinland-Pfalz 4.058,17   Seit dem 1. Januar 2009 in die monatlichen Grundgehälter integriert. 48.698,04  
Saarland 3.551,31 Absenkung des Grundgehaltes in Höhe von3.921,31 Euro in den ersten beiden Dienstjahren um 370 Euro (§ 3b SBesG; geändert durch Art. 2 Haushaltsbegleitgesetz 2011). Seit dem 1. Juli 2009 in die monatlichen Grundgehälter integriert. 42.615,72,
ab dem dritten
Dienstjahr
47.055,72
 
Sachsen 4.055,78   Keine Sonderzahlungen 48.669,36 Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 15 SächsBesG).
Sachsen-Anhalt 3.939,56   Sonderzahlung für jedes Kind in Höhe von 25,56 Euro jährlich.
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 56 LBesG SA).
47.274,72 Gewährung einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 33 LBesG LSA).
Schleswig-Holstein 3.924,20   Sonderbetrag für jedes Kind von 400 Euro jährlich.
Auszahlung erfolgt mit den Bezügen für den Monat Dezember (§ 2 SonderZahlG SH).
47.090,40 Gewährung besonderer Leistungsbezüge nach zweijähriger Dienstzeit (§ 32 SHBesG) sowie einer nicht ruhegehaltfähigen Forschungs- und Lehrzulage möglich (§ 37 SHBesG).
Thüringen 3.989,97   Seit dem 1. Juli 2008 in die monatlichen Grundgehälter integriert. 47.879,64  

Stand: April 2014
(Alle Angaben ohne Gewähr)

Aus Forschung & Lehre :: April 2014